Bombenfund: Feuerwehr und Kampfmittelbeseitigungsdienst arbeiten Hand in Hand

Dieter Gerth (l.), Sachbearbeiter für Bevölkerungsschutz, und Karl-Friedrich Schröder vom Kampfmittelbeseitigungsdienst betrachten eine Übersichtskarte des Bladenhorster Waldgebietes.
  • Dieter Gerth (l.), Sachbearbeiter für Bevölkerungsschutz, und Karl-Friedrich Schröder vom Kampfmittelbeseitigungsdienst betrachten eine Übersichtskarte des Bladenhorster Waldgebietes.
  • hochgeladen von Vera Demuth

Nicht jeder Verdacht auf eine Bombe erhärtet sich. Oft muss der vermeintliche Sprengkörper zur endgültigen Überprüfung freigelegt werden. „Es ist immer erst eine Bombe, wenn wir sie sehen“, sagt Karl-Friedrich Schröder, technischer Einsatzleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe.

In diesem Fall war es eine Bombe – der erste Fund dieses Jahres. Im Waldstück an der Victorstraße/Ecke Westring schlummerte eine britische Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. In einer Tiefe von fünf Metern entdeckten die Fachleute den Sprengkörper, den sie innerhalb von 20 Minuten problemlos entschärften.
Etwa 150 Anträge auf Luftbildauswertung und Stellungnahmen seien bisher in diesem Jahr bei der Ordnungsbehörde eingegangen, erklärt Dieter Gerth, Sachbearbeiter für Bevölkerungsschutz bei der Feuerwehr. „Daraus haben sich bis jetzt knapp 50 Überprüfungsmaßnahmen ergeben“ – wie nun in Bladenhorst. Noch sind nicht alle der 150 Anträge abgearbeitet, aber bisher war der Verdacht an der Victorstraße/Ecke West­ring der einzige Bombenfund dieses Jahres.
Das heißt aber nicht, dass ein Ende abzusehen wäre. „Es sind erst etwa 30 Prozent der Fläche in Castrop-Rauxel ausgewertet“, weiß Gerth. Da lassen sich noch viele Kriegsüberbleibsel entdecken. „Und die letzte Bombe werden wir nie finden“, ist er sich sicher.

Praktische Gefahrenabwehr

Während Gerth und andere Mitarbeiter der Feuerwehr für den administrativen Teil bei einem möglichen Bombenfund zuständig sind, kümmert sich der Kampfmittelbeseitigungsdienst um die praktische Gefahrenabwehr. „Wir werden im Auftrag der Ordnungsbehörde tätig“, erklärt Karl-Friedrich Schröder. Diese bittet den Dienst beispielsweise um eine Luftbildauswertung und erhält, falls dort tatsächlich eine Bombe vermutet wird, im Anschluss eine Empfehlung, wie auf dem Gelände vorzugehen ist.
Soll eine Überprüfung vor Ort erfolgen, rückt der Kampfmittelbeseitigungsdienst an. „Zunächst wird das Gradiometer eingesetzt“, so Schröder. Mit diesem Gerät können in mehreren Metern Tiefe Störungen im Erdmagnetfeld gemessen werden, da es auf Metall reagiert. Weil das Gerät aber nicht zwischen der Hülle einer Bombe und sogenannten „Industriegegenständen“ unterscheiden kann, entpuppt sich der vermeintliche Kriegsfund auch schon mal als Eisenstange oder Gullydeckel.

Die Bombe wird freigelegt

Wenn es sich aber tatsächlich um eine Bombe handelt, gilt es, den Zünder zu identifizieren. Dazu muss die Bombe freigelegt werden – möglichst erschütterungsfrei. „Wie gefährlich es war, wissen wir meistens erst hinterher“, sagt Schröder. „Wir gehen immer vom Schlimmsten aus.“
Steht die Art des Zünders fest, wird die Entschärfungsmethode gewählt und zusammen mit der Ordnungsbehörde ein Evakuierungsradius festgelegt. Dann erst folgt die Entschärfung. Die geborgene Bombe wird schließlich im Munitionszerlegebetrieb in Hünxe vernichtet.
Im Waldgebiet in Bladenhorst gab es vier Verdachtspunkte; letztlich wurde an einem eine Bombe gefunden und durch Entschärfer Volker Lenz unschädlich gemacht. Nach den Schäden durch den Pfingststurm „Ela“ will der Regionalverband Ruhr (RVR) hier wieder aufforsten. „Um die Setzlinge zu setzen, muss gebohrt werden“, so Gerth. Daher gab es die Empfehlung an den RVR, erst auf Sprengkörper zu prüfen.

Eine Entschärfung im Jahr 2014

Im vergangenen Jahr musste der Kampfmittelbeseitigungsdienst in Castrop-Rauxel eine einzige Bombe entschärfen. Hinzu kamen zwei weitere Funde, die aber keinen Zünder mehr hatten. „Das war ein dünnes Jahr“, sagt Gerth. In den Jahren zuvor habe es „reichlich Beute“ gegeben. Vor allem durch Großmaßnahmen am Rhein-Herne-Kanal, an der Emscher und auf der ehemaligen Edelhoff-Fläche seien durchschnittlich zehn bis 15 Bomben pro Jahr entdeckt worden.
„Wir freuen uns, wenn wir eine Bombe finden“, sind sich Gerth und Schröder einig. „Denn dann wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben“, verdeutlichen sie die Bedeutung ihrer Arbeit.

Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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