NUR WER BRENNT, KANN AUSBRENNEN. Menschen mit Burnout sind gesellschaftlich anerkannt

Noch brennt das Licht.

Es trifft die Leistungsstarken in den Chefetagen, diejenigen, die alles geben und sich der Arbeit wegen überfordern. Kommt es zu massiver Erschöpfung, sprechen viele von Burnout. Für den Psychotherapeuten Wolfgang Schmidbauer ist dies ein "Verwundetenabzeichen" der Leistungsgesellschaft. Was für die Urgroßväter als Soldaten vor 70 Jahren Ruhm und Ehre sicherte und gebenenfalls Angehörige tröstete, markiert als Burnout heutzutage Tapferkeit und Erfolg. Die Krankheit ist damit vom Image des individuellen Versagens befreit.

Dabei ist Burnout keine fachärztliche Diagnose, wie Chefpsychiater Dr. Joachim Bunse vom Kirchhellener Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie sinngemäß herausstellt: Erschöpfungsdepressionen können mehreren Depressionsarten zugeordnet werden, sie stellen keine eigene Kategorie dar. Daher ist ein Anstieg der Fälle für Bottrop nicht ermittelbar.

Die Medien verstärken den Eindruck, dass sich Burnouts gegenwärtig vervielfachen. Ärzte, Psychologen wie Patienten sind aufmerksamer geworden, so dass Depressionen mit Burnouteigenschaften häufiger erkannt werden.

Wenn über die Erkrankung gesprochen wird, geschieht dies oft in Bildersprache. Mal ist die Rede vom leeren Akku, was ins aktuelle Energiezeitalter passt. Oder das beliebte Hamsterrad, was gelegentlich durchdreht, wird bemüht. Der Vergleich greift auf die industrielle Welt der Maschinen und Motoren zurück, die uns seit einigen Jahrhunderten prägen.

Jede Krise zwingt zum Nachdenken und setzt kreatives Potential für Neuanfänge frei. So gesehen, zieht ein Burnout Energiebilanzen und entwickelt neue Wege, Innovationen.

Wer noch mehr über Burnout in unserer Gesellschaft erfahren möchte, ist bei dem Buch "Leistung und Erschöpfung" von den Herausgebern Sighard Neckel und Greta Wagner gut aufgehoben. Bevorzugt von intellektuellen Leseratten, ist das Fachbuch nur bedingt weihnachtsbaumtauglich. Wen das Lesen über Erschöpfungen nicht erschöpft, hat Spaß an dem Buch.

Autor:

Dr. Michaela de Groot aus Bottrop

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