"Man nimmt viel positives mit"
Ein Arbeitstag im Leben einer Pflegerin

Melanie Wieczorek kann sich keinen anderen Beruf vorstellen.  | Foto: Laura Otten
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Es ist 7.30 Uhr, als sich Altenpflegerin Melanie Wieczorek in ihren Dienstwagen setzt und sich zum ersten Hausbesuch des Tages aufmacht. "Die Dame ist stark dement", sagt sie. "Ich bin heute erst zum zweiten Mal dort und muss noch einen Draht zu ihr aufbauen". Als sie kurze Zeit später das Haus erreicht hat und vor der Schlafzimmertür der Klientin steht, wird deutlich, dass sich das als garnicht so leicht erweist. So wird der Gang zum Badezimmer zu einer heiklen Sache - Trotz Melanie Wieczoreks Bemühungen muss die morgendliche Dusche letztlich ausfallen, da sich die Klientin partout und mit Händen und Füßen dagegen wehrt. "Da muss ich nochmal nachhorchen, was die Dame zum Beispiel früher gern gemacht hat. Manchmal hilft das dabei, einen Draht aufzubauen", sagt sie später dazu. So geht es dann weiter zum zweiten Klienten.

"Warum machst du das nicht beruflich?" 

Melanie Wiecorek arbeitet für den ambulanten Pflegedienst Jaskolka in Dinslaken, ist aber eigentlich gelernte Hotelfachkraft, was zunächst einmal ungewöhnlich erscheint. Doch bereits damals war sie in das Thema Pflege verwickelt. So pflegte sie erst ihre eigene Großmutter und später dann auch deren Nachbarin. Schon da wurde das Talent der jetzigen Altenpflegerin sichtbar, fand auch die Nachbarsdame. "Du bist so eine gute Hilfe. Warum machst du das nicht beruflich?" Die Worte scheint sich Melanie Wieczorek zu Herzen genommen zu haben, denn heute kann sie sich keinen anderen Beruf mehr vorstellen. "Ich könnte auch irgendwo anders arbeiten, aber das wäre nicht so erfüllend wie das hier", sagt sie.

"Was muss das muss" 

Zurück im Dienstwagen schaltet Wieczorek den Motor aus und sagt "Der nächste Patient ist ein ganz netter Herr, das sollte eigentlich ganz unkompliziert werden". Nach ein wenig Treppensteigen blickt sie allerdings in das gestresste Gesicht der Ehefrau des Patienten und merkt, dass sie sich möglicherweise geirrt haben könnte. So viel sei gesagt: Die Komplikationen beinhalten einen Stomabeutel, der nicht so ganz halten wollte. So zieht sich ein eigentlich kurz gedachter Besuch, der nur die Grundpflege beinhalten sollte, auf etwa eine halbe Stunde. Doch mit solchen Problemen muss man umgehen, meint sie. "Was muss das muss", ist die Devise. So ist die Grundpflege erledigt und das Bett frisch bezogen, als Wieczorek sich von dem Ehepaar verabschiedet, um der nächsten Patientin ihren Besuch abzustatten. "Jetzt bin ich natürlich etwas im Verzug, aber sowas kann immer passieren. Und meistens ist es auch garnicht so stressig wie heute", sagt sie.

Schwierigkeiten ohne bestimmte Qualifikation

Schwierigkeiten gibt es dabei weniger mit der Arbeit an sich, als beim Quereinstieg in den Pflegeberuf. Wieczorek selbst sei da "hineingerutscht", nachdem sie sich beim Arbeitsamt informiert und anschließend eine Pflegehelferschulung absolviert hatte. Wer sich bereits für den Beruf interessiert, dem wird die Qualifikation LG 1 und LG 2 in der Behandlungspflege etwas sagen. Wer die halbjährige Ausbildung und zugehörige Prüfung absolviert, kann sich dann "Pflegehelfer" nennen. Das beinhaltet auch die Erlaubnis, vom Arzt verschriebene Behandlungen wie das Legen von Kompressionsverbänden durchführen zu dürfen. Ungünstig ist die Tatsache, dass Menschen mit ähnlichen Ausbildungen, wie beispielsweise Arzthelfer, ohne die LG 1 und LG 2 Qualifikation eben diese Behandlungen nicht ausführen dürfen. Und das trotz Berufserfahrung. "Die Leute die können, dürfen dann nicht", sagt Wieczorek. Sie selbst hat zwar die LG 1 und LG 2 Qualifikation, wird aber ab Oktober noch die dreijährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin absolvieren. Damit wäre sie dann vollständig ausgebildet und würde auch die ihrer Arbeit angemessene Bezahlung erhalten.

"Man nimmt viel positives mit" 

Die nächsten zwei Hausbesuche verlaufen komplikationsfrei. Einmal Kompressionsverbände und einmal Grundpflege – das gehört zum Alltag und geht verglichen mit den ersten beiden Klienten beinahe wie von selbst über die Bühne. Ein typischer Fall von „Die Mischung macht’s“. „Manchmal nimmt man gewisse Sachen auch mit nach Hause“, sagt Melanie Wieczorek, „man baut ja eine Bindung zu den Patienten auf. Man sollte das zwar trennen, aber das finde ich irgendwie unmenschlich. Man nimmt ja auch sehr viel positives mit. Die Menschen sind einem sehr dankbar.“ Eines lässt sich auf jeden Fall zusammenfassen: Abwechslungsreicher könnte ein Arbeitstag wohl kaum sein.

Autor:

Laura Otten aus Voerde (Niederrhein)

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