Oktoberfeste - super oder Tinnef?

Joachim "Jo" (Gernoth) und Olaf (Hellenkamp) arbeiten für den STADTSPIEGEL Dorsten. So wöchentlich wie möglich verfassen sie das "Nicht ganz ernst gemeinte Streitgespräch". Diese Rubrik befasst sich mit den unterschiedlichsten Themen, die mit einem deutlichen Augenzwinkern aus den zwei Blickwinkeln "Alles super!" und "Alles Tinnef" betrachtet werden.

Heute geht´s um "Oktoberfeste"

Jo Gernoth sagt: Tinnef!

Masslos glücklicher

Ja, ich weiß, ich bin wieder der Miesmacher der Nation. Aber: Mich nerven diese Oktoberfeste, die jetzt an jeder Ecke und jeder Kante gefeiert werden. Ein paar weiß-blaue Girlanden, Seppelhut und Getröte: Fertig ist das große Fest. Original und fälschungssicher, versteht sich. Mal ganz im Ernst: Wer will mit dieser Massensauferei in München wirklich etwas zu tun haben. Ich vergesse nicht die Arroganz eines Edmund Stoibers, der Bayern aus der Förderation der Bundesrepublik ausscheren lassen wollte, wenn die Hartz-Gesetze scheitern sollten.
Prost! Über Herrn Hoeneß und seine freundlichen Absonderungen jenseits des Weißwurstäquators will ich nicht reden.
Kommen wir zum wichtigsten Teil eines Festes: Das Bier. Wer jetzt auch noch behauptet, dass dieser bayerische Labbersaft schmeckt, der sollte tatsächlich nach Altötting pilgern und sich dort mit bayerischen Fundamentalisten Treffen. Nein, ich sage nichts zum Pabstbesuch, das hat ja nichts mit den Oktoberfesten zu tun. Dirndl? Meine Frau muss nicht aussehen wie eine Bäuerin und als ich acht Jahre alt war, hat weder ein Fernsehverbot für Bonanza und Flipper, noch die Streichung meiner Lieblingsspeise dazu führen können, dass ich meine Lederhose anzog. Warum auch? König Ludwig ist mir wurscht, Bayern ist für mich ein Transitland auf dem Weg nach Italien und Oktoberfeste in Dorsten sind so authentisch wie ein Leberkäse Hawaii. Feiert schön, habt eueren Spaß, aber: Es geht auch ohne Appenzeller Saupatzis und andere lästige Musikanten. Übrigens möchten Sie wissen, was mein Lieblingsessen war, um das ich gebracht wurde, als meine Lederhose verweigerte? Weißwürstchen. Nein, keine Bayerischen. Schlesische von Muttern gemacht.

Olaf Hellenkamp sagt: Super!

Eine Lektion in bayerisch

Ich will nicht, dass wir uns zkriagn [zgriàng], aber Du bist ja verruckt [fàruggd]! Wieso nerven Dich Oktoberfeste? Dass es sich lohnt, den Oktober zu feiern, beweist allein schon das Wetter. Alles, was uns der Sommer versaubeidlt [fàsaubaidlt] hat, bringt uns dieser goldene Monat doppelt zurück. Und das sogar schon im September. Allein deswegen verdient es der Oktober, mit zweiwöchiger Vorlaufzeit im Kalender als Volksfest weiß-blau markiert zu werden. Man muss ja nicht sofort als Zillertaler Zitteraal oder Kastelruter Kannenschupser durchs Festzelt rauschen. Obwohl - in knackiger Lederhose mit einer Mass in der Rechten und einer Brezn in der Linken an der Theke einen jodeln kann schon witzig sein. Nenn mich Macho, aber wenn dazu noch die schöne Aussicht aufs bzw. ins Dirndl lockt, erreicht so ein Fest schnell das Prädikat „Party des Jahres“. Ein Paradies (nicht nur) für Herren. Mit der passenden Musi [Mu:si] ein Ausdruck besonderer Lebensfreude. Das passt scho [bàssdscho]. Danke, liebe Bayern.
So, bis hier hin bin ich ja noch nett geblieben. Wenn Du aber im Vollbesitz Deiner geistigen Kräfte das Ergebnis jahrhunderter alter bayerisches Braukunst als Labbersaft bezeichnest, finde ich das ganz schön maulert [maulàd] und ich muss ernsthaft darüber nachdenken, unsere Freundschaft zu kündigen! Die besten Biere kommen ganz bestimmt nicht aus dem Sauerland! Oder aus Sachsen. Oder sonstwo her. Nein. Der Süden Deutschlands ist das El Dorado der Gerstensäfte. Darauf kannst Du einen zinzeln [zinsän]. Aber was soll‘s!? Ich sage trotzdem: Pfiat di Gott [bfiàdde Go:d], lieber Jo. Wir sehen uns am Freitag. Wenn ich bis dahin nicht mehr stocknarrisch [schdo:gnàrisch] bin, bringe ich Dir auch eine leckere Brezn von Imping mit.

Autor:

Lokalkompass Dorsten aus Dorsten

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