Der Wolf im Kreis Wesel
Bürgerversammlung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) zum Thema Wolf in Hünxe

Wird es bei der einen Wölfin bleiben oder kommt es zur Rudelbildung. Die Antwort kann niemand geben.

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Weitere Verbesserungen im Hinblick auf Prävention und Schadensersatz in Aussicht 

Eine Diskussion, die sich vor 20 Jahren am Niederrhein wahrscheinlich noch niemand hätte vorstellen können, wurde auf Einladung des LANUV am Mittwochabend, 14. November in der Aula der Gesamtschule Hünxe geführt und das zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit.
Grund für die teilweise emotionale Veranstaltung war die Wölfin, welche durch ihr Niederlassen in der Gegend um Schermbeck und Hünxe für die Ausweisung des Gebietes als erstes Wolfsgebiet in NRW sorgte. Etwa 300 interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer waren zu der Informationsveranstaltung erschienen. Dabei handelte es sich um Betreiber von Höfen mit Rinderhaltung, Schäfer und Pferdehalter ebenso, wie um Bürgerinnen und Bürger, die sich Sorgen um ihre Kinder machen, wenn diese im Freien spielen. Zu letzterem versuchte Dr. Matthias Kaiser vom LANUV, die Anwesenden zu beruhigen, denn aus den letzten zwei Jahrzehnten sei in Europa kein Angriff eines Wolfes auf den Menschen bekannt. Auf den Einwand einer besorgten Mutter, „Würden Sie Ihre Kinder alleine im Wald eines Wolfgebietes spielen lassen“, antwortete Kaiser mit einem entschlossenen „Ja, denn das ist stets in unserem Urlaub in Kroatien der Fall“.
Ein anderer Besucher erzählte sogar von seinen Erfahrungen im tiefsten Finnland, wo Kinder morgens im Dunkeln alleine im Waldgebiet an der Bushaltestelle auf den Schulbus warten. „Dort“, so beteuerte er, „ist Angst vor Wildtieren, wie Wölfen und Bären kein Thema“.
Die Ansichten hielten sich die Waage. Während der eine die „Entnahme“ des Wolfes forderte, weil er ihn für einen Problemwolf hielt, war sich der andere sicher, die Sorgen einiger resultierten aus der Unerfahrenheit mit dem Wolf. Ein Mitarbeiter des NABU erklärte, dass der Umgang mit dem Wolf in NRW noch zu neu sei. „Uns fehlen Erfahrungen, die in anderen Bundesländern bereits gemacht wurden“, begründete er die Angst vor dem Unbekannten.
Dorit Stroick, Hobbyschäferin mit 50 Schafen, äußerte ihre Befürchtungen aufgrund der Nutztierrisse durch die Wölfin in der der letzten Zeit. „Jedesmal, wenn ich zu meinen Schafen komme, habe ich Angst, ein Massaker vorzufinden“ und weiter, „Mir geht es nicht um den materiellen Wert, aber ich hänge an jedem einzelnen meiner Tiere“. Deswegen versteht sie nicht, warum man wegen eines Wolfes viele andere Tiere opfert. Die Wirksamkeit der förderungswürdigen Präventionsmaßnahmen, wie 1,20 m hohe Elektrozäune bezweifelt sie. „Mein Hütehund ist etwa 50 cm groß und springt ohne große Anstrengung über den Zaun. Da lacht der Wolf drüber“, ist sie sich sicher.
Allerdings belegen laut Aussage des LANUV die Erfahrungen der letzten Jahre, dass der Zugang des Wolfes zu den Gehegen mit den Nutztieren zu 90 % unter den Zäunen hindurch erfolgte.
Aus EU Fördermitteln sind Schäden, die durch den Wolf entstehen, zu 100 % erstattungsfähig. Dies soll in Zukunft auch für Präventionsmaßnahmen der Fall sein. Hier beträgt die Förderung momentan noch 80 %. Allerdings bezieht sich diese Förderung ausschließlich auf die Materialkosten, während die investierte Arbeitskraft nicht berücksichtigt wird. Auch der Katalog der durch Wölfe gefährdeten Nutztiere soll erweitert werden.
Auf der Internetseite https://www.nrw-wolf.de/woelfe-in-nrw/ können sich Interessierte über die neuesten belegten Sichtungen der Wölfin, alle aktuellen Fördermöglichkeiten und deren Änderungen sowie Wissenswertes über den Wolf informieren. Die Seite wird stets aktualisiert und in absehbarer Zeit durch eine Pushbenachrichtigungsmöglichkeit ergänzt.
Viele der Beteiligten waren sich einig darüber, dass noch ein hoher weiterer Informationsbedarf bestehe, der möglichst getrennt nach Interessen gestillt werden sollte.
Ob die Wölfin auch nur im Entferntesten ahnt, welches Gefühlschaos sie unter den Menschen angerichtet hat? Wahrscheinlich nicht. Während die Bürger sich die Köpfe zerbrechen, streift sie weiter durch die Wälder des etwa 985 km² großen als Wolfsgebiet deklarierten Areals und wird sich, wie bis jetzt auch, hauptsächlich von Wildtieren ernähren.

Randolf Vastmans



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