„Mein Europa, meine Rechte“: 100 Vögelchen für den ersten Platz

Catiuscia Marini, Präsidentin des Ausschusses der Regionen, graturliert der Halternerin Antje Bücker zum ersten Platz.
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Haltern/Brüssel. Historische Rathausgebäude und kleine Gassen – und mitten drin Antje Bücker. „Ich habe gar nicht gewusst, dass Brüssel so schön ist“, sagt sie und freut sich.

Die Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas im Europäischen Ausschuss der Regionen (AdR) hat die Werbetexterin, Fotografin und Journalistin für ihr Fotokunstwerk “Freiheit für den Journalismus“ ausgezeichnet. Sie erhielt den ersten Preis beim Wettbewerb „Mein Europa, meine Rechte“: 2000 Euro und einen Städtetrip nach Brüssel in Belgien.

Die 52-Jährige ist mit ihrem Lebensgefährten Max Brachtendorf angereist. Mit dem Flugzeug, weil sie gerne fliegt. So wie sie auf ihrem preisgekrönten Foto das Vögelchen aus Zeitungspapier aus einem Gefängnis herausfliegen lässt, wie es den Eindruck macht. „Ich habe 100 Vögelchen gebastelt, bis ich es so hatte, wie ich wollte“, sagt Bücker. Das Foto entstand an der seinerzeit neueröffneten Elbphilharmonie in Hamburg.

Recht und Frieden für Europa

Warum sie mitgemacht hat? „Das Thema Recht und Frieden in Europa interessiert mich brennend. In der Türkei sitzen deutsche Journalisten im Gefängnis. Nur weil sie unbequem sind“. Darauf wollte sie aufmerksam machen. Ihr Lebensgefährte Max Brachtendorf hatte viel Geduld: „Er war mein Hand-Model“, sagt sie lächelnd und schaut ihren Lebensgefährten an. „Ich bin schon stolz auf sie“, sagt er.

Monate waren vergangen und sie hatte den Wettbewerb schon komplett vergessen. „Ich war total von den Socken, als mich Jury-Mitglied Samy Ben Omran anrief und mir mitteilte, dass ich den ersten Platz gewonnen habe“, sagt Antje Bücker. In Brüssel angekommen wartet ein volles Programm auf sie und ihren Begleiter.

Plenarsitzung im Ausschuss der Regionen

Kurz vor der Preisverleihung sitzt sie in der Plenarsitzung des AdR. Die dreifache Mutter hat Kopfhörer auf, um alles zu verstehen. Dank der Übersetzung kein Problem. In allen Sprachen wird debattiert. Zum Thema Sexismus. „Das ist so spannend“, sagt Bücker im Anschluss. Ihr Blick ist aufgeschlossen und neugierig.

Gleich darauf geht es weiter zur Preisverleihung. Kleine Häppchen, Sekt und Saft werden herumgereicht. Catiuscia Marini, Präsidentin des Ausschusses der Regionen, tritt ans Podest und lobt die Preisträger aus: Der dritte Platz geht an Adela Nistora aus Rumänien. Ihr Foto zeigt zwei Männer, die händchen-haltend Fahrrad fahren. Zweiter Preisträger ist David Taquin. Er hat ein Mädchen fotografiert, das zwischen vielen Menschen steht und ein Schild mit dem Wort „paix“ (zu Deutsch Frieden) in den Händen hält. Dann wird Antje Bücker nach vorne gerufen. „Ich bin so aufgeregt“, sagt sie immer wieder. Freudestrahlend nimmt sie ihren Preis entgegen. Applaus folgt. Ihre Anspannung fällt ein wenig ab.

Kurze Zeit später geht es für Bücker weiter zur Deutschen Delegation. Das Preisgeld möchte sie in eine neue Kamera investieren. „Meine ist in die Jahre gekommen. Es wird Zeit für eine neue“. Neben dem Preisgeld für eine neue Kamera hat sie sicher auch viele schöne Erinnerungen mit eingepackt. „Auf jeden Fall sollte man hier in die Kneipe Goupil Le Fol an der Rue de la Violette 22 gehen“, gibt sie noch als Tipp mit auf den Weg. Bevor es auch für sie zurück Richtung Deutschland geht.

Zur Person: Antje Bücker wurde 1964 in Castrop Rauxel geboren, besuchte das Gymnasium in Haltern und zwischenzeitlich die Grand Junction Highschool in Colorado.
Nach ihrem Abitur 1984 begann sie ein Kunststudium in Dortmund, was sie abbrach, um auszuwandern. Zunächst in den Iran, dann nach Tunesien. Dort leitete sie das Büro der AFART (Association de Femmes Allemandes en Tunisie) der Sektion Sousse. 2004 kehrte Bücker nach Haltern zurück, studierte Werbetext und Konzeption und machte sich als Texterin, Fotografin und Journalistin selbstständig. Sie hat drei erwachsene Töchter und freut sich im kommenden Februar auf ihr erstes Enkelkind.

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