Schulen bangen um Existenz

Schneller als erwartet, beginnt im Castroper Norden schon zum Schuljahr 2012/13 die Auflösung der Franz-Hillebrand-Hauptschule (FHHS) und der Janusz-Korczak-Gesamtschule (JKG). Das geht aus der Vorlage für die nächste Ratssitzung (14. Juli) hervor. Der Stadtanzeiger hatte bereits am Samstag berichtet.
Jetzt nahm Alfred Horn, Schulleiter der Fridtjof-Nansen-Realschule (FNR), dazu Stellung: „Der Schulleiter der Janusz-Korczak-Gesamtschule, Wolfgang Böcker, fordert im Zuge der Schließung der JKG sowie der FHHS auch die FNR aufzulösen und eine Gemeinschaftsschule mit zwei Standorten zu gründen. Die Fridtjof-Nansen-Realschule lehnt dieses Vorhaben ab, weil es nicht im Interesse der Kinder im Norden der Stadt wäre. Außerdem wird es auch nach 2012 eine Hauptschule und eine Gesamtschule in Castrop-Rauxel geben.“
Die Realschule bedauere die Entscheidung der Bezirksregierung, dass die JKG und die FHHS ab 2012 keine neuen Eingangsklassen mehr bilden dürfe. Dies sei ein harter Schlag für die Schüler und die Kollegien, meint Horn.
„Wir begrüßen die Absicht von SPD und Grünen, das einjährige Moratorium doch noch zu ermöglichen. Die dann stattfindenden Beratungen können im Interesse der Kinder nur ein Ergebnis haben: Die Fridtjof-Nansen-Realschule hat sich als unverzichtbar erwiesen. Und deshalb muss sie Realschule bleiben,“ ist Alfred Horn überzeugt.
Die SPD und Grüne Ratsfraktionen fordern eine Denkpause gegenüber der Schulaufsicht ein. „Wir brauchen jetzt im Norden der Stadt keine Schnellschüsse. Die Signale der Schulaufsicht sind falsch und gefährden die weiteren Planungen“, so SPD-Fraktionsvorsitzender Daniel Molloisch zu den Aussagen der Schulaufsicht.
Rot-Grün werde deshalb im Schulausschuss und im Rat die Verwaltung beauftragen, sich bei der Schulaufsicht nochmals für die einjährige Denkpause einzusetzen. „Es kann nicht sein, dass ein solcher moderierter Prozess nun nicht mehr möglich sein soll. Für eine vernünftige Lösung für die Sekundarstufe I im Norden müssen alle beteiligten Eltern, Kollegien und Schüler mitgenommen werden können“, sind sich die beiden Fraktionsvorsitzenden Daniel Molloisch und Dr. Bert Wagener einig.
Die FWI steht der Aufgeregtheit, die sich in der Verwaltung breit macht, nachdem die Bezirksregierung eine mögliche sofortige Schließung der Sekundarschulen im Norden angekündigt hat, mit Gelassenheit gegenüber. „Es ist offensichtlich ein Versuch der Landesregierung, über den Regierungspräsidenten Druck auf die städtische Schulpolitik auszuüben, um eine Strukturänderung, ohne inhaltliche Diskussionen, in Richtung Gemeinschaftsschule durchzupeitschen“, schreibt Hermann Bohle von der FWI. Dabei werde schlicht verdrängt, dass es der Landesregierung bisher nicht gelungen sei, ein entsprechendes Schulgesetz vorzulegen. Außerdem sei im § 81,2 des SchulG NRW festgelegt, dass über die Errichtung, die Änderung oder die Auflösung einer Schule sowie den organisatorischen Zusammenschluss von Schulen der Schulträger entscheide, schreibt die FWI in ihrer Stellungnahme. „Wir plädieren dafür, die Überlegungen im Bereich der Sekundarstufen nicht in ein enges Zeitkorsett zu pressen, sondern in einer tiefgreifenden und fachlich fundierten Diskussion, in deren Mittelpunkt die Individualität eines jeden Kindes steht, eine Schule der Zukunft zu entwickeln, die von allen an der Gesellschaft Beteiligten getragen werden kann“, so Hermann Bohle.
Während sich die meisten Diskussionen derzeit um die weiterführenden Schulen im Norden der Stadt drehen, hat sich der Vorstand der Merklinder SPD in seiner letzten Sitzung nun für den Erhalt der Friedrich-Harkort-Grundschule ausgesprochen. Sie soll laut Beschlussvorlage ab Schuljahr 2012/13 eigentlich als Teilstandort der Cottenburgschule geführt werden. Vor allem der Aspekt, dass sich immer weniger junge Familien im Ortsteil ansiedeln würden, wenn es keine Grundschule mehr gebe, sei ausschlaggebend gewesen. „Der Wille der Merklinder für den Erhalt der Schule ist mit über 500 Unterschriften dokumentiert worden, die dem Bürgermeister überreicht wurden“, so der Ortsvereinsvorsitzende Klaus H. Pelzing. Jetzt liege es an den Merklindern, ihre Schule im Ortsteil zu erhalten, also ihre Kinder dort anzumelden.

Autor:

Silke Dehnert aus Fröndenberg/Ruhr

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