Frühe Geschichte: In den Depots des Museums für Ur- und Ortsgeschichte verwaltet Andreas Sarazin das Gedächtnis der Stadt

„Dies könnte die größte kaltzeitliche Sammlung Europas sein“, schätzt Andreas Sarazin, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Museum für Ur- und Ortsgeschichte, hier mit dem Wirbel eines Nashorns.
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  • „Dies könnte die größte kaltzeitliche Sammlung Europas sein“, schätzt Andreas Sarazin, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Museum für Ur- und Ortsgeschichte, hier mit dem Wirbel eines Nashorns.
  • Foto: Kappi
  • hochgeladen von Christian Gensheimer

Ein Teil des Bottroper Gedächtnisses präsentiert sich neugierigen Augen öffentlich im Museum für Ur- und Ortsgeschichte. Doch der größte Schatz liegt im Verborgenen.

Nach dreijährigen Umbaumaßnahmen wird die städtische Sammlung fossiler und weiterer geschichtlich bedeutsamer Funde nun seit 2014 in der Villa am Museumszentrum Quadrat in neuer Konzeption fortgeführt.
Oben konzentriert sich die Präsentation auf eine in Relation zum großen Fundus eher kleine Auswahl wichtiger Schaustücke. Unten in der Kelleretage hingegen liegen in zahlreichen Schränken und Schubladen fast unzählige Fundstücke aus der frühen Geschichte Bottrops, die sich seit den Tagen des Museumsgründers Arno Heinrich in den Museumsdepots angesammelt haben.
„Mit etwa 20.000 Objekten könnte dies die größte kaltzeitliche Sammlung Europas darstellen“, meint Andreas Sarazin, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum für Ur- und Ortsgeschichte. Neben den zwei Sammlungsorten am Quadrat erstreckt sich der große Fundus auch noch auf zwei Außenlager in der Janusz-Korczak-Gesamtschule und in der Ludgerusschule.

Vieles von dem, was sich im Laufe der Jahrzehnte seit der Gründung des Museums in den 1930er Jahren (ursprünglich als Heimatmuseum geplant) angesammelt hat – darunter Überreste von Mammuts, Knochen von Wölfen und der mit 11.600 Jahren älteste Baum Deutschlands – ist noch längst nicht katalogisiert.
Da helfe auch der technologische Fortschritt vom Karteikarten-System bis zur digitalen Datenerfassung wenig. Denn zur Sammlung gehört beispielsweise auch eines der zwischen Bottrop und Oberhausen ausgehobenen Gräberfelder aus der Bronzezeit, was mit 364 Gräbern und entsprechenden Urnen, Töpfen und anderen Habseligkeiten bis heute nur schwer überschaubar ist. „Es werden bestimmt mehrere Generationen damit beschäftigt sein, bis endlich jedes Teil registriert ist“, erklärt Andreas Sarazin.

Hinter jedem Fund steckt eine Geschichte

Wichtig ist zudem die Geschichte hinter jedem Fund - wo und in welcher Schichttiefe (zur Bestimmung des Alters) es entdeckt wurde. Sind diese Daten verloren gegangen, ist der Fund - zumindest wissenschaftlich betrachtet - wertlos. Überhaupt könnten Museen maximal fünf Prozent ihrer Sammlung ausstellen. In Bottrop sind es vielleicht gerade mal 0,5 Prozent, so Andreas Sarazin, der sich selbst als „Verwalter des Gedächtnisses der Stadt“ bezeichnet. Eine seiner Aufgaben besteht darin, die Objekte den Wissenschaftlern, die damit arbeiten wollen, zur Verfügung zu stellen.

Und über zu wenig Anfragen kann er sich nicht beklagen: „Es ist schier unglaublich, wie viele faszinierende Stücke hier gelagert sind. Um sie zu analysieren, kommen die Menschen von weit her nach Bottrop.“ Momentan bestünde eine große Nachfrage zu Objekten der Karbon-, Kalt- und Kreidezeit, aber auch zu Neanderthal- und Homo Erectus Funden. Ein weiterer, noch nicht ganz so alter Fund befindet sich direkt unter der Villa und ist sogar begehbar. Ein kleiner Luftschutzbunker, der den damaligen Oberbürgermeister Erich Baur (1920 bis 1933) zur Zeit des Zweiten Weltkriegs vor Bombenangriffen schützen sollte und gerade so groß ist, dass vier Personen dicht aneinander gekauert Platz haben.

Fotos: Kappi

Autor:

Christian Gensheimer aus Essen-Nord

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