Pfusch am Bau
Schwarzarbeit und Sozialbetrug am Bau kosten Staat 9,6 Millionen Euro

Laut IG BAU droht der Branche auch im Kreis Wesel ein Image-Verlust.

Eine Kontrollbilanz des Duisburger Zolls für 2019 zeigt im Ergebnis, dass Billig am Ende teuer werden kann: Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Lohnprellerei in der Baubranche haben in der Region einen Millionenschaden verursacht.

Das teilt die Gewerkschaft IG BAU mit und beruft sich auf eine aktuelle Auswertung des Bundesfinanzministeriums. Danach kontrollierten Beamte des Hauptzollamtes Duisburg, das auch für den Kreis Wesel zuständig ist, im vergangenen Jahr insgesamt 284 Baufirmen und leiteten 593 Ermittlungsverfahren ein.

"Ein erschreckendes Ausmaß krimineller Energie"

Wegen illegaler Praktiken in der Branche entgingen dem Staat und den Sozialkassen 9,6 Millionen Euro. IG BAU-Bezirkschefin Karina Pfau spricht von einem „erschreckenden Ausmaß krimineller Energie“. Hier stehe das Image einer ganzen Branche auf dem Spiel. „Sauber wirtschaftende Firmen dürfen nicht wegschauen, wenn sich Konkurrenten nicht an die Regeln halten.
Gerade die Coronakrise hat ja gezeigt, wie wichtig die Bauwirtschaft als Stütze der Konjunktur auch in der Region ist“, so die IG BAU Duisburg-Niederrhein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Bauumsätze in den ersten fünf Monaten des Jahres trotz Pandemie um rund sieben Prozent.

"Der Zoll muss gestärkt werden"

„Das beste Mittel gegen unerlaubte Geschäfte am Bau ist ein fairer Wettbewerb zu fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen. Dazu muss sich die ganze Branche bekennen, wenn sie ihren Ruf nicht verspielen will“, so die Gewerkschafterin. Die Arbeitgeber hätten in der laufenden Tarifrunde die Chance, die Bauberufe für Fach- und Nachwuchskräfte attraktiver zu machen. Entscheidend sei aber auch, dass der Zoll schwarze Schafe noch stärker in den Blick nehme. „Es kommt nicht nur auf die Zahl der Kontrollen an, sondern auch auf die Qualität. Hier braucht die Finanzkontrolle Schwarzarbeit mehr Personal“, so Pfau. Laut Finanzministerium waren beim Hauptzollamt Duisburg zu Jahresbeginn lediglich 185 Planstellen besetzt. Die Zollstatistik geht auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke (Bündnis 90/Die Grünen) zurück. Die Arbeitsmarktpolitikerin stellt gegenüber der IG BAU fest: „Schwarzarbeit und Lohn-Betrug sind keine Kavaliersdelikte. Der Zoll muss gestärkt werden, um flächendeckend kontrollieren und wirksam gegen illegale Machenschaften vorgehen zu können – gerade auf dem Bau.“

Autor:

Lokalkompass Dinslaken-Voerde-Hünxe aus Dinslaken

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