Wasser in der Lippe wird knapper und wärmer

Das Wasser in der Lippe wird knapper und wärmer.
  • Das Wasser in der Lippe wird knapper und wärmer.
  • Foto: André Elschenbroich
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In der Lippe und ihren Zuflüssen ist durch den prognostizierten Klimawandel in trockenen Monaten mit einem erheblichen Rückgang der verfügbaren Mengen an Grund- und Oberflächenwasser und gleichzeitig mit einer Verschlechterung der Wasserqualität zu rechnen, lautet das Fazit des dynaklim-Teilprojekts "Konkurrierende Wassernutzungen an der Mittleren Lippe".

Ein Temperaturbereich oberhalb von 25 Grad wird im Sommer künftig häufiger erreicht, selbst Wassertemperaturen über 30 Grad Celsius werden sich einstellen. Die aktuell bereits bestehenden Nutzungskonkurrenzen werden deutlich verstärkt, dadurch sind neue, innovative Anpassungsstrategien und -instrumente erforderlich.

Bei einer „schwimmenden Veranstaltung“ auf dem Kanal-Fahrgastschiff Santa Monika III präsentiert dynaklim heute die Ergebnisse des Teilprojekts. Der dynaklim-Arbeitsbereich "Konkurrierende Wassernutzungen an der Mittleren Lippe" beschäftigt sich seit 2009 mit den Auswirkungen von prognostizierter Trockenheit und Hitze auf das zukünftige Wasserdargebot in der Region der mittleren Lippe, konkret der Region Dorsten, Haltern am See und Marl. Ein Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten war die Etablierung der übergreifenden Arbeitsgruppe "Lippe-Grundwasser".

Hier ist es dem Projekt gelungen, die relevanten Akteure – dazu zählen die Bezirksregierung Münster, der Kreis Recklinghausen, die Städte Dorsten, Haltern am See und Marl, der Wasserversorger RWW, die Landwirtschaftskammer NRW und die Biologische Station des Kreises Recklinghausen - zum Thema Grundwasserbewirtschaf-tung an einen Tisch zu holen. Bislang fünf gemeinsame Treffen der AG Lippe dienten einerseits der Identifikation von relevanten Nutzungskonkurrenzen mit Bezug zum Klimawandel und andererseits der Unterstützung der betroffenen Wassernutzer sowie der Entwicklung von Sektorübergreifenden Kommunikations- und Ausgleichsmechanismen im Rahmen eines regionalen Dialogprozesses.

Die Wassernutzer an der Unteren Lippe formulieren ihre Nutzungsansprüche und entwickeln gleichberechtigt die gemeinsamen Bewirtschaftungsziele. Am Ende wurden von der AG insgesamt vier verschiedene Maßnahmenbündel-verabschiedet, die u.a. konkrete organisatorische und technische Maßnahmen zur Bewältigung der zukünftigen Konkurrenzenenthalten.

Die AG Lippe ist bereits sehr früh zu einem Pilotprojekt ("Wasser im Dialog") des dynaklim Vorhabens ausgewählt worden. Aus der AG Lippe-Grundwasser ergab sich der Aufhänger für die Bezirksregierung Münster und die beteiligten Wasserbehörden, die behandelten Aspekte der Klimafolgenanpassung in einem weiteren Pilotversuch für die nächsten zwei Jahre im Vollzug in der Praxis zu testen. U. a. für die Klärung von rechtlichen Randbedingungen, Finanzierung und Umsetzung ist jedoch die Einbindung des NRW-Umweltministeriums erforderlich.

Von besonderer Bedeutung sind die Ergebnisse der Modellrechnungen des Forschungsinstitutes für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW) e.V. und des Lippeverband für den Einfluss des Klimawandels auf die Gewässertemperatur der Lippe. Den Berechnungen liegt das GewässergütemodellLippe des Ver-bandes zugrunde. Allein durch die Temperaturerhöhungen aufgrund des Klimawandels wird es zu erheblichen Wassertemperaturanstiegen in der Lippe kommen. Verglichen mit dem „Jahrhundertsommer 2003“ wird die Temperatur der Lippe nochmals um bis zu 3 °C zunehmen. Temperaturen von deutlich über 30 °C sind dann nicht mehr eine Seltenheit, sondern treten regelmäßig auf. Dies hätte bislang ungekannte Folgen für die Fischfauna sowiefür verschiedenste Wassernutzungen an Gewässern wie die Trinkwassergewinnung.

Vor dem Hintergrund der Ende 2013 auslaufenden Fischgewäs-serverordnunghat das Landesumweltamt in Zusammenarbeit mit weiteren Fachinstitutionenim Auf-trag des Umweltministeriums NRW (MKULNV) die Anforderungen an die Wassertemperatur der Fließgewässer aus Sicht der Fische und anderen Gewässerlebewesen betrachtet. Dort wurde z.B. festgestellt, dass als maximale Wassertemperatur im Sommer für Tieflandgewässer 25 °C nicht überschritten werden sollen. Diese Werte werden in der Lippe wohl schon in naher Zukunft deutlich überschritten werden.

Ebenso hätte eine in diesen Dimensionen gesteigerte Wassertemperatur auch unmittelbare Auswirkungen auf die Qualität des entnommen Rohwassers zur Trinkwasseraufbereitung aus der fließenden Welle. Dies findet zwar nicht an der Lippe statt, jedoch zum Beispiel an der Ruhr und an anderen Gewässern. Dort droht die Gefahr der Verkeimung und zusätzlicher Aufbereitungsaufwand durch etwa Kühlung des Trinkwassers. Eine Gefährdung der Bevölkerung besteht hierdurch allerdings nicht.

Nicht erst kurzfristig, sondern schon jetzt zeigt sich zudem in dieser Region eine angespannte Wasserbilanz. Mitte 2012 hat die RWW (Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft) für die Obere Wasserbehörde eine aktualisierte Wasserbilanz ihrer Einzugsgebiete Holsterhausen, Üfter Mark und Blauer See erstellt und der Bezirksregierung Münster und dem Ministerium (MKULNV) vorgestellt. Die im Rahmen von dynaklim durchgeführte Prognose bestätigt die RWW-Daten. Die Wasserbilanz ist zwar unter der heutigen Entnahmekonstellation auf das Jahr gesehen in etwa ausgeglichen, in Trockenperioden führt jedoch eine zunehmende Anzahl von Grundwassernutzern dazu, dass streckenweise Bäche und Feuchtgebiete trockenfallen.

Das dynaklim-Projekt

Das Forschungsprojekt dynaklim steht für „Dynamische Anpassung an den Klimawandel in der Emscher-Lippe-Region“ und läuft zunächst bis 2014. Federführend koordiniert wird dynaklim vom Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen e.V.(FiW).

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Lokalkompass Dorsten aus Dorsten

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