Offener Brief zur Grundschulsituation in Vonderort

Wird in Vonderort bald die Zweizügigkeit auf Eis gelegt?
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Per Email haben heute morgen die Mitglieder des Bottroper Schulausschusses sowie die im Rat vertretenen Fraktionen einen "Offenen Brief" erhalten. Verfasst wurde dieser von der Elterninitiative Vonderort. Sie möchte auf die Situation der örtlichen Grundschule hinweisen, die in der bisherigen Diskussion um den Schulentwicklungsplan vollkommen außer Acht gelassen wurde. Im Folgenden der Wortlaut des "Offenen Briefs".

"Sehr geehrte Damen und Herren,

vor dem Hintergrund der für den 17.01.2013 angesetzten Informationsveranstaltung zur Schulentwicklung in Bottrop und der nächsten Sitzung des Schulausschusses am 22.01.2013 möchten wir von der Elterninitiative Vonderort Ihr Augenmerk auf die Grundschule in Vonderort lenken.

Im Bewusstsein, dass die allgemeinen Schülerzahlen rückläufig sind, haben Eltern im vergangenen Jahr mit viel privatem Einsatz für die Grundschule Vonderort und ihre hohe Qualität geworben. In den bisher vorliegenden 34 Anmeldungen für das Schuljahr 2013/14 sehen die Eltern eine Bestätigung der eigenen Mühen, die Grundschule als wichtigen Teil Vonderorts zu erhalten. Es sei hier erlaubt, abseits der Schulentwicklungsplanung, auf die bedenkliche Erosion der Vonderorter Infrastruktur in den letzten Jahren hinzuweisen.

Warum werden Vonderorter Anmeldungen im Einzelfall an die Fichteschule empfohlen?

Anfang Dezember erreichte uns die Information von Oberhausener Eltern, dass die für das kommende Schuljahr angemeldeten (Geschwister-) Kinder möglicherweise nicht an der Grundschule Vonderort aufgenommen werden können. Der in Einzelfällen ausgesprochene Vorschlag der Schulverwaltung diese Kinder an der Fichteschule anzumelden, hat zu Irritation, Enttäuschung und großem Unmut geführt. Eine spontan durch die Schulpflegschaft der Grundschule einberufene Informationsveranstaltung führte zur Gründung der Elterninitiative Vonderort, unter Einbeziehung der Elternvertreter des Städtischen Kindergartens.

Unsere Anfrage bei der Schulverwaltung führte zu einem freundlichen und informativen Austausch, brachte jedoch bisher keine weiteren neuen Erkenntnisse und trug nur bedingt zur Beruhigung der Eltern bei. Durch weitere Recherchen zwängt sich der Eindruck auf, als wäre die empfohlene Einzügigkeit der Grundschule Vonderort und die bald folgende Angliederung an die Fichteschule nur noch eine Formsache.

Warum erfolgt die Informationsveranstaltung so spät?

Sicherlich ist dies nicht so beabsichtigt. Warum aber erfolgt die Information über eine mögliche Ab-lehnung der Oberhausener Anmeldung mitten in die üblicherweise für alle Familien recht hektische Weihnachtszeit? Warum erfolgt die nun öffentliche Informationsveranstaltung zu diesem Thema derart spät? Und warum werden Oberhausener Eltern - wenn auch in Einzelfällen - an die Fichteschule empfohlen? Natürlich liegen viele Informationen und Planungen für den bewusst recherchierenden Bürger schon seit Monaten öffentlich vor, aber es wäre auch eine Vorgehensweise denkbar gewesen, die nicht zu dem Eindruck führt, dass hier etwas „im Stillen“ geschieht.

Warum weicht die vorliegende Studie bereits in diesem Jahr so stark von der Realität ab?

Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Grundschule Vonderort einen guten Ruf in anderen Stadtteilen und auch über die Bottroper Stadtgrenzen hinweg erarbeitet. Weiterführende Schulen schätzen die hier geleistete pädagogische Arbeit und heben vor allem den hohen Lernstand und das sehr gute Sozialverhalten hervor. Eltern schätzen das angenehme Lernklima, welches Basis ist für äußerst erfolgreiche Einzelintegrationen und eine intensive Förderung von lernschwachen, teil mit Migrationshintergrund versehenen, Kindern ermöglicht. Die Grundschule Vonderort ist die einzige Bottroper Schule im NRW-Landesprogramm „Bildung und Gesundheit“ und verpflichtet sich somit dem spezifischen Verständnis der Wechselbeziehung von Gesundheit und Bildung. Zudem bildet die Grundschule durch zahlreiche Aktivitäten wie den Schul- und Sommerfesten, dem Martinsumzug oder dem Weihnachtsbaum-Richtfest den sozialen Mittelpunkt eines durch die Entwicklungen der letzten Jahre zu einem beinahe ausschließlichen Wohnquartier gewordenen Stadtteils.

Die Projektgruppe Bildung und Region (biregio) aus Bonn kommt in ihrem Schulentwicklungsplan (SEP) für Bottrop (Stand 2012) zu dem Schluss, dass aufgrund der absehbaren demografischen Ent-wicklung in Vonderort langfristig nur noch das Erreichen einer jährlichen Einzügigkeit zu erwarten wäre. Hieraus folgern die Autoren des SEP, dass mittel- bis langfristig die Umwandlung der Grund-schule Vonderort, aufgrund der räumlichen Nähe, in einen Teilstandort der Fichteschule erfolgen sollte. Dieser attestiert die Projektgruppe perspektivisch das Potential für eine stabile und gesicherte Zweizügigkeit. Für das kommende Schuljahr 2013/14 gehen die Autoren des SEP von 47 Anmeldungen für die Fichteschule und 30 Anmeldungen für die Grundschule Vonderort aus. Nach unserem derzeitigen Erkenntnisstand liegen allerdings 34 Anmeldungen für die Grundschule Vonderort und 30 Anmeldungen für die Fichteschule vor.

Warum werden demographische Faktoren, nicht aber die Qualität einer Schule berücksichtigt?

Während die Autoren des SEP-Entwurfs von rein quantitativen und kostensparenden Argumenten sowie der mutmaßlichen demografischen Entwicklung bei den Umgestaltungs- und Schließungsvor-schlägen ausgehen, möchten wir den qualitativen Aspekt in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellen. Die aktuellen Anmeldezahlen für die Grundschule Vonderort, die entgegen der Erwartung aus der demografischen Überlegung höher ausfallen, sind unserer Meinung nach ein Indiz für die hohe Attraktivität der Schule weit über das Vonderorter Einzugsgebiet hinaus. Hier haben sich viele Eltern aus anderen Bottroper Stadtteilen und dem benachbarten Oberhausen aus qualitativen Überlegungen bewusst für die Grundschule Vonderort entschieden. Ist nicht gerade ein konstruktiver Wettbewerb zwischen Grundschulen ein gewollter Mechanismus zur Wahrung einer hohen Schulqualität.

Warum werden ergebnisoffene Gespräche nicht für Vonderort geplant?

Im Beschluss des Rates der Stadt Bottrop vom 27.11.2012 zum Entwurf des SEP heißt es, dass beim Umbau der Bottroper Schullandschaft gewachsene Strukturen, sozialräumliche Gegebenheit und die berechtigten Interessen aller Beteiligten angemessen berücksichtigt werden sollen. Zudem wurde die Verwaltung damit beauftragt, im Falle der Paul- und der Rheinbabenschule sowie der Johannes- und Matthias-Claudius-Schule ergebnisoffene Gespräche zu führen. Warum ist eine vergleichbare Vorgehensweise nicht für den Grundschulstandort Vonderort angedacht?

Bereits 700 Unterschriften für den Erhalt der Zweizügigkeit in Vonderort.

Wir hoffen auf einen konstruktiven und fairen Umgang von Verwaltung und Politik mit allen Schul-standorten in Bottrop. Das wir mit unserem Engagement für die Grundschule Vonderort nicht alleine dastehen belegen die derzeit rund 700 Unterschriften, die wir seit Jahresfrist gesammelt haben und weiter sammeln werden. Wir möchten ergänzend darauf hinweisen, dass mit Ratsbeschluss vom 11.12.2012 der Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 3.08/9 „Am Quellenbusch/Vonderbergstraße“ zugestimmt wurde. Hiernach ist der Neubau von 13 Wohneinheiten in Ein- bzw. Zweifamilienhäusern vorgesehen. Ein weiteres Argument für den Erhalt und die Stärkung unseres Grundschulstandortes."

Autor:

Markus Gorsky aus Bottrop

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