Jochen Malmsheimer mischt das "Fantastival"-Publikum mächtig auf
Alles für die Bildung: eine verstörende Busfahrt mit den literarischen Helden der Jugend

Malmsheimer in Höchstform!
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  • Foto: Wolff
  • hochgeladen von Dirk Bohlen

So unfassbar, so unnachahmlich, so unzitierbar - der Typ ist einfach der absolute Wahnsinn! Jochen Malmsheimer kredenzte seine "Dogensuppe Herzogin - ein Austopf mit Einlage" beim Dinslakener Fantastival. Wortschöpfungsfroh, bildreich und stimmgewaltig mäanderte der Bochumer über die Höhen und (vor allem) durch die Tiefen menschlicher Schwächen - dieses Mal eingepflanzt in die Szenerie einer zwölfstündigen Busreise nach Venedig.

Immer wieder köstlich, wie der Meister der Verbalverkettung seine imaginären Mitmenschen seziert. Keine Farbnuance ist ihm zu langweilig, keine Verhaltensweise zu schrill und kein Furz zu laut, als dass dieser Dreiklang humanoider Selbstdarstellung nicht nach Strich und Faden aufs Korn zu nehmen wäre. 

Doch Knieschmerzen, angegorener Kartoffelsalat und die Schnarchgeräusche seiner Mitfahrer wirken sich übel aus: der Zwangsreisende bekommt Halluzinationen. Knall auf Fall - während seine Gefährtin auf der Toilette weilt - findet er sich inmitten der literarischen Helden seiner Jugend wieder: Long John Silver, Osysseus, Sam Hawkins, Robin Hood und Käpt'n Ahab streiten sich mit Martin Luther, Marco Polo und einem kauzigen Dogen über Sinn und Wert von Bildung. 

Natürlich muss der halluzinierende Malmsheimer schlichten und tut dies vor allem, indem er bildungsfernen "Blökbürgern" (gemeint sind AfDler und Pegida) auf die Zwölf haut, SocialMedia-Hörigkeit verteufelt und ein Loblied auf das Lesen singt. Ähnlich schlimm wie die braunen Denkverweigerer skizziert der  Künstler die bigotten Amis aus dem Bibelgürtel, deren eingeschränkte Eloquenz er allerdings mit einem schier unglaublichen Wortwechsel adelt. Zitat (ohne Garantie) : "Don't fuck the duck, Chuck! - "No, I check the cook book, Jack!" 

Das Dinslakener Publikum quitiiert's mit viel Applaus. Ein Burgtheater-Abend mit vielen Denkanstößen. Und doch: man erinnert sich an fast nichts. Woran das bloß liegt? Check the book!  

Wenn Sie Näheres wissen wollen,  lesen Sie bitte selber!

(Sechs der sieben Fotos zum Beitrag stammen von Axel Wolff - danke dafür!)

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