Sekundarschule - Forderungen

„...die hervorragenden Anmeldezahlen...“ (Schuldezernent)

Nach den offiziellen Anmeldetagen waren es nur 82 Kinder. Gerade einmal 7 über der notwendigen Mindestanzahl von 75. Die dazu gekommenen 43 müssen wohl die „Unglücklichen“ sein, die von den Schulen ihrer Erstwahl abgewiesen wurden. Wenn wir diese 43 Schüler die zweite Wahl nennen und die ursprünglichen 82 die erste Wahl, stellen wir fest, dass mehr als ein Drittel des ersten Jahrgangs der Sekundarschule eigentlich eine andere Schulform gewählt hatten.

Zwei LeserbriefschreiberInnen haben inzwischen überzeugend dargestellt, warum der von der Schulverwaltung verbreitete Jubel unangebracht ist (Frau Dr. Anke Soick und Herr Arno Gödde). Wir, DIE LINKE.Dorsten, möchten anmerken, welche schulpolitischen Konsequenzen daraus gezogen werden sollten.

Von Werner Mörs, CDU, 1.Beigeordneter in den 70-er und 80-er Jahren, weiß das Dorsten-Lexikon zu berichten: Er glaubte noch, in die Schullandschaft sei Ruhe eingekehrt, als auch er von der plötzlich einsetzenden heftigen Diskussion um die zweite Gesamtschule überrascht wurde.
Das war um 1983. SPD-Mitglieder in Wulfen („Nordlichter“) forderten eine zweite Gesamtschule für Dorsten am Pliesterbecker Schulzentrum. Die CDU (Mörs) stimmte dagegen und mit ihnen die „Südlichter“ der SPD. Damit war der Plan für die nächsten 35 Jahre vom Tisch!

Eine Folge davon ist jedes Jahr, dass die Gesamtschule Wulfen bei den Anmeldungen einen mal größeren, mal kleineren Überhang hat. Zeitweilig haben den unsere beiden Gymnasien auch. Aber Überhänge beim Gymnasium gehören zum dreigliedrigen System. Da müssen Eltern damit rechnen, dass ihre Kinder bei der Anmeldung oder auch noch nach der Erprobungsstufe nach unten gestuft werden. Und das heißt in der Regel in die Hauptschule. Das nennt sich äußere Differenzierung und gehört zum System. An der Gesamtschule ist man ein für allemal, man wird gefördert bis zum Abschluss, der bei Eignung und Fleiß auch Abitur heißen kann. Aber wenn es nicht genügend Plätze gibt? Ab in die Sekundarschule. Sie ist in Dorsten diejenige Schule, die jetzt allein die Rolle der nicht mehr vorhandenen Hauptschulen übernehmen muss: abgewiesene Schüler von der Gesamtschule, vom Gymnasium und womöglich der letzten (kirchlichen) Realschule aufzunehmen. Und eben daher kommen die „hervorragenden Anmeldezahlen“. Ob der Schuldezernent nun sagt, es gäbe keine Hauptschüler mehr: das ändert an den genannten Tatsachen nichts. Bezeichnungen spielen hier überhaupt keine Rolle!

Wo schafft die Sekundarschule etwas Neues für die Dorstener Schullandschaft? Wo ist der Fortschritt, wo die Entwicklung? So etwas soll Schul entwicklungs planung sein? Die Schullandschaft in Dorsten entwickelt sich um die stabile Insel Gesamtschule Wulfen wie ein Urwald. Hier geht etwas ein, dort wuchert etwas. Statt eines Plans: ad-hoc-Maßnahmen. Und das seit 40 Jahren!

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass wieder geburtenstarke Jahrgänge zu erwarten sind. Da ist ein solider Schulentwicklungsplan erforderlich. Damit wir nicht hören müssen: Wo kommen auf einmal die vielen Schüler her? Wir können nicht ahnen, was die CDU vorhat. Vielleicht eine Hauptschule wieder eröffnen? (Zuerst ein paar Bausteinchen wegnehmen, dann wieder hinzufügen – Hauptsache kostensparend!)

Nun, wir von den LINKEN wünschen uns nach 40 Jahren Stagnation und Halbherzigkeiten eine zweite Gesamtschule für Dorsten. Man könnte, die leidigen Sparzwänge im Blick, die Sekundarschule aufstocken und in eine Gesamtschule einschließlich Oberstufe umwandeln.

Damit wären wir immer noch 50 Jahre hinter zum Beispiel dem finnischen Schulsystem. Aber es wäre ein klitzekleiner Schritt in die richtige Richtung.

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