Bottrop als faszinierender Film von Oben – und wie dat geht!
+Video I Podcast-Interview I Der Ruhrpottologe guckt sich mit Dennis Peter in Bottrop die Radischen von oben an

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Hömma! Vor ein paar Wochen habbich zufällich den kleinen Filmausschnitt „Bottrop von Oben“ von Dennis und Marie Peter gesehen. Den Jung musste ich vor dat Mikro kriegen für nen kleinen Podcast. Denn wie isser denn zu der Idee gekommen die kleine Drohne, einer „DJI Mavic Air“, über Bottrop fliegen zu lassen?


Dennis Peter mit dem Ruhrpottologen  - Foto: André Brune

Und schon war der Termin da. Wir haben ihn kurzfristig auch auf den Filmabend kurz vor Veröffentlichung bei Youtube vorverlegt. Dat passte wie die Faust aufs Auge. Kurzfristich konnte ich nochn Ticket für dat Filmforum Bottrop bekommen. Ihr müsst folgendet wissen, falls Ihr Nichtbottroper seid oder so jung, dat du dat nich weiß:

Dennis Peter mit seiner Filmdrohen „DJI Mavic Air“ im Eingangsbereich vom Filmforum Bottrop – Foto: André Brune

Bis inne 1970er gabet hier ne rieisige Kinokultur! Sage und schreibe 11 Kinos mit 1,63 Mio Besuchen zählte man im Jahr 1956. Bis dann der bezahlbare Farbbildfernseher die Wohnzimmer eroberte und die Videokassetten den Kinos schon Anfang der 1970er den Garaus machten. Für dat junge Leserpublikum: Dat sind so rechteckige Teile mit einem Band auf dem aufgenommene Filme abgespielt wurden in einem Gerät, wat aussieht wie ein übergroßet Stück Mauerstein mit einem Schlitz. Da kam die Kassette rein und man musste so ein Pfeil drücken. Dat hieß „Play“ und dann konntese dir „Beverly Hills Cop“ und anderen Kram reinziehen. Manche haben ganze Wände voll mit so Kassetten gehabt, dann kamen inne 1990er die dünneren DVD-Scheiben und is ja davon fast gar nix mehr übrich. Allet nur noch auf irgendwelche großen Computerservern irgendwo inne Karpaten. Kanns dir jetz schöne Bilder anne Wand hängen, Popcorn machen und dann streamen. Kanns abba auch nix mehr aufn Flohmarkt verdienen. Et sei denn, du wills dat Bild weiterverkaufen, wat jetz anne leeren Wand hängt. Regale brauchse ja noch nich mehr für Bücher. Die kannse mittlerweile auch im Smartphone lesen. Und jetz gibbet seit fast 30 Jahren in Bottrop nur noch dat kleine Filmforum-Kino. Et soll abba inne ehrwürdigen Hansa-Center-Hallen widda wat Popcornartiges reingebaut werden. Ich weiß zwar nich wie, abba Bottrop soll widda ein großet Kino bekommen. Und inne leeren Kinosäle kam Schlecker, Friseure, Casinos, C&A und ne Moschee in die Häuser oder ganz wech. Dat nur ma am Rande bisken Kinogeschichte vonne Pottstadt Bottrop.

Gemütlichet Kino „Filmforum Bottrop“ – Coronabedingt nich voll gemacht worden – Foto: Dennis Peter
Ich schweif ab Menschenskinder. Dennis Peter und ich haben uns dann vor der Vorstellung von „Bottrop von oben“ gesehen und gequatscht. Haben uns gemütlich inne Polster vom Kino gefläzt und hatten tatsächlich schon erste Unterbrechnungen nach 20 Minuten. Die ersten wollten sich dat auch schon gemütlich machen. Wir haben die Kürze nochma draußen genutzt, denn et ging ja um den Film, der für die anderen Ruhrpott-Städte genauso interessant is. Abba dat is gar nich so einfach!

Denn wenne wat filmen wills, sind da jede Menge Gesetze zu beachten, sachta und hört gar nich mehr auf zu erzählen. Die Leidenschaft zum Film is eben groß. Musste schon ma dazwischenfunken. Er war so begeistert, dat der nich nur mit seiner Frau bei so viel Filmmaterial den Film auf 30 Minuten kürzen konnte, sondern in der Zwischenzeit sindse noch frisch gebackene Eltern geworden. Herzlichen Glückwunsch!

Er erzählt von der Premiere vom Kumpel Christos Tsourakis als Sprecher. Der hatte einfach mal die Stimme ans Mikro gehalten und gefühlvoll die Sätze abgelassen. Er hört sich an, wie ein stolzer Steiger, der sacht, wie schön dat is Bottrop von oben zu sehen. Hendrik Schoebel dagegen hat ebenfalls für Lau ein wahres Orchester in der richtigen Tonlage für jede Sequenz erschaffen. Vom Ende kann ich ja spoilern, hier stirbt ja kein Geheimagent. In Bottrop spielt Goldfinger! Die Kamera macht einen Schwenk über den perfekt geschnittenen Rasen hin zur Windkraftanlage, der Zukunft vom Kohlegebiet. Bottrop ist richtich grün geworden, auch wenn in der Anfangssequenz im Süden der Stadt die Kokerei oft genug Unmut erzeugt. Die Musik am Ende war so ergreifend, dat ich einen Klos im Hals hatte. Ersma weil ich nich die Kohle bisher hatte den Schläger selber zu nutzen, um zu zeigen, wie dat mit dem Hüftschwung und Putten geht, und weil die Szene auch die grüne Natur gänsehautmäßich rüberbringt. Et is hier allet nich mehr so, wie ma war. Auch wenn die Kohle und der Stahl dat Ruhrgebiet groß gemacht hat und auch immer noch dat ein oder andere Werk Arbeitsplätze schafft, so is dat doch hier sehr lebenswert. Und dat sollten sich Auswärtige außerhalb vom Pott, also Bayern, Sachsen, auch die Angler , die Angelsachsen oder Franzosen mal ansehen. Der Film setzt ein Zeichen, dat et sich lohnt nich nur nach Bottrop zu kommen, wo et tatsächlich zwei Freizeitparkanlagen gibt.

Filmplakat am Filmforum Bottrop – Foto: André Brune

Dennis und Marie und seine Freunde hatten von Anfang an nicht die Absicht damit Geld zu verdienen. Die Werbeeinnahmen von Youtube oder auch die Abgabe des Filmmaterials an die Stadt Bottrop is für Alle eine Herzensangelegenheit. Sie wollen nix damit zu verdienen, sondern nur die Heimat, speziell Bottrop den BottroperInnen und auch Touristen aus Oberhausen, Gladbeck und darüber hinaus zeigen, wie schön die Heimat im Ruhrpott is. Man muss nich nach Malle oder inne Alpen fahren. Hier gibbet dafür dat Stenkhoffbad und die Halden, wo du Apres-Ski haben kanns.

Demnächst kannse nachm Üben inne ersten Indoor-Skydiving-Halle dir den Hintern über die Kokerei wärmen beim Paragliden. Wer will, kann also ab sofort über Youtube kostenlos den Film streamen:

Youtube-Film: „Bottrop von Oben“ von Dennis und Marie Peter

Für Dennis geht jetzt ersma sein Blach vor. Vielleicht lässt er die Drohne noch über Gelsenkirchen fliegen oder Oberhausen. Aber dat muss warten. Wichtich zu wissen is, dat et gar nich so einfach is zu filmen. Die Stadt Bottrop hat unterstützt, wennet um Genehmigung von der Bezirksregierung ging. Oder hat auch vermittelt bei Firmen. Die Hochschule zu filmen war ebenfalls ncih so einfach, weil die Privatleute müssen ihre Genehmigung geben und da auch widda die Bezirksregierung. Dann is da noch die vielbefahrene Straße. Und wenn da ma sonne Drohne abstürzt, dann gibbet Theater. Deswegen sind se bescheiden geblieben. Der Aufwand war hoch und trotz einiger nicht gefilmten wichtigen Stadtbereiche, is dat filmtechnisch nich wichtich. Kannse mir glauben, wenne ihn gesehen hass.

Das letzte und einzige Kino vorerst in Bottrop: Das Programmkino Filmforum an der Volkshochschule in Bottrop – Foto: André Brune

Dennis Peter seine Heimatstadt Bottrop als emigrierter Gelsenkirchener und engagiert sich auch politisch für sie. Wenn dann macht er dat mit ganzem Herz und Elan. Ich bin zwar wegen seiner Kritik am Kommerz für Ruhrpott-Schlägel-und-Eisen-Klamotten nich ganz einverstanden, denn die Herstellung und der Verkauf schafft ja auch Arbeitsplätze und Gewerbesteuern inne Stadtkasse. Doch jeder is seines Glückes Schmied. Am Ende fand er dat aus Holz gefertigte RUHRPOTT fürt Foto doch sehr gut. Da geht dann doch noch wat. „Heimatliebe Ruhrgebiet“, is dann doch nich nur Kommerz, et is auch ein Gefühl. Da wo ich dat auch gekauft hab, voller Überzeugung, dat richtige gemacht zu haben, würde ich auch immer einkaufen, weil ich dat als die gleiche Situation sehe. Beide machen et aus Überzeugung. Jeder bzw. jede auf seine Art und Weise.

Der Eingangsbereich zum Kinosaal mit kleinem Restaurant – Foto: André Brune

Der Film „Bottrop von oben“ ist eine schöne Geste, eine tolle Idee, ein mit Liebe und Leidenschaft gemachter Film nich nur für BottroperInnen. Und hört und staunet: Et gibt erstklassige Hotels, die durch diesen Film kommerziell nur noch auf Gäste warten und sich die Hände reiben. Der freiwillige Erlös am Abend vonne Kinovorstellung (ich hab da auch ma den normalen Eintritt in den Schlitz der Förderturm-Spardose von Prosper Haniel reingepackt) geht an den Kinderschutzbund. Danke Dennis für Dein Engagement!

Sammeldose Förderturm Prosper Haniel für den Kinderschutzbund - Foto: André Brun3e

Als POTTmensch für sein Engagement gehört Dennis Peter mit seiner Frau Marie auf jeden Fall in die Rubrik meines Blogs: https://ruhrpottologe.de/pottmensch

Neben der digitalen Filmtechnik von Heute, können hier auch alte Klassiker-Filmrollen eingelegt werden – Foto: André Brune
Irgendwann dürfen wir uns dann auch über einen zweiten Teil oder auch andere Dinge mit der Drohne freuen. Ersma geht dat Kind vor!

In diesem Sinne Glück auf Dennis und Marie für Eure weitere Zukunft und Euer Kind!

Und Euch liebe RuhrpottlerInnen viel Spaß beim Filmglotzen und Podcasthören:

https://ruhrpottologe-andre-brune.letscast.fm/episode/der-ruhrpottologe-guckt-sich-mit-dennis-peter-in-bottrop-die-radischen-von-oben-an

Euer Ruhrpottologe André Brune

Autor:

Andre Brune aus Bochum

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