Glosse: Kanzlerinnendämmerung?

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EISENBERG

„Das ist der Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels!“

Diesen Satz hört und liest man jetzt wieder überall. Dabei wurde das schon so oft behauptet. Und sie ist immer noch da!

Klar, die CSU fährt ihr ständig in die Parade. Da weiß man gar nicht, warum da noch von „Schwesterpartei“ die Rede ist. Das Verhältnis der Unionsparteien ist mittlerweile eher ein brüderliches, also, so brüderlich wie bei Kain und Abel. Nur: So war das nie gemeint, wenn Kritiker gesagt haben, die Union müsse das C wieder stärker betonen. Dafür gibt es doch schönere Bibel-Stellen als aus dem Alten Testament.
Zudem hat der Seehofer mit dem Unionsstreit im Sommer der CSU eigentlich mehr geschadet als der Kanzlerin. Auch mit seinem Festhalten am Verfassungsschutzpräsidenten, den er jetzt ins Innenministerium holt. Der Hotte sieht da auch gar kein Problem. Man könnte sagen: Aus seiner Sicht hält sich die rechte Gesinnung bei deutschen Behörden in Maaßen. Obwohl die Umfragewerte für seine Partei miserabel sind, erzählt er der WELT AM SONNTAG trotzdem, dass er bei der Landtagswahl noch an eine absolute Mehrheit glaube. Vielleicht ist das dann jetzt die Rückbesinnung auf das C: Der Glaube an die Wiederauferstehung. Doch eigentlich sollte man dafür erst einmal gekreuzigt worden sein. Gut, daran soll es nicht scheitern. Kruzifixe hängen ja dank Markus Söder mittlerweile wieder genug in bayrischen Behörden. Seehofer kam auch nicht darum herum, zu betonen, dass die Politik der CSU mit Söder abgestimmt war, womit er dessen Schicksal an sein eigenes binden will. Mit einer Wahlniederlage wären dann gleich beide zum Abschuss freigegeben.

Doch Störfeuer kommen derzeit nicht nur aus dem Vogelfreistaat. Die Wahl von Ralph Brinkhaus zum Fraktionsvorsitzenden hat gezeigt: Die CDU braucht die CSU gar nicht, um Merkel zu demütigen. Dass sie ihren Vertrauten nicht dursetzen konnte, war schon eine richtige Klatsche für die Kanzlerin, eine kleine konservative Revolution. Man soll schon Reisegruppen der Jungen Union gesehen haben, wie sie in mallorquinischen Diskotheken herumgrölten: „Wie heißt die Mudda von Niki Lauda? – Volker Kauder! Volker Kauder!“

Aber ist das gleich ein Grund, die Vertrauensfrage zu stellen? – Natürlich nicht. Wer will denn das überhaupt? – Die Linke. Aber bei Neuwahlen hieße es dann nur „Aufstehen“ für Bundestagsabgeordnete aus dem demokratischen Spektrum; die müssten dann wohl Platz machen für noch mehr AfD-Politiker. Also, Frau Wagenknecht: Nicht aufstehen. Setzen. 6! Wer will das noch? – Die FDP. Aber ausgerechnet Christian Lindner, der selbst keine Verantwortung übernehmen wollte, muss sich melden. Statt zu regieren, fährt er lieber in seinem Porsche 911 durch die Gegend, wobei es ihm gar nicht um die Geschwindigkeit gehe, wie er noch neulich im SPIEGEL-Interview verriet. Zitat: „Was ich mag, sind die Rückbeschleunigung und das Geräusch. Man hat das Gefühl, dass man richtig schnell unterwegs ist, obwohl man gar nicht schnell ist.“ Und das ist doch bezeichnend für seine ganze Karriere: Möglichst laut unterwegs sein, aber im Grunde genommen nichts bewegen.

Damit wäre der Unterschied zur Kanzlerin gar nicht so groß, nur dass die Merkel das Nichtsbewegen ganz geräuschlos praktiziert. Und das wahrscheinlich noch die nächsten drei Jahre.

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Die nächsten Show-Termine:

09.10.2018 - Mülheim - Markusgemeinde: Lachen ist Trumpf
10.10.2018 - Mülheim - Markusgemeinde: Lachen ist Trumpf
11.10.2018 - Mülheim - Markusgemeinde: Lachen ist Trumpf
12.10.2018 - Bottrop - Alte Börse: FrechDAX
20.10.2018 - Berne – Kulturmühle: Solo
26.10.2018 - Wardenburg - Gasthof Dahms: Solo
28.10.2018 - Bottrop - Kammerkonzertsaal: Comedy im Saal
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