Pointen aus Stahl
Glosse: Selbstfindungsversuche und Hoffnungsträger

Böse Zungen behaupten, Angela Merkel habe zu Hause schon eine Urne stehen für die Asche der alten Tante SPD. Die Ära Kohl hatte sie ja längst zu Grabe getragen und Kohls politische Erben nach und nach hinterhergeschickt. Und schließlich war Merkels Flüchtlingspolitik das Hartz IV der CDU.
Beide Parteien bemühen sich nun, da sich das Ende der Ära Angie anbahnt, um ihre Wiederauferstehung und sind damit beschäftigt, ihre Profile zu schärfen. Die CDU betont das Konservative und diskutiert noch einmal ausführlich über die sogenannte „Flüchtlingskrise“. Dabei sind sich alle einig: Die humanitäre Geste war richtig, aber bitte nicht noch mal. Daher besinnt man sich jetzt in der Union auf die Kernkompetenz: Abschieben.Natürlich wird auch Sicherheit groß geschrieben. Die Union kündigt ständig an, mehr gegen die organisierte Kriminalität tun zu wollen, aber die Filialen der Deutschen Bank sind immer noch geöffnet. Wenn es nach dem Wirtschaftsminister ginge, würde das Institut über die Commerzbankfusion abgesichert werden. Aber ist das noch Marktwirtschaft?
Die SPD versucht derweil mit aller Gewalt, die Agenda 2010 zu überwinden, und zwar mit einer derart übertriebenen Rolle rückwärts, dass der Schwindel sie noch weiter zu Fall bringen könnte. Die Sozialdemokraten überbieten sich geradezu mit Sozial-Forderungen: Bürgergeld im Säuglingsalter, Grundrente für Langzeitstudenten und Recht auf Arbeit im Homeoffice für die Müllabfuhr. Oder so ähnlich. Davon mag sicherlich vieles längst überfällig sein, aber es kommt jetzt irgendwie zu spät.
Was man auch immer noch nicht verstanden hat: Die alten Gesichter verkaufen keine neuen Ideen. Die ganz alten Gesichter helfen schon gar nicht, wenn sie sich ständig zu Wort melden. Schröder etwa wird im SPIEGEL gefragt, ob er seinem Freund Putin nichts vorzuwerfen habe, und antwortet: „Wenn ich da was zu kritisieren habe, mache ich das sicher nicht im SPIEGEL, sondern im persönlichen Gespräch.“ Wenige Zeilen davor attestiert er allerdings der aktuellen Parteichefin „Amateurfehler“. Da weiß man gleich, dass und wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

Allein: Ganz Unrecht hat der alt gewordene Altkanzler ja nicht. Nahles ist nun wirklich nicht sehr geschickt, und nach Spagat sieht sie ebenfalls nicht aus. Doch genau den versucht sich jetzt hinzukriegen und produziert die nächste Unglaubwürdigkeit. Einen neuen Sozialstaat fordern und gleichzeitig den Verbleib in der GroKo rechtfertigen, das ist in etwa so, wie wenn ein Verkäufer von Elektro-Autos mit einem Diesel zur Arbeit fährt, weil er aus dem Leasing-Vertrag nicht rauskommt. Oder wie ein Kettenraucher, der sagt: „Morgen hör ich auf!“
Das ist genauso inkonsequent wie der Harzer Roller Sigmar Gabriel, der auch immer wieder eine Rolle rückwärts macht. Dann wieder vor, dann wieder zurück. Jetzt kokettiert er mit einem Comeback, allerdings als GroKo-Gegner, obwohl er doch zuvor immer fürs Regieren gewesen ist. Das einzig Verlässliche an Sigmar Gabriel ist doch seine Unberechenbarkeit.
Doch die neuen Gesichter der SPD disqualifizieren sich auch nach und nach für einen Neustart. Die Hoffnungsträgerin Franziska Giffey etwa kämpft gerade um ihren Doktortitel. Da muss man doch mal ein Auge zudrücken. Sie kommt aus Neukölln, da wird halt mehr geklaut als anderswo. Ein bisschen Street Credibility kann die SPD doch momentan ganz gut gebrauchen. Wenn sich herausstellen sollte, dass das Familien-Blondchen nicht mehr abgekupfert hat als bisher bekannt, könnte man sich doch vielleicht auf einen Kompromiss einigen: Giffey darf Ministerin bleiben, muss aber unter dem stigmatisierenden Doppelnamen Giffey-Guttenberg weiter Karriere machen.

Tja, die SPD ist momentan eben insgesamt ziemlich schlecht beraten. Aber woher will man derzeit auch Berater nehmen, wenn sich anscheinend alle verfügbaren im CDU-geführten Verteidigungsministerium tummeln?! Und die sind nicht einmal gut, nur teuer. Vielleicht sollten die Parteien grundsätzlich mal auf Einflüsterer von Außen verzichten und ihr eigenes Ding machen und dazu stehen. Dann klappt’s auch wieder mit dem Wähler.

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Die nächsten Show-Termine:

14.02.2019 - Bremen - Kultursalon: Solo
15.02.2019 - Hamburg - Alma Hoppe: Solo
18.02.2019 - Datteln - Friedenskirche: Nachtschnittchen
24.02.2019 - Bottrop - Kammerkonzertsaal: Comedy im Saal

Mehr unter: www.benjamin-eisenberg.de

Autor:

Benjamin Eisenberg aus Bottrop

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