Der Februar deutlich zu nass, der April lange Zeit zu trocken
Außergewöhnliche Niederschlagsmengen im Emscher-Gebiet

Die hohen Niederschläge im Februar sorgten auch für Hochwasser an der Emscher-Mündung in Dinslaken. Foto:  Jörg Saborowski/EGLV
  • Die hohen Niederschläge im Februar sorgten auch für Hochwasser an der Emscher-Mündung in Dinslaken. Foto: Jörg Saborowski/EGLV
  • hochgeladen von Michael Menzebach

Bottrop. Nach dem Dauerregen im Februar zeigte sich der April mit sommerlichen Temperaturen und überwiegend trocken. Landwirte und Gartenbesitzer mussten schon kräftig wässern. Im Emscher-Gebiet wurde dieses extreme Wechselspiel an fünf Messstationen für Niederschläge deutlich: Der Februar 2020 war im Emscher-Gebiet der drittnasseste Februar seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1891. Der April hingegen war trotz der Niederschläge in der vergangenen Woche deutlich zu trocken.

Doch wie sieht die Niederschlagsbilanz für das wasserwirtschaftliche Winterhalbjahr aus? Für manch einen überraschend: Für den Zeitraum von November bis einschließlich April wurden mit insgesamt 425 mm Niederschlag 51 mm mehr gemessen als im langfristigen Vergleich. Dies entspricht einer Abweichung von rund +14 % gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 374 mm. Das lag auch an den extrem hohen Niederschlägen im Februar (137 mm, +144 % Abweichung zum langjährigen Mittel), die auch zu Hochwässern an der Emscher führten.Der November war mit 89 mm ebenfalls nasser als der langjährige Durchschnitt, der Januar mit 46 mm hingegen trockener. Der April zeigte sich über weite Teile ebenfalls sehr trocken, die Niederschläge der vergangenen Woche sorgten aber für Entspannung. Im Mittel wurden im April letztendlich 23 mm im Emscher-Gebiet gemessen – das entspricht einer Abweichung in Höhe von -58 % gegenüber der langjährigen Monatssumme.

Grundwasserstände im Emscher-Gebiet konnten sich erholen

Bislang ist die Regenbilanz im aktuellen Wasserwirtschaftsjahr (November bis Mai) positiv – besonders im Vergleich zu den letzten beiden Wasserwirtschaftsjahren, die von Hitze und Trockenheit geprägt waren. Dadurch konnten sich zwischenzeitlich auch die Grundwasserstände im Emscher-Gebiet erholen und lagen im März wieder im langjährigen Monatsmittel. Diese waren teilweise dramatisch abgesunken: Zwischen November 2018 und Januar 2020 war der Grundwasserstand dauerhaft niedriger als die langjährigen Mittel.Beim Blick auf diese Entwicklungen wird auch deutlich, dass Extremwetterlagen mit Starkregenereignissen und Hitzeperioden die Region vor neue Herausforderungen stellen. Mit dem Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ im Rahmen der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ setzen Emschergenossenschaft und Lippeverband daher zusammen mit vielen Partnern eine gemeinsame Klimaanpassungsstrategie um.
„Wir gehen die Herausforderung Klimawandel gemeinsam als Region an. Nur so lassen sich Lösungen für regionale Problemstellungen finden“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. Zu den Zielen des Projektes gehört unter anderem die Abkopplung von mindestens 25 Prozent der versiegelten Flächen vom Kanalnetz bis 2040 oder die Erhöhung des Verdunstungsgrades in der Region um zehn Prozent bis 2040.

Infobox: 
- Langfristiger Vergleich: Als Vergleichswert für die Niederschlagsmengen dient das Mittel aus dem Zeitraum 1891-2010.
- Mittel: Aus den Summen der fünf Messstationen im Emscher-Gebiet wird der Durchschnittswert gebildet, d. h. die Summen werden addiert und durch die Zahl der Messstationen geteilt.
 - Die gemessenen Niederschlagsmengen werden in Millimeter angegeben. Dabei entspricht ein Millimeter einem Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
- Langjähriges Mittel: Als Referenz für die Grundwasserstände dient das Mittel aus dem Zeitraum 1981-2010.

Autor:

Michael Menzebach aus Haltern

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