Ein Zeichen für sauerstoffreiches Wasser
Urzeittierchen in der Lippe

Die Mützenschnecke wird nur bei guter Wasserqualität heimisch. Kein Wunder, dass wir sie in der Lippe finden.
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  • Die Mützenschnecke wird nur bei guter Wasserqualität heimisch. Kein Wunder, dass wir sie in der Lippe finden.
  • Foto: EGLV/ Rupert Oberhäuser
  • hochgeladen von Sabrina Czupiol

Entdecken die Biologen Mützenschnecken im Gewässer, ist das Grund zur Freude. Da die vier bis acht Millimeter großen Wasserlebewesen nur über ihre Haut atmen können, brauchen sie extrem sauerstoffreiches Wasser und sind somit ein Anzeiger für gute Wasserqualität. Der Lippeverband hat die Schnecken mit der außergewöhnlichen, spitzen Kopfbedeckung darum als „Bewohner des Monats Juli“ ausgewählt. In Haltern, Dorsten und Schermbeck kommt die Mützenschnecke in der Lippe vor.

Kurz und knapp

  • Mützenschnecke ist „Bewohner des Monats“ und in der Lippe heimisch
  • Die Schnecke atmet über ihre Haut und braucht sauerstoffreiches Wasser
  • Selbstbefruchtung oder Zwitter-Sex dienen der Arterhaltung
  • Schneckenart steht teilweise auf der Roten List

Urzeittier mit kleinen Bewegungsradius

Obwohl fossile Funde belegen, dass es Mützenschnecken schon vor 2,6 Millionen Jahren gab, ist diese Schneckenart mit dem lateinischen Namen „Ancylus fluviatilis“ äußerst sensibel – in einigen Bundesländern steht sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

„Die Mützenschnecke ist nicht sehr mobil, ihr Radius beschränkt sich in der Regel auf einen Meter. Daher braucht es bis zur Besiedlung von renaturierten Gewässerabschnitten immer ein wenig Zeit“, weiß Sylvia Mählmann, Biologisch-technische Assistentin des Lippeverbandes.

Entweder driften die Schnecken ein Stück mit der Strömung oder reisen als „blinde Passagiere“ am Bein eines Vogels oder eines großen Wasserkäfers weiter.

Kopfbedeckung nützt und schützt

Doch wo kann man die Miniatur-Schnecken im Wasser entdecken? Die Mützenschnecke hat kein rundes Häuschen, wie Gartenschnecken es mit sich herum-tragen. Ihr gewindeloses Hausähnelt eher einer leicht nach hinten gebogenen, spitzen Mütze. Das Gehäuse ist dabei dünnwandig und bei älteren Tiere oft mit ei-ner Algenschicht bewachsen. „Mit ihrer mützenförmigen Schale ist diese Schnecke perfekt an das Leben in fließenden Gewässern angepasst. Sie saugt sich mit ei-ner breiten Fußscheibe an Steinen fest und ‚grast‘ Algen und Flechten ab“, beschreibt Sylvia Mählmann. Die Nahrung verdauen die Tiere mit Hilfe von Sandkörnern im Muskelmagen. Sitzt die Mützenschnecke einmal „auf dem Trockenen“, übersteht sie Wassermangel durch kurzfristiges Festheften am Steinuntergrund.

Vielfältiger Schneckensex dient der Arterhaltung

Mützenschnecken müssen nicht zwangsläufig auf Partnersuche gehen, wenn sie sich fortpflanzen wollen. Stimmt die Wassertemperatur im Frühjahr, kann die Mützenschecke als Zwitter ihre Rolle beliebig tauschen, da sie zwei Geschlechtsorgane hat. Teilweise bilden die Schnecken sogar ‚Kopulations-Ketten‘ von vier bis fünf Tieren. Doch noch häufiger findet die Selbstbefruchtung statt, was einen enormen Überlebensvorteil bringt: So kann aus einem einzel-nen Tier eine komplett neue Population entstehen! Der Laich der Mützenschnecke besteht aus kleinen durchsichtigen Gallertscheiben, die sie fest an den Untergrund kittet. Insgesamt kann eine erwachsende Schnecke bis zu 100 Eier legen. Nach drei bis vier Wochen schlüpfen die kleinen, weniger als ein Millimeter großen Schnecken und haben dann eine Lebenserwartung von rund einem Jahr.

Hintergrund

Fließgewässer sind die Lebensadern unserer Landschaft. Sie bieten Menschen nicht nur Erholung, sondern sind als Ökosysteme unverzichtbar und schützenswert. Ein Großteil der Wasserlebewesen sind wirbellose Tiere (Makrozoobenthos), die häufig am Boden oder Rand des Gewässers leben. Dazu gehören u.a. Wasserinsekten, Krebstiere, Schnecken und Muscheln. Sie sind ein wichtiger Indikator für die Wasserqualität. Denn nur ein natürliches Gewässer weist eine hohe Anzahl und Vielfalt wirbelloser Tiere auf.
Durch das Programm „Lebendige Lippe“ soll sich der längste Fluss in NRW natürlicher entwickeln. Diese Veränderungen erfassen die Lippeverbands-Mitarbeiter des Labors anhand von Probenahmen entlang der Lippe und ihrer Nebenläufe. Dabei untersuchen sie regelmäßig insgesamt 431 Kilometer Wasserläufe im Verbandsgebiet. Ausgewählte Lebewesen, die etwas über die Wasserqualität verraten, stellt der Lippeverband in seiner Serie „Bewohner des Monats“ vor.

Autor:

Sabrina Czupiol aus Dorsten

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