Recherchen zur Pleite des HANSA-ZENTRUMS

Ob es ein Hansa-Center wird?
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Wer das grausame Spiel der Finanz- und Wirtschaftskonzerne durchschauen will, muss sich sachkundig machen und über den örtlichen Tellerrand hinausschauen. Das Bottroper Projekt „Hansa-Zentrum“ etwa ist nur ein winziger Ausläufer am Ende einer Konzernstrategie, die in vielfältigen Verschachtelungen bis in die große globale Finanzwirtschaft reicht.

Kapital, Finanzen und Immobilien

Um die strategischen Hintergründe offen zu legen, fange ich mal am Kopf des Finanzimperiums an. „Morgan Stanley“ ist eine der weltweit größten Investmentbanken mit Hauptsitz in New York, die zwar vor 5 Jahren den Status Investmentbank abgelegt hat, aber ihr Geschäft als größter Immobilien-Investor prinzipiell weitermacht wie bisher. Ihr gehört die „Morgan Stanley Real Estate Investing“, eine globale Immobilien-Investmentsparte, die in 36 Ländern Projekte im Wert von 175 Milliarden Dollar erworben hat. „Morgan Stanley Real Estate Investing“ und „Redos Real Estate GmbH“ arbeiteten bei dem Erwerb und der Finanzierung von Immobilienprojekten wie Warenhäuser, Bau- Fach- und Discountmärkten ganz eng zusammen.

Redos bezeichnet sich heute zwar als „Asset Manager“, was Vermögensverwaltung bedeutet und ein System zur Maximierung der Effektivität von Anlagegütern aller Art beinhaltet. Jedoch investiert Redos nicht nur in langfristig zu vermietenden Objekten, sondern bieten in ihrem breiten Geschäftsfeld (Portfolio) auch immer wieder „Private Equity“ Geschäfte an. Daher berichtete auch „DIE WELT“, dass „Redos Real Estate“ (RRE) sich auf „Private-Equity-Investitionen“ spezialisiert hat. Und das sind Fondsgesellschaften, die mit Risikogeschäften spekulieren, geringes Eigenkapital besitzen, aber hohe Renditeerwartungen haben. Sie arbeiten nach der von Müntefering kritisierten „Heuschreckenmethode“: aufkaufen, ausschlachten, weiterverkaufen, abkassieren und ruinierte Betriebe hinterlassen.

Ein wichtiger strategischer Partner des Unternehmens ist jedenfalls die US-amerikanische „Apollo Real Estate Advisors“, die mit Immobilieninvestitionen von 20 Milliarden Dollar zu den führenden Kapitalanlageunternehmen weltweit zählt. In Deutschland haben sie laut Berichten der Zeitung die Welt den "Apollo Redos Retail Fund“ mit einem Volumen von 250 Millionen Euro aufgelegt. Redos, in Deutschland mit Hauptsitz in Hamburg, war bis zum Jahre 2009 über ihre Projektentwicklungstochter „3C Real Estate AG“ in vielen Großstädten vertreten, bevor sie mit Redos fusionierten. In über 83 Standorten haben sie mehr als 700 Millionen Euro in über 100 Einzelhandelsimmobilien investiert.

Verflechtungen erschweren den Durchblick

Bereits im Jahre 2008 wurde das fast 30 Jahre alte Hansa-Zentrum von der „Redos Real Estate GmbH Hamburg“ zusammen mit dem Investor „Apollo Real Estate Advisor“ bei einer Zwangsversteigerung für günstige 13,5 Millionen Euro gekauft. Die Entwürfe für das neue Hansa-Zentrum stammen übrigens vom Architekturbüro „RKW Rhode Kellermann Wawrowsky“ aus Düsseldorf. Dazu wurde extra eine eigene Objektgesellschaft gegründet, die sich vorher„Apollo-Redos Development Fund Projekt Bottrop GmbH“ Hamburg nannte und nun „HCB Project Development GmbH“ heißt. Und genau diese hat jetzt Insolvenz angemeldet, nachdem vorher das „TGA-Planungsbüro Ebert Ingenieure“, das mit der Planung der Haustechnik betraut war, ebenfalls zahlungsunfähig wurde.

Als neuer Partner für das alte Planungsbüro sollte das Ingenieurunternehmen „Intecplan“ aus Düsseldorf einspringen und hat wohl zwischenzeitlich die Arbeit aufgenommen. Interessant ist noch, dass man das gesamte Center-Management von Gebäude über Technik und Verwaltung, im September 2012 an die „RGM Retail GmbH“, die zur „RGM Retail Holding Dortmund“ gehört, vergeben haben. Sich in diesen riesigen Unternehmens-Dschungel zurechtzufinden, oder einen Überblick bei den ganzen Verflechtungen und Verbindungen zu behalten, ist nahezu unmöglich – und wahrscheinlich auch genauso gewollt.

Dieses gewaltige Firmen- und Finanz-Konsortium der Real Estate-Gruppen arbeitet eng mit weiteren Banken, Unternehmensberater, Versicherungen und Anwaltskanzleien zusammen. Ihr direkter Partner ist dabei die „Latham & Watkins LLP“, eine weltweit tätige Anwaltskanzlei mit rund 2.000 Anwälten mit Büros in 30 Stadtmetropolen, die auch beste Verbindungen zu den großen Insolvenzverwaltern haben. Über diese erfahrene Anwaltskanzlei werden auch die raffinierten Vertragsverhältnisse der Gesellschaften untereinander geregelt. In der Hierarchie der voneinander abhängigen Fonds und Gesellschaften wird es im Prinzip so gehandhabt, dass die Gewinne von unten nach oben weitergereicht werden, wobei das Risiko bei ihnen verbleibt, ohne einen vertraglichen Rechtsanspruch zu haben.

Realitäten in Bottrop

Vermutlich aus genau solch einem Grund wurde die eigenständige Tochtergesellschaft „HCB Project Development GmbH“ gegründet, die mit 50 Mio. Euro ausgestattet wurde. Zwischenzeitlich soll sie auch Eigentümer des Grundstücks und des Hansa-Zentrums sein, obwohl das Projekt einst von Redos und Real gekauft wurde. Man könnte sich nun fragen, wo denn die 50 Millionen Euro geblieben sind, die für den Umbau bereitgestellt wurden. Die am Projekt beteiligten Baufirmen scheinen ja noch kein großes Geld bekommen zu haben, denn sonst würden sie ja nicht als geschädigte Gläubiger auftreten. Angeblich stehen aber die 50 Mio. noch zur Verfügung, sie sind jedoch „aufgrund des laufenden Insolvenzverfahrens von der Bank gesperrt“.

Eigentlich wollte RRE das fertig gestellte Hansa-Zentrum nach 2 bis 3 Jahren gewinnbringend weiterverkaufen, als so genannter Koordinator zwischen Investoren und Handel. Danach sieht es derzeit jedoch nicht aus. Was soll`s: auch mit Insolvenzprojekten lässt sich noch gutes Geld verdienen und das nicht nur für die geschäftstüchtigen Insolvenzverwalter, sondern auch über steuerliche Abschreibungen und geschützte Eigentumsverhältnisse. Bei der Pleite der US-Investmentbank „Lehman Brother“ aus dem Jahre 2008, die nahezu eine Weltwirtschaftskrise auslösten, hat der Insolvenzverwalter Michael Frege einen Anspruch von 834 Millionen Euro gehabt. Etwas bescheidener war Klaus Hubert Görg, der Insolvenzverwalter von Karstadt, der nur 50 Millionen Euro abkassierte.

Kommentar zur städtischen Situation

Wie geht es nun weiter und welche Rolle spielt dabei die Stadt Bottrop. Ob es im Vorfeld schon gewisse Absprachen, Vereinbarungen oder Verpflichtungen zwischen Unternehmen und Stadtverwaltung gab, ist bisher nicht offiziell bekannt. Bekannt ist nur, dass die Stadt Bottrop selbst als Gläubiger auftritt, da sie die Bauüberwachungsgebühren, die eine „nicht geringe fünfstellige Summe“ ausmachen sollen, noch einfordern muss. In einer nicht bestätigen Meldung konnte man allerdings im Internet nachlesen, „das die Stadt insgesamt ca. 2,3 Millionen Euro an wirtschaftsfördernder finanzieller und materieller Unterstützung eingebracht habe.“

Mir ist nur bekannt, dass Redos für den Fassadenbau Landesmittel aus dem Förderprogramm „Stadtumbau West“ erhalten soll, die nach Abschluss des Projektes ausgezahlt werden. Denn jeder Investor versucht ja über Bürgschaften, Steuerbefreiungen und Fördergelder von Stadt, Land, Bund und EU entsprechende Subventionen zu erlangen. Da stellt sich natürlich auch die Frage, wieso bei der Baugenehmigung nicht direkt von der Stadtverwaltung die Liquidität, Seriosität und Geschäftsmoral überprüft wurde. Und wo blieb da die Kontrollpflicht der Parteien?

Mein Vater sagte uns immer so zutreffend: „Wer sich mit „Profithaien“ und „Finanz.Heuschrecken“ einlässt, der braucht sich auch nicht zu wunder, wenn er von diesen gefressen wird.“

Es bleibt abzuwarten, was die Stadt als nächstes Husarenstück vorbereitet, um die Profite der Geldgeber zu sichern. Denn wer Millionen für das Unternehmerprojekt „Innovation City“ raus wirft, Millionen bei Devisenspekulationen verzockt und den abgestürzten Flughafen Schwarze Heide subventioniert, der steigt auch in das Pleiteobjekt „Hansa Zentrum“ ein. Für unsere reiche Stadt Bottrop dürfte es doch wohl kein Problem sein, denn bei 300 Mio. an Kreditschulden kommt es doch auf die 20 Millionen für die stillgelegte Baustelle des Hansa-Zentrum auch nicht mehr an.

Wie man das Kleingeld wieder bei den Bürgern reinholt, praktiziert die Stadt ja bereits sehr erfolgreich, durch Schließung sozialer Einrichtungen, Leistungskürzungen und Gebührenerhöhungen. Ähnlich wird es wahrscheinlich auch beim auch Hansa-Zentrum laufen, falls dieses Meisterwerk doch noch irgendwann fertig werden sollte. Die kleinen Bauunternehmer als Gläubiger werden jetzt schon auf einen Teil ihrer berechtigten Forderungen verzichten müssen und die neuen Mieter, wenn sie alle bei der Stange bleiben sollten, werden über erhöhte Geschäftsmieten diese wieder über die Preise auf den Endverbraucher abwälzen. Es gibt eben immer Gewinner und Verlierer. Wer dies in unserem Wirtschaftssystem ist, müssten wir eigentlich langsam alle wissen.

„Man kann keinen Gewinn machen, ohne einen anderen zu schaden.“
v. Publius Syrus , römischer Moralist 90 – 40 vor Christus.

Autor:

Rolf Zydeck aus Bottrop

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