Corona Dorsten
Video / „Verstand und Solidarität sind unsere größten Waffen“

Bürgermeister Tobias Stockhoff wendet sich an alle Dorstenerinnen und Dorstener im gemeinsamen Kampf gegen das Corona-Virus.
  • Bürgermeister Tobias Stockhoff wendet sich an alle Dorstenerinnen und Dorstener im gemeinsamen Kampf gegen das Corona-Virus.
  • Foto: Bludau
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Bürgermeister Tobias Stockhoff wendet sich mit folgenden Worten an alle Dorstenerinnen und Dorstener: 

Liebe Dorstenerinnen und Dorstener,

der Corona-Virus verändert unseren Alltag schneller und einschneidender als jede Entwicklung, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben. Schulen und KiTas wurden geschlossen. Schwimmbäder sind dicht. Sportvereine trainieren nicht mehr. Nur noch wichtige Geschäfte dürfen öffnen. Für Restaurants und Hotels gibt es strenge Auflagen. Einige Bundesländer verhängen Ausgangssperren.
Unser Ministerpräsident Armin Laschet hat vor wenigen Tagen davon gesprochen, dass es „um Leben und Tod“ geht. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eindringliche Worte an uns gerichtet und an unseren Verstand appelliert.

Die ganze Dramatik hat vor wenigen Tagen Prof. Dr. Christian Drosten, Virologe an der Charité in Berlin, verdeutlicht: Nach bisherigen Erkenntnissen würden 20 % bis 25 % aller Menschen über 80 Jahren an einer Corona-Infektion sterben. Folgt man den Schätzungen, dass sich etwa 70 % aller Mitmenschen mit dem Virus infizieren werden, wären das zwischen 750 und 950 Tote in Dorsten – allein in der Altersgruppe der über 80-Jährigen!

Am 22. März 1945 wurden unsere Altstadt und das Dorf Wulfen durch Bomben nahezu vollkommen zerstört. Über 300 Menschen – alte und junge – verloren ihr Leben. An diesem Wochenende wollten wir mit Konzerten, Gedenkveranstaltungen und Gottesdiensten all der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken. Unter dem Motto „Erinnern für die Zukunft“ sollte dieses Gedenken gleichzeitig eine Mahnung sein, alles dafür zu tun, dass ein solcher Weltenbrand, der von deutschem Boden ausgegangen ist, niemals mehr über die Welt kommt. Wir tun in Dorsten viel gegen Hass, extreme Hetze und Gewalt. Auch in einem anderen Zusammenhang wollen wir unsere Lebensgrundlage erhalten. Wir tun gemeinsam mehr für unser Klima, für unsere Umwelt, für die Bewahrung der Schöpfung.

Liebe Dorstenerinnen und Dorstener,

jetzt sind wir gefordert, gemeinsam den Kampf gegen den Corona-Virus zu führen. Dieser Kampf ist nicht abstrakt, sondern konkret: Jeder von uns ist gefordert. Unsere stärksten Waffen in diesem Kampf sind unser Verstand und unsere Solidarität mit den Menschen, die unsere Hilfe benötigen. Das sind insbesondere die Mitbürgerinnen und Mitbürger im höheren Lebensalter und Menschen, die unter Vorerkrankungen leiden.

Diese Solidarität erlebe ich an vielen Stellen. Menschen, die ihren Eltern, Nachbarn und manchmal auch vollkommen fremden Menschen beim Einkaufen und im Alltag helfen, weil diese Gruppen Kontakte meiden, also das Haus nicht verlassen sollen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die trotzt großer Existenzsorgen ihrer Mitarbeiterschaft Kinderbetreuung ermöglichen. Menschen, die im Einzelhandel, in Apotheken, in der Medizin und im Rettungsdienst, im Handwerk und in der Industrie sowie in Behörden Überstunden und Sonderschichten schieben und sich den Herausforderungen professionell stellen. Ihnen gilt mein und unser aller Dank für dieses großartige Engagement. Denn wir alle sind jetzt Krisenmanagerinnen und Krisenmanager. Jeder hilft an seiner Stelle mit, dass das öffentliche Leben an den wichtigen Stellen weiterläuft.

Danken möchte ich in diesen Tagen auch den Medien, die seriös, sachlich und verlässlich informieren. Bitte glauben sie nicht jeden Unsinn in den sozialen Medien. Lokale Informationen finden Sie in den örtlichen Medien, auf den Internetseiten dorsten.de und kreis-re.de. Fragen beantworten Ihnen die Hotlines von Stadt und Kreis am Telefon und per Mail - auch am Wochenende. Internetseiten der Ministerien und seriöser Institutionen wie Robert-Koch-Institut sind vertrauenswürdige Quellen.

Leider erlebe ich in diesen Tagen aber auch Egoismus, Ignoranz und manchmal schlicht Dummheit. Sicherlich nicht immer böswillig. Eine Rolle spielen da auch Angst und Unsicherheit im Umgang mit einer ungewohnten Situation. Einer Situation, die alle trifft und zugleich ganz persönlich herausfordert. Manche Mitbürgerinnen und Mitbürger wollen diese reale Gefahr nicht sehen. Vielleicht weil Viren unsichtbar sind. Aber die Toten in Italien sind Realität, die Bilder der Leichenzüge mit Militär-Lastern konnte jeder sehen.

Wer die Situation veralbert, wer die Gefahr nicht wahrhaben will, wer bewusst die Regeln und Einschränkungen bricht, der darf sich darum von mir persönlich angesprochen fühlen: Mit Egoismus, Ignoranz und Dummheit gefährden diese Menschen das Leben von anderen. Von Menschen, die wir lieben, die uns wichtig sind.

Mich macht es fassungslos, wenn mir Menschen aus dem Frisörhandwerk unter Tränen berichten, dass Kunden kommen, um sich den Haaransatz färben zu lassen und nicht einmal bereit sind, die einfachsten Hygieneregeln zu beachten. Ich habe kein Verständnis dafür, warum ausgerechnet in diesen Tagen Großeltern mit ihren Enkelkindern zum Wertstoffhof fahren, um eine Stehlampe zu entsorgen, die schon monatelang im Keller liegt.

In einer freien und demokratischen Gesellschaft ist der Verstand eines jeden Einzelnen gefordert.
Wir als Stadtgesellschaft geben hier gemeinsam die Antwort auf den Corona-Virus.
Wir – jeder von uns – ist Teil der Lösung für diese Herausforderung.

Liebe Dorstenerinnen und Dorstener,

ich möchte und ich werde Sie wieder und immer wieder auffordern:Seien Sie solidarisch mit den Menschen, die durch den Corona-Virus besonders gefährdet sind.

Und seien Sie solidarisch mit den vielen Menschen, die für uns in der Medizin, im Einzelhandel oder bei Behörden stellvertretend für uns direkt in der ersten Reihe kämpfen und dies noch für lange Zeit tun müssen. Helfen Sie mit! Es liegt in Ihrer Hand, wie es nun weitergeht!

Wie das geht, möchten Sie wissen?

Man kann es mit einem Satz auf den Punkt bringen: Zeig Anstand! – Halt Abstand!Bleiben wir bei unserem üblichen Sozialverhalten, infiziert ein Corona-Patient innerhalb von 30 Tagen über 400 Menschen.

Schränken wir unsere persönlichen Kontakte um 50 % ein, sind es nur noch 15 Menschen.
Reduzieren wir Kontakte um 75 %, dann sind es am Ende nur 2,5 Infizierte.

Nochmal: Es kommt dabei auf jeden Einzelnen an. Je langsamer sich der Virus verbreitet, umso besser können unsere Krankenhäuser die Patienten behandeln, die akute und intensive Pflege benötigen.


Konkret bedeutet das:

  • auf Hygiene achten, z. B. regelmäßiges Händewaschen, in die Ellenbeuge husten
  • persönliche Kontakte meiden, sofern sie nicht notwendig sind
  • auf persönliche Begrüßung durch Handschlag verzichten
  • möglichst Abstand zu anderen Personen wahren (2 Meter), auch in der Einkaufsschlange
  • ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen sollten möglichst zu Hause bleiben
  • größere Gruppen meiden

Mit dieser Strategie helfen wir alle wirksam mit, dass sich diese Krankheit langsamer verbreitet.

Liebe Dorstenerinnen und Dorstener,

mir ist bewusst, dass es sich um sehr schwere Einschnitte in unsere Freiheit und unseren Alltag handelt.

Solidarität und Nächstenliebe aber bedeutet Verzicht.Wir verzichten gerade auf Gewohntes für die Gesundheit von lieben Menschen.

Bei allen Einschränkungen bietet diese Krise aber auch eine Chance für uns als Stadtgesellschaft, für Nachbarschaften und für Familien. Auch mit Abstand können wir symbolisch zusammenrücken, können in der Solidarität wachsen. Werte, die uns in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen sind, können wir jetzt wieder unter Beweis stellen und erkennen, wie wichtig sie sind.

Wir können unsere individuelle Kreativität wieder hervorholen, wenn wir schauen, wie wir das Leben besser zu Hause in der Familie gestalten. Vielleicht holen wir Gesellschaftsspiele aus dem Keller, die wir seit einer Ewigkeit nicht mehr gespielt haben.

Die Erinnerung an den 22. März 1945 und den Wiederaufbau in den Jahren danach lässt uns hoffen, dass wir als Stadtgesellschaft auch diese Krise bewältigen werden.

Unsere Innenstadt war zu 90% zerstört. Man sah nur Trümmerberge. Wir haben als Stadtgesellschaft diesen ebenso steinernen wie moralischen Trümmerberg beseitigt. Auch die Herausforderungen durch den Corona-Virus werden wir gemeinsam als Stadtgesellschaft überstehen, wenn wir alle gemeinsam daran mitwirken!

Wir – im Krankenhaus, im Rathaus, bei der Feuerwehr oder der Polizei – werden unseren Dienst tun. Wenn es nötig ist 24 Stunden am Tag.

Helfen Sie durch Ihr Verhalten mit: Abstand halten! - Solidarität leben!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Ich weiß, dass ich mich auf die Menschen in unserer schönen Stadt verlassen kann.
Ich weiß, dass wir uns aufeinander verlassen können.

Ihr Tobias Stockhoff
Bürgermeister

Im Video: Bürgermeister Tobias Stockhoff wendet sich an alle Dorstenerinnen und Dorstener im gemeinsamen Kampf gegen das Corona-Virus:

Autor:

Olaf Hellenkamp aus Dorsten

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