Sammler freuen sich über kleine Details und seltene Fundstücke – Sie halten Erinnerungen wach
Ehemalige Brauerei in Wulfen gerät nicht in Vergessenheit

Ein Blick zurück: Historisches Luftbild aus dem Archiv des Heimatverein Wulfen.
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  • Ein Blick zurück: Historisches Luftbild aus dem Archiv des Heimatverein Wulfen.
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Dorsten-Wulfen. Die ehemalige Rose Brauerei in Wulfen ist zwar schon seit etlichen Jahren Geschichte, aber trotzdem gibt es bis heute noch zahlreiche Wulfener und Freunde der örtlichen Braukunst, die alles Sammeln, was mit der ehemaligen Kult Marke „Rose“ zu tun hat. Neben dem Heimatverein Wulfen, gibt es auch etliche Privatsammler, die alles in Ehren halten, was mit der Brauerei zu tun hat. Angefangen über einen einfachen Kronkorken, bis hin zum Bierdeckel, über Gläser und Kneipenausstattungen und sogar alte Eiche Fässer.

Einer dieser Sammler ist der Wulfener Reiner Schulze-Tenberge. Er versucht schon seit etlichen Jahren durch private Kontakte, über Internetauktionen und über Secondhand Kaufhäuser an Raritäten zu kommen, die es sonst nirgends mehr offiziell zu erstehen gibt. Allein schon die historischen Gläser mit dem Aufdruck der einstigen Kult-Biermarke ist heute nur noch schwer zu bekommen.  Früher gleich tausendfach für Schützenfeste und Kneipen hergestellt, ist so etwas heute ein rares Gut. „Ich habe sogar ein Bierglas in meiner Sammlung, dass nie im Handel kam, weil es schlecht beim Zapfen war. Es hatte eine Form bei der kein richtiger Schaum erzeugt werden konnte“, berichtet Reiner Schulze-Tenberge. Und weiter: „Ich kenn noch weitere Sammler aus Wulfen, die sich sehr für die Geschichte der Rose Brauerei Interessieren. Wir tauschen uns regelmäßig aus und freuen uns beispielsweise auch über schöne alte Fotoaufnahmen, auf der die Entwicklung des Geländes der Brauerei und deren Gebäude an der Hervester Straße zu sehen sind. Zu meiner Sammlung gehören auch zahlreiche Bierdeckel, Flaschenetiketten und Werbesprüche der Marke Rose. Natürlich sind wir nach wie vor an weiteren Stück zur Ergänzung unserer Sammlung interessiert. Oftmals gehen solche Sache aber für immer verloren, wenn alte Keller oder Schuppen ausgemistet werden. Dies finden wir viel zu Schade. Da steckt so viel Tradition und Wulfener Geschichte drin, die wie wir für die Nachwelt erhalten wollen“, spricht der Wulfener Reiner Schulze-Tenberge.

Geschichte der Rose Brauerei

Aus diesem Grund hat er sich eine Mail Adresse eingerichtet, wo sich Personen melden können, die etwas in Bezug auf die Rose Brauerei abzugeben haben. Sie lautet: rose-pils@t-online.de Bier brauen hatte in Wulfen und Umgebung schon immer Tradition. Unter anderem hat der Wulfener Heimatverein eine eigene Braugruppe und ein großes Archiv mit vielen Erinnerungsstücken.
Bereits im Jahre 1879 eröffnete der Wulfener Brauer Arnold Lohkamp eine Landbrauerei an der auch der Deutener Heinrich Tüshaus beteiligt war, die dann in eine Aktiengesellschaft überging, an der Essener Wilhelm Rose bereits als Hauptaktionär Anteile besaß. Am 20. Juni 1903 gründete Wilhelm Rose, der unter anderem schon die „Stoppenberger Brotfabrik Wilhelm Rose“ betrieb, schließlich mit einem weiteren Geschäftspartner die offene Handelsgesellschaft „Bürgerliche Brauhaus Rose & Comp., Wulfen“. Im Jahre1909 schied der Partner aus dem Unternehmen aus und 1911 trat sein Sohn Emil Rose in die Dienste der Firma. Die Brauerei überstand die beiden Weltkriege und setzte die Geschäfte schließlich sehr erfolgreich fort. Der Rose-Pils Schriftzug an Gebäuden und auch Brücken gehörten bald in der gesamten Umgebung zum alltäglichen Bild. Der 1934 im Zuge der Neugestaltung des Brauereigebäudes errichtete Brauereiturm, mit dem aus allen Richtungen sichtbaren „ROSE PILS“ Schriftzug wurde schnell und dauerhaft zum Wahrzeichen der Wulfener Ortsmitte. Die Brauerei war seinerzeit ein bedeutendes Unternehmen, das nicht nur nahezu sämtliche Wirte der Herrlichkeit und Schützenfeste mit fast ausschließlich Rose-Bier versorgte, sondern eine große Kundschaft von Aachen bis hinauf ins Emsland belieferte.

Am 01. Januar 1947 übernahm Kaufmann Ludwig Heermann, der Schwiegersohn Emil Roses, als Prokurist und später als Geschäftsführer sowie ab 1. Mai 1950 in dritter Generation Arnulf Rose, Braumeister und später Geschäftsführer das Unternehmen. Bis 1950 – und dann wieder ab 1980 – war die „Westfälische Versandbrauerei“ oder „Privatbrauerei“ Rose die einzige Brauerei im Landkreis Recklinghausen.

Brauerei war seinerzeit ein bedeutendes Unternehmen

Am 24. März 1954 verstarb Emil Rose während eines Erholungsaufenthaltes in Bad Reichenhall. Der am 9. Mai 1890 in Stoppenberg geborene Brauereiunternehmer war jahrzehntelang aktiv in den heimatverbundenen Vereinen seiner Wahlheimat Wulfen tätig. So gehörte er zu den Gründern des Trommlerkorps Wulfen, war Ehrenmitglied des MGV Liederkranz Wulfen sowie
1922 und 1936 Schützenkönig des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Wulfen, dessen Vorsitz er lange Zeit führte. Er war mehrere Jahre Bürgermeister und zuletzt Angehöriger der Amtsvertretung des Amtes Hervest-Dorsten. Nach dem Tode von Emil Rose wurde der Betrieb als „Brauerei Rose-Bräu KG“ mit Arnulf Rose und seiner Schwester Waltraud Heermann als Gesellschafter weitergeführt. Das mittelständische Wulfener Brauereiunternehmen war in dem folgenden Jahr immer mehr der massiven Konkurrenz der Großbrauereien ausgesetzt. Schließlich ging die Rose Brauerei am 1. Oktober 1987 in den Besitz des Getränkegroßhändlers Dr. Hans Droll aus Essen über. Die Brauerei, die Ende 1987 noch achtzehn Mitarbeiter beschäftigte und jährlich rund 8 000 Hektoliter eigenes Bier auslieferte, wurde zunächst weiter unter dem Namen „Rose-Brauerei“ geführt. Völlig überraschend wurde dann im September 1991 die Schließung der Rose Brauerei angekündigt. Als Grund wurden Probleme mit der Bierqualität angegeben, die sich aus dem Zustand der alten, stark angerosteten Lagertanks ergeben hätten, deren Austausch zu teuer wäre. Nach fast 113-jähriger Bierproduktion wurde diese dann am 16. September 1991 in Wulfen eingestellt. In einer von Droll einige Monate zuvor in Mülheim gekauften zweiten Brauerei wurde Rose-Pils zunächst weiter gebraut. Die Wulfener Brauerei war danach nur noch Getränke-Umschlagplatz. Die letzten hier noch beschäftigten Mitarbeiter mussten 1996 nach Essen wechseln.
Infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde am 24. Juli 1998 gegen den Besitzer der stillgelegten Wulfener Brauerei, die Getränkegroßhandlung Theo Droll, das Konkursverfahren eröffnet.
Auf dem danach brach liegenden Gelände hinterließ die Zeit unübersehbar ihre Verfallsspuren. Im November 2002 entschied sich die Stadtverwaltung für die Pläne des Dorstener Architekten Thomas Boos und den Wulfener Bauunternehmer Heinz Diekert, der als Investor mehrere Millionen Euro in das Projekt „Neue Mitte Wulfen“ investierte. Dem neuen Wulfener Zentrum blieben der markante Turm der Rose-Brauerei und einige historische Gebäude Teile erhalten. Hier befindet sich auch ein Brauereigasthof. Neu hinzu kamen unter anderem Lebensmittelmärkte, einige Geschäfte und Büroräume. (Text und Fotos: Guido Bludau)

Autor:

Michael Menzebach aus Haltern

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