Stadtanzeiger-Serie
Integration in Castrop-Rauxel (Teil IV): Das "Anagnorissi"-Projekt

Muhammet Boz führte im Rahmen des Projekts  "Anagnorissi" unter anderem Anti-Diskriminierungsworkshops an Schulen durch. Bildquelle: Agora
  • Muhammet Boz führte im Rahmen des Projekts "Anagnorissi" unter anderem Anti-Diskriminierungsworkshops an Schulen durch. Bildquelle: Agora
  • hochgeladen von Nina Möhlmeier

„Ich wurde in Schwerte geboren. In einem katholischen Krankenhaus. Das war der erste Schritt zur Integration", erklärt Muhammet-Mustafa Boz (41) augenzwinkernd. Seine Eltern kommen aus der Türkei. Seit 2016 begleitet er verschiedene Projekte für Flüchtlinge und andere Migranten im Ickerner Agora Kulturzentrum. Eines der Projekte, das sich an Zuwanderer mit guter Bleibeperspektive richtet, ist "Anagnorissi".

Das griechische Wort „Anagnorissi“ bedeutet Anerkennung. "Ziel des bundesgeförderten Integrationsprojektes ist es, das gemeinschaftliche Zusammenleben von Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte zu verbessern", erklärt Projektleiterin Janina Braun.

Anti-Diskriminierungsworkshops
Auch Muhammet Boz trägt einen Teil dazu bei. Unter anderem erreichte er innerhalb von drei Wochen mit Anti-Diskriminierungsworkshops insgesamt 240 Schüler im Stadtgebiet. Bevor er in die Schulen ging, drehte er mit Zuwanderern Videofilme, in denen verschiedene Situationen nachgestellt wurden. Zum Beispiel folgende: "Flüchtlinge schauen auf ihre Smartphones, ein Deutscher geht vorbei und schüttelt den Kopf, weil er dem gängigen Vorurteil folgt, dass Flüchtlinge über die hochwertigsten Smartphones verfügen", sagt Boz. Der aufklärende Text im Video: "Die Flüchtlinge benötigen die Smartphones, weil es für sie die einzige Möglichkeit darstellt, mit ihren Eltern in Syrien Kontakt zu halten und zu erfahren, ob sie überhaupt noch leben. Mit den Videos bin ich in die Workshops gegangen. Das Ziel ist es, Vorurteile und Ängste abzubauen", so Boz.

Zuwanderer mit guter Bleibeperspektive erreichen
Einheimische mitzunehmen und die Angst vor dem Fremden zu nehmen, sei die eine Seite des Projekts. Genauso ginge es auch darum, Zuwanderer mit einer guten Bleibeperspektive zu erreichen und ihnen zu zeigen, wie das Leben in Deutschland funktioniere, sagt Agora-Chef Thorsten Schnelle. "Nur durch Begegnung kann Integration gelingen. Und nur so können Vorurteile abgebaut werden", unterstreicht er.

"Bildung führt zur Integration"
Für Muhammet Boz führt Bildung zur Integration. "Wenn die Eltern nicht in die Gesellschaft integriert sind, wird es für die Kinder doppelt so schwer." Und er spreche hier aus Erfahrung, sagt er. Doch Muhammet Boz wollte sich integrieren. Der Hauptschüler machte eine Ausbildung, wurde Fri-seurmeister, arbeitete als Ausbilder (Kolping) und ist seit 2016 in Flüchtlingsprojekte im Agora Kulturzentrum eingebunden. Derzeit studiert Boz zudem angewandte Sozialwissenschaften an der Fachhochschule in Dortmund. Der Schwerpunkt: Flüchtlinge, Migration und Armut. "Er ist ein Paradebeispiel für gelungene Integration", sagt Schnelle.

Hintergrund:
- Das Integrationsprojekt "Anagnorissi" startete am 1. August 2016 und läuft bis zum 31. Juli 2019.
-  Das Projekt wird in Kooperation mit verschiedenen Netzwerkpartnern (unter anderem Flüchtlingshilfe, VHS, Polizei und Verbraucherzentrale) umgesetzt.
- Es gibt einen interkulturell zusammengesetzten Projektbeirat aus Haupt- und Ehrenamtlichen, der anhand der vorhandenen Bedarfe die weitere Projekt-ausrichtung steuert. Hier-über wurden unter anderem Patenschaftsmodelle umgesetzt, Seminare und Exkursionen organisiert oder neue Angebote entwickelt.

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