Eine Studentin aus Erwitte berichtet
Hola Espana - Spanisch lernen mit Hindernissen

Lisa Mintert aus Erwitte, hier vor der Kathedrale von Santiago de Compostela, bedauert die fehlenden Auslandssemester.
  • Lisa Mintert aus Erwitte, hier vor der Kathedrale von Santiago de Compostela, bedauert die fehlenden Auslandssemester.
  • Foto: Lisa Mintert
  • hochgeladen von Karolin Rath-Afting

Nicht nur Schüler im eigenen Land kämpfen mit den Hindernissen beim Lernen während der Corona-Krise. Dies berichtet eine Studentin aus Erwitte im Kreis Soest.

Auch Studenten, die eine andere Sprache erlernen wollen und deshalb ein Auslandssemester belegt haben, hatten und haben zu kämpfen - trotz der gerade angelaufenen Lockerungen. Ein Land, welches von der Krise besonders schwer betroffen war, ist Spanien. In einer vierstufigen Phase will sich das Land seit Anfang Mai wieder öffnen. Seit dem 15. März gilt dort im ganzen Land der sogenannte Alarmzustand mit strikten Ausgangssperren. Phase 1 der Lockerungen ist gerade angelaufen. Die Menschen dürfen, gestaffelt nach Altersklasse, stundenweise wieder das Haus verlassen. Wie schwierig und chaotisch es zu Anfang des Lockdowns war, berichtet die Studentin Lisa Mintert (21). Sie studiert in Münster neben Geografie und Deutsch auch Spanisch. Dafür wollte sie ein ganzes Jahr in Spanien verbringen, genauer in Galicien. Das Wintersemester hatte sie bereits hinter sich, das Sommersemester hatte Ende Januar begonnen. Als das Virus um sich griff, dachte Lisa noch nicht an einen Abbruch ihres Aufenthaltes.

"Morgen kommst du nicht mehr raus"

Doch als der spanische Präsident am 14. März seine Rede hielt, in der die Grenzschließungen für den kommenden Tag angekündigt wurden, musste alles ganz schnell gehen. Ein Mitkommilitone meinte nur "Morgen kommst du nicht mehr raus. Und die Wohnung verlassen ist auch nicht mehr möglich". Der Gedanke, auch nur vier Wochen bei einer fremden Familie festsitzen zu müssen, ohne weitere soziale Kontakte, und sich von ihr aushalten zu lassen, war für sie undenkbar. Genauso der Gedanke, dass die ganze Situation sogar viel länger dauern könnte. Das Hauptproblem an diesem letzten Tag vor der Grenzschließung war jedoch, dass es von Santiago de Compostela aus, in der Lisa mit Mitkommilitonen lebt, keine Direktflüge nach Deutschland gab. Diese gibt es nur von Madrid oder Barcelona aus. Barcelona war schon Risisko-Gebiet und Katalonien war schon abgeriegelt. Busse fuhren kaum noch. Online wurde der früheste Direktflug nahe an Deutschland gesucht und Brüssel bot sich als Zielflughafen an. Doch dies war nur vom portugiesischen Flughafen Porto aus möglich. Da sie möglichst noch am Sonntag fliegen wollte bevor am Montag die Massnahmen griffen, wurden kurzerhand Tickets für einen Flix-Bus in Richtung Porto gekauft.

Tickets wurden wieder storniert

Doch zwei Stunden später, mitten in der Nacht, wurde das Ticket wieder storniert. Sie kaufte dann ein Alsa-Ticket, doch "dieser Bus kam früh morgens einfach nicht" schildert Lisa ihre Verzweiflung. Auch von anderen Busfahrern war nur noch zu hören "Wir fahren nicht mehr". Die Fahrer wussten einfach nicht, ob sie wieder in ihr Land könnten auf der Rückfahrt. Schließlich hat ein Taxifahrer sie 238 km nach Porto (Portugal) mitgenommen - mittlerweile waren sie zu fünft. "Am Flughafen in Porto war von der Panik noch nichts zu spüren", erzählt Lisa. "Einige Passagiere liefen da mit Mundschutz herum, aber sonst war noch alles normal". In Brüssel angekommen, wurde sie dann von ihren Eltern abgeholt und verbrachte zu Hause freiwillig eine zweiwöchige Quarantänephase. In den letzten Wochen hat sie, wie viele andere Schüler und Studenten auch, mit zwei galizischen Dozenten online gelernt. Dabei lädt sie Powerpoint Präsentationen hoch mit Aufgaben, welche dann korrigiert werden. Eigentlich, so Lisa Mintert weiter, wollte sie mit "Erasmus", einem Austauschprogramm – welches Studenten ermöglicht, durch einen drei- bis 12-monatigen Auslandsaufenthalt an einer Universität innerhalb der EU zu studieren - noch dieses zweite Semester beenden.

"Diese Erfahrung ist für mich verloren"

Zwei Kurse fehlten ihr noch - diese macht sie nun von Münster aus, da sie ihr genauso angerechnet werden für ihr Studium. Doch die "persönliche Weiterentwicklung" durch diese Auslandserfahrung fehle ihr, so Lisa. Dabei hat sie noch Glück. Viele Vermieter bestünden auf Zahlung der Miete auch wenn die Studenten bereits wieder in ihren Heimatländern seien. Die Angst vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch in Spanien sei sehr groß. Aber sie brauchte für April nur noch die Hälfte bezahlen und für den Mai schon gar nichts mehr. Ihre restlichen Sachen aus der Wohnung? Lisa hat nicht viel Vertrauen in die spanische Post. Deshalb will sie auch noch einmal mit dem Auto nach Galicien fahren um ihre restlichen Sachen zu holen. Eventuell nimmt sie dann auf dem Rückweg ihren spanischen Mitkommilitonen mit nach Deutschland. Dann startet er sein Auslandsjahr in Köln. Doch der 4-Phasen-Plan der Lockerung in Spanien sieht frühestens Ende Juni Touristen vor. Wenn die Neuinfektionen bis dahin nicht wieder eine Verschärfung der Regelungen mit sich bringen. Erst dann heißt es wieder für Lisa "Hola Espana - hola Galicia".

Autor:

Karolin Rath-Afting aus Menden (Sauerland)

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