Stadt ist Teil der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“
Castrop-Rauxel passt sich dem Klimawandel an

Das geplante Hochwasserrückhaltebecken in Obercastrop würde bei Starkregen das Überfluten des Stadtgartenteichs in der Altstadt verhindern.
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  • Das geplante Hochwasserrückhaltebecken in Obercastrop würde bei Starkregen das Überfluten des Stadtgartenteichs in der Altstadt verhindern.
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„Man darf sich jetzt einfach mal trauen“, sagt EUV-Chef Michael Werner über die Möglichkeiten, die die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ bietet. Castrop-Rauxel ist eine von 16 Emscherstädten, die sich mit der Emschergenossenschaft auf eine gemeinsame regionale Strategie geeinigt haben, um die Anpassung an den Klimawandel voranzutreiben. Großzügige Fördermittel in noch unbekannter Höhe sollen die Maßnahmen ermöglichen.

Wie überall im Ruhrgebiet fehlt es auch in Castrop-Rauxel an Geld und Personal. Doch durch die bis 2040 angelegte Zukunftsinitiative, wobei die Finanzierung zunächst auf zehn Jahre festgelegt ist, könnten „viele Planungen, die in der Schublade lagen“, bald umgesetzt werden, blickt Werner positiv nach vorn.
Drei Schwerpunkte will man in Castrop-Rauxel angehen: versiegelte Flächen entsiegeln, die Verdunstung um zehn Prozentpunkte erhöhen und Möglichkeiten finden, mit Starkregenereignissen umzugehen. „Wie kriegen wir das Wasser kanalisiert, dass es Grünflächen und Straßen überflutet und wir es dann kontrolliert ableiten können?“, nennt Werner die zentrale Fragestellung zum Thema Starkregen. Hierzu würden Karten erarbeitet, um zum Beispiel die Fließwege des Wasser zu erkennen und entscheiden zu können, ob für bestimmte Maßnahmen Grundstücke gekauft werden müssen.

Lösung für die Altstadt

Zunächst wird der EUV sowohl zu diesem Schwerpunkt als auch zu den beiden anderen Projekte verwirklichen, an denen er schon arbeitete, bevor die Zukunftsinitiative ins Leben gerufen wurde. So soll 2020 der Bau der Hochwassertrasse Landwehrbach beginnen. „Die Mittel stehen im Wirtschaftsplan“, erklärt Werner. Die Trasse zwischen zwischen Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Cottenburgschlucht und Herner Straße sei die Lösung für die Altstadt, um diese vor Hochwasser zu schützen.
Schon seit langem in der Planung ist das HRB Obercastroper Bach im Bereich der Straße Im Siepen. „Hier haben wir uns die letzten Grundstücke gesichert“, nennt Werner den neuesten Stand. Die Grundstücke sind notwendig, um aufs künftige Baugelände zu kommen. Auch mit der Situation an der Straße Oberspredey auf Schwerin setzt sich der EUV zurzeit auseinander. „Da schießt das Wasser runter.“

Entflechtung des Rauxeler Bachs

In Vorbereitung ist die Entflechtung des Rauxeler Bachs im Bereich des Evangelischen Krankenhauses. Künftig soll der bislang kanalisierte Bach offen zwischen L'Osteria und Café del Sol in Richtung Deininghauser Bach fließen. „Wasser, das offen ist, kann verdunsten“, erklärt Werner. Auch würden die Böden besser durchfeuchtet, was der Pflanzenwelt zugute käme. „Außerdem entlastet es uns von Kosten, wenn das Wasser nicht mehr dem Abwasserkanal zugeführt wird.“ Der Förderbescheid für die Entflechtung des Rauxeler Bachs liegt vor, und die Grundstücksgeschäfte sind weitgehend abgeschlossen. „Jetzt sind wir wegen des Genehmigungsantrags mit der Unteren Wasserbehörde im Gespräch.“
Das zweite Ziel innerhalb der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“, die Verdunstung zu erhöhen, soll dazu beitragen, dass sich Überhitzungsinseln nicht weiter aufheizen. Dazu zählen die Altstadt und Habinghorst. „Kurz gesagt, alle Orte, wo viele Menschen sind und wenig Grün ist“, sagt Werner. Deshalb soll es dort grüner werden, und Durchlüftungsschneisen sollen ebenfalls geschaffen werden.

„Wir haben in diesem Sommer gemerkt, dass es zu trocken ist.“

Teil des Schwerpunktes ist es auch, die Begrünung von Dächern zu forcieren. Dies wurde während der Ratssitzung im November beschlossen. „Wir haben in diesem Sommer gemerkt, dass es zu trocken ist“, so Werner. Begrünte Dächer sollen helfen, Wasser zurückzuhalten. Beim EUV gibt es auf einer Halle bereits seit 30 Jahren ein Gründach, und auch die Eingänge des Rathauses sind begrünt. Weitere Gründächer, insbesondere kommunale, sollen folgen.
Die Bürger sollen mit ins Boot geholt werden, allerdings nicht als einzelne Hausbesitzer, sondern gebündelt in Quartieren. Mit Aufrufen und Bürgerinformationen sollen sie dafür interessiert werden, das Dach ihres Wohnhauses, ihrer Garage oder ihres Gewerbes zu begrünen. „Der EUV wird das Verfahren organisieren, damit die Bürger keine Anträge stellen müssen“, erläutert Werner. Damit ist verbunden, dass die Eigentümer für die Einrichtung des Gründachs nichts bezahlen müssen. „Sie stellen nur die Immobilie zur Verfügung und müssen sich um die Pflege kümmern.“

Versiegelte Flächen entsiegeln

„Zurzeit fließt das Wasser einfach weg“, beschreibt Werner, warum der dritte Schwerpunkt der Zukunftsinitiative lautet, versiegelte Flächen zu entsiegeln. Dies könnten Parkplätze und Schulhöfe sein, „wo es Sinn macht, das Wasser vor Ort zu behalten“. Das Ziel sei es, in den nächsten zehn Jahren den Anteil des Regenwassers, der ins Mischsystem fließt, um 25 Prozent zu reduzieren. „Heute haben wir seit 2014 schon fast 15 Prozent erreicht.“
Alle diese Maßnahmen „kosten richtig Geld“, so Werner. Deswegen ist man beim EUV froh, dass es nun die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ gibt, deren offizieller Startschuss in der zweiten Januarwoche 2020 fällt. Mit ihrer Hilfe hofft man, bis zu 100 Prozent Förderung aus verschiedenen Töpfen zu erhalten, wenn das jeweilige Projekt den Zielvorgaben des Fördertopfes entspricht. „So viel gab es noch nie“, hatte Werner bereits im September während der Ratssitzung gesagt.

Das geplante Hochwasserrückhaltebecken in Obercastrop würde bei Starkregen das Überfluten des Stadtgartenteichs in der Altstadt verhindern.
EUV-Chef Michael Werner.
Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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