Dinslakener Schlagerstar Uschi Blum in Linsengericht!

Wahrscheinlich hätten wir, meine beste Freundin Susi und ich die Uschi nie aufgegabelt, wenn ich nicht kurz zuvor einem Dinslakener Herzensbrecher erlegen wäre.
Es gibt Themen über die müssen Frauen sich einfach ausgiebig austauschen und was liegt da näher als ein Wochenende Getratsche als Wellnessurlaub zu tarnen.
Wir also ab ins Auto von Nürnberg nach Bad Orb im Spessart. Das war Ende 1999.
Nachdem wir die Kunstausstellung „Hart wie Staub – Impressionen in Ytong“ besucht, den Altersdurchschnitt in der Toscanatherme auf 72 Jahre gedrückt, Unterwassermusik gelauscht und die Gehörgänge anschließend zur Seite geneigt frei gehüpft hatten, waren wir mit dem Veranstaltungsprogramm auch schon durch.
Wir entschieden uns wandern zu gehen und zwar nach….wir tippten blind auf die Infotafel am Marktplatz… nach Linsengericht.
Der kleine Ort war eigentlich nur ein Wirtshaus, völlig abgelegen und vermutlich der ideale Platz für verhuschte Kurschatten. Endlich konnte ich loslegen und mein Elend meiner besten Freundin anvertrauen.
“Susiiii! Wieso lerne ich nie einen Kerl bei uns zu Hause kennen? Dinslaken! Gott weiß wo dieses Kaff liegt! Diiinslaken!“, jammerte ich , als mich eine warme, leicht rauchige Altstimme vom Nachbartisch ansprach.
„Sch-Sch-Schätzeken“, sagte Hildegard Sterczinski, wie sie sich uns anschließend vorstellte, „Dededer Niederr-r-r-hein ist ein w-w-wundervoller Ort zum L-l-leben.“
Abgesehen von dem Gestotter war ich ehrlich beeindruckt von Hildegards Erscheinung und ihre weltmännische Art tropfte ihr aus allen Poren. (Kein Wunder bei 32° im Schatten)
Es gibt Themen über die müssen sich Frauen einfach ausgiebig austauschen und was liegt da näher als den Erfahrungsschatz einer mütterlichen Freundin zu nutzen (das mit dem „mütterlich“ drucken sie aber nicht so, oder?)
Hildes Temperament war unglaublich, sie bestritt die Unterhaltung nahezu allein bis die Kombination aus Stottern und Reden ihre Stimme zunehmend heiser machte und sie nur noch krächzen konnte. Auf meine besorgte Frage hin erzählte sie, dass sie wohl zu lang in Ytongskulpturen gemacht und Massen an Staub geschluckt hätte. Die Ärzte wären ratlos. Wie nur ihre kostbare Stimme retten? (Erst jetzt dämmerte es uns. Hildegard Sterczinski alias Uschi Blum! Wir sitzen mit einem Weltstar an einem Tisch und haben ihn nicht erkannt. War das peinlich!)
Wir boten alle Heilmittel auf, die uns einfielen. Kamilledampfbad, Thymianhonig, Sauerkrautauflage, Sole, Kartoffelwickel.
„Zwiebelsaft und Veilchendrops“, ergänzte der Wirt, der inzwischen hinzugekommen war, um die 9. Runde Ramazotti auf Eis mit Zitrone zu servieren.
„Oder versucht´s doch mal hiermit“, sagte er und zog eine Zigarre aus der Tasche.
Wir drei Frauen starren auf das Ungetüm in seiner Hand, grinsten und griffen beherzt zu,
Doch so sehr Susi und ich auch pafften und pusteten- das Ding fing kein Feuer.
„L-L-Lasst mich m-m-mal dran“, meinte Hilde, jetzt Uschi, “B-b-bin schon mit so m-m-mancher Ha-Hand voll fertig geworden“, und zog an. Nach einem ewig dauernden Atemzug bei dem sie 5 cm Aschesäule produzierte glimmte der kubanische Sargnagel.
Man konnte zusehen wie ihre Pupillen zu Stecknadelköpfen schrumpften, ihre Alabasterhaut fast durchsichtig wurde und dann grünstichig…

Hinterher ging es ihr wieder besser. Der absolute Clou war aber…Uschi stotterte nicht mehr!
Die Würgewindungen im Damenklo mussten tief sitzende seelische Blockaden gelöst haben. Sie war in Fluss gekommen, die Stimme folgte ihrem befreiten Körper, sie hatte dieses unglaubliche Timbre…es war zum Heulen schön…

Den Dinslakener Herzensbrecher habe ich übrigens geheiratet und Uschi hatte Recht:
Der Niederrein ist wirklich ein wundervoller Ort zum Leben.

Autor:

Eva Bock aus Dinslaken

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