Eine Klasse für sich - Unser Land in den 60ern
WDR besucht Georg Simon aus Dorsten

Der Dorstener hat den Opel Kadett A von seinem Opa geerbt und wieder fit gemacht.
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  • Der Dorstener hat den Opel Kadett A von seinem Opa geerbt und wieder fit gemacht.
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Dorsten. 1962 rollten in Bochum die ersten Opel Kadett A vom Band. Ein Kleinwagen für die ganze Familie, der dem VW-Käfer Konkurrenz machen sollte. Genauso einen Wagen besitzt Georg Simon aus Dorsten noch heute. Der Dorstener hat das Auto von seinem Opa geerbt und wieder fit gemacht. Noch immer braust er damit über die Landstraßen, manchmal sogar bis nach Italien. Stolze 300.000 Kilometer kleine Flitzer auf dem Buckel.Zu sehen am Freitag (20.11.) in der Sendung „Unser Leben in den 60ern“ um 20.15 Uhr im WDR. 

Bezahlter Urlaub - das war neu! Zu Beginn des Jahres 1963 trat das „Bundesurlaubsgesetz“ in Kraft. Auf einmal durften Arbeitnehmer 24 Tage im Jahr verreisen – bei voller Lohnfortzahlung. Die Menschen in NRW packte das Fernweh und sie reisten nach „Bella Italia“. Schnell bekam der Küstenort Rimini den Spitznamen „Teutonengrill“, denn hier sonnten sich vor allem Deutsche. Wer sich nicht über den Brenner traute, der machte Urlaub in NRW. Beliebtes Ziel: Der Teutoburger Wald mit seinem sagenumwobenen Hermannsdenkmal. Ganz in der Nähe wuchs Wilfried Mellies auf und erlebte mit, wie seine Heimat zur Touristenhochburg wurde. Seine Eltern vermieteten Gästezimmer und der damalige Teenager aus dem kleinen Örtchen Hiddesen zählte mit seinen Freunden Autos, die vor „dem Hermann“ einen Parkplatz suchten.

Zeche Dannenbaum

Hergestellt wurden viele dieser Autos in Bochum: General Motors eröffnete 1962 auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Dannenbaum ein neues Opel-Werk. Hier bauten rund 11.000 Arbeiter einen ganz neuen Autotyp: den Opel Kadett A. Ein Kleinwagen für die ganze Familie, der dem VW-Käfer Konkurrenz machen sollte. Genauso einen Wagen besitzt Georg Simon aus Dorsten noch heute. Der Münsterländer hat das Auto von seinem Opa geerbt und wieder fit gemacht. Noch immer braust er damit über die Landstraßen, manchmal sogar bis nach Italien. Mit dem Auto fuhren die Nordrhein-Westfalen in den 60ern nicht nur in den Urlaub, sondern vor allem zum Einkaufen – zum Beispiel in den neueröffneten Ruhrpark nach Bochum. Die Parkplatzsuche in der Innenstadt war eine Tortur, doch das neue Einkaufszentrum bot sie kostenfrei für 2500 Kleinwagen. Dazu stolze vierzig Geschäfte, da lohnte sich der Wocheneinkauf. Ihr eigenes Geld ausgeben durften in den 60ern schließlich auch die Frauen. Seit 1962 konnten sie ein eigenes Konto eröffnen. Geld gaben sie natürlich auch für Mode aus: Der Bikini erlebte Anfang der 60er ein Revival und auch der Minirock stand bei modebewussten Damen hoch im Kurs. Freizügigkeit bei den Outfits – aber noch immer Engstirnigkeit bei der Rollenverteilung: Der Mann verdiente das Geld, die Frauen blieben zuhause und kümmerten sich um Haushalt und Kinder. Mit über 1,3 Millionen Babys erreichten die Geburtenzahlen 1964 ihren Höhepunkt. Einen feministischen Lichtblick gab es in der Politik: Else Zimmermann aus Bielefeld wurde die erste Landrätin der BRD.

Außenminister Franz-Josef Strauß

Aber in der Landespolitik hatten nach wie vor Männer das Sagen: Bundeskanzler Konrad Adenauer empfing internationale Staatschefs wie den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und den jungen US-Präsidenten John F. Kennedy. Beim Besuch Kennedys stand NRW Kopf: Zehntausende hielten Spalier am Wegesrand und feierten den jungen Hoffnungsträger aus Amerika. Deutschland war ein wichtiger Bündnispartner. Es war die Zeit des Kalten Krieges und die Bundesrepublik NATO-Mitglied. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, kaufte Außenminister Franz-Josef Strauß beim US Rüstungskonzern Lockheed den „Starfighter“. Einen Abfangjäger, der bei der Verteidigung der Bundesrepublik gegen die Feinde aus Russland helfen sollte. Die ersten Starfighter wurden im Fliegerhorst Nörvenich im Kreis Düren bei Köln stationiert. Ganz in der Nähe – im kleinen Dorf Oberbolheim – lebte auch damals schon Gertrud Kremer. Täglich musste sie den ohrenbetäubenden Lärm ertragen und kämpfte gemeinsam mit den anderen Einwohnern für die Umsiedlung ihres Dorfes. Als 1962 ein Starfighter bei einem Absturz in eine Fabrik in Oberbolheim raste, stimmte der Bund endlich der Umsiedlung zu. Doch bald bekamen die Starfighter Spitznahmen wie „Witwenmacher“, „Sargfighter“ oder „Starfaller“. Verteidigungsminister Franz Josef Strauß geriet für seine Rüstungspolitik immer mehr in die Kritik. Letztlich gipfelte diese in der „Spiegel-Affäre“ und Strauß musste zurücktreten. Auch Bundeskanzler Adenauer verließ das politische Parkett, sein Nachfolger wurde Ludwig Erhard, der Vater des „Wirtschaftswunders“. Schon vor Amtsantritt ließ der sich im Garten des Palais Schaumburg ein neues Zuhause bauen: den Kanzlerbungalow.
Fußball war schon in den 60ern ein Zuschauermagnet, allerdings noch aufgeteilt auf fünf Oberliegen. Erst 1963 wurde die gemeinsame Bundesliga eingeführt. Die spätere FC-Legende Karl-Heinz Thielen wurde vom erfolgreichen Kölner Verein als Spieler entdeckt. Damals war der 1. FC Köln der reichste und professionellste Verein in ganz Deutschland – mit den meisten Sponsoren, Geld und Know-how. In der ersten Saison waren die Kölner haushoher Favorit und holten am Ende die Deutsche Meisterschaft. Auch Dank „Kalli“ Thielen, der in der ersten Bundesliga-Saison 16 Tore schoss. (Quelle: WDR)

Hintergrund: 
Eine Klasse für sich
Unser Land in den 60ern
Neue vierteilige Reihe im WDR
Ein Film von Kathrin Schwiering
Erzählt von Sabine Postel, D 2020, 45 Minuten

Autor:

Michael Menzebach aus Haltern

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