Castroper Geschichte(n) von früher in einem Buch von 1913
Von der „Bennerspforte“, dem "Brandpütt" und alten Hochzeitsbräuchen

Geschichte ist häufig spannender als vermutet. Das gilt insbesondere dann, wenn Geschichte und Geschichten in unmittelbarer Nachbarschaft des Lesers „spielen“. Ein Stück Heimaterlebnis, seinerzeit aufgeschrieben für die Nachwelt.

Erinnerungen an damals, neu aufgeschrieben in zahlreichen aktuell aufgelegten Büchern aus dem Ruhrgebiet erfreuen sich, nicht zuletzt wegen des zu Ende gegangenen Bergbaus, großer Beliebtheit. Doch ein Buch in Händen zu halten, das fast so alt ist wie die Geschichte(n), die es transportiert, ist schon eine Besonderheit.

Dachbodenfund

Ein Leser des Stadtanzeigers hatte Glück. Auf dem Dachboden fand er ein Werk von 1913, das Jahrzehnte im Verborgenen auf Entdeckung gewartet hat. „Beiträge zur Geschichte der Stadt Castrop“ lautet der Titel des 112-seitigen Buches im DIN-A4-Format. „Herausgegeben am Tag des Kaiserjubiläums“, ist in dem Buch vermerkt.

Die Stadtanzeiger-Redaktion hatte Gelegenheit, den Inhalt des gut erhaltenen Exemplars zu studieren. Das mit einer Ausnahme durchgehend in schwarz-weiß gehaltene Buch spiegelt das vielseitige Leben der Castroper wider. Farbig wird es nur an einer Stelle: Auf der ersten Innenseite ist das Wappen der Stadt, das noch von den Zinnen geschmückt ist, in Blau und Gold gedruckt.
Die in dem Buch verarbeiteten Informationen hat der Verfasser, der pensionierte Lehrer Schröder, eigenen Angaben zufolge seit 1893 gesammelt, meist thematisch, mitunter auch mosaikartig zusammengefügt. „Kein gebürtiger Castroper, aber 41 Jahre hier im Dienst“, schreibt Schröder in seinem Vorwort. Und: „Der Verfasser ist nie von dem Gedanken beseelt gewesen, in die Reihe der Geschichtsforscher eintreten zu dürfen. Das ist ein Buch der Liebe, der Liebe zur Heimat.“

So befasst sich der pensionierte Lehrer unter anderem mit dem Namen der Stadt, mit den Namen Widumer Tor, Widumer Straße, Biesenkamp, Bennerspforte ("auch Osten-Tor und später Benner-Tor genannt"), mit der Freiheit Castrop, der Kottenburg, mit Ereignissen aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) sowie mit der französischen Fremdherrschaft in der Zeit von 1806 bis 1813.

Die Bedeutung des städtischen Feuerbrunnens, auch „Brandpütt“ genannt, wird ebenso aufgegriffen wie alte Hochzeitsbräuche, das Medizinal- und Schulwesen, die katholische und die evangelische Kirche in Castrop. Der städtische Schlachthof, die Castroper Pferderennen sowie zwei Balladen („Episode aus dem Leben eines Knappen“ von H. Haßlinde und „Hans, der Kottenburger“ von Th. Steinbach) runden das Buch thematisch ab.

Doch nicht nur der Text spiegelt die Geschichte Castrops ausschnittweise wider. Lebendig werden die Informationen durch die reichhaltige Illustration mit Fotos und Zeichnungen: Feuerwache, Reichshof, Postamt, Amtsgericht an der Wittener Straße, Rennbahngelände und Reiterbrunnen, Rochus-Hospital und Kapelle, evangelisches Krankenhaus an der Wasserwerkstraße, der katholische „Totenhof“ (Friedhof) an der Wittener Straße.

"Sanitätskolonne"

Fachwerkhäuser an der Widumer Straße, der Bahnhof- und Schulstraße sowie am Altstadtmarkt sind ebenso vertreten wie Aufnahmen von der „freiwilligen Bürgerfeuerwehr“, der „Sanitätskolonne“ und der „Vorsitzenden und Fahnenmannschaft der militärischen Vereine". Ein Foto zeigt einen ungewöhnlichen Blick auf Castrop „vom Kreuzberg (Eselsberg)“ aus.
Ansichten aus Bladenhorst, aus dem Haus Goldschmieding und Haus Callenberg fehlen ebenso wenig wie die verschiedener Zechen: Erin, Graf Schwerin und Zeche Viktor. Seit Jahrzehnten bereits Bergbaugeschichte. Und Stadtgeschichte.

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