Bergbau und Sport in Dorsten: Die Leopoldkonferenz

Ein Chef mit klaren Prinzipien und großem Herz: Nikolaus Ludes war der Chef, Otto Thybussek (rechts) der Bettelstudent in Sachen Fliegerei  und Erich Spengler (Mitte) ein Freund. Der Bergbau hat die Fliegerei in Dorsten nachhaltig angeschoben,
  • Ein Chef mit klaren Prinzipien und großem Herz: Nikolaus Ludes war der Chef, Otto Thybussek (rechts) der Bettelstudent in Sachen Fliegerei und Erich Spengler (Mitte) ein Freund. Der Bergbau hat die Fliegerei in Dorsten nachhaltig angeschoben,
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Der Bergwerksdirektor Nikolaus Ludes half den Segelfliegern wieder in die Luft. Zunächst allerdings eher unfreiwillig.Und dann legten die "Himmelhunde" so richtig los. Nicht ohne viel Dankbarkeit für ihren großzügigen Chef auf dem Pütt.
Für die meisten Sportvereine fing mit der Gründung der Bundesrepublik auch wieder der Sportalltag an. Bei den Segelfliegern lag der Fall etwas anders. Der Kontrollrat der Siegermächte traute den Segelfliegern nicht über den Weg und verbot jede fliegerische Aktivität. Das hieß nicht, dass sich die Dorstener Flieger nicht heimlich in Kneipen trafen, um bei einem Bier schon mal vorab im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft zu gehen. Einer, der diesen lockeren Stammtisch hinter den Kulissen der Zeitgeschichte zu einem Verein formte, war der aus Hervest-Dorsten stammende Vollblut-Flieger Otto Thybussek.

Er hatte mit Werner Thiele, Karl Kaufer, Fritz Mediger und anderen Fliegern vor dem Krieg in Borkenberge das Segelfliegen gelernt. Bei einem Absturz hatte er in den letzten Tagen des Krieges zwar ein Bein, aber nicht die Leidenschaft für das Fliegen verloren. Seine Freunde ebenfalls nicht und als 1951 die Fliegerei wieder erlaubt wurde, war die Gründung des LSV Dorsten nur noch ein formeller Akt. Der Verein war startklar. Otto Thybussek, Erwin Brinkmann, Jupp Jurasik, Gerd Stahr, Rudi Seidemann, Bernhard Gellenbeck und der bis heute fliegerisch aktive Robert Dudda überlegten rasch, dass ein neues Flugzeug gebaut werden konnte. Dazu brauchte man eine Werkstatt und Material. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Die letzt genannte Vokabel möchte der geneigte Leser bitte durch das schöne Wort "organisieren" ersetzen. Nikolaus Ludes war zu dieser Zeit Chef der Zeche Fürst Leopold. Thybussek und die Mehrheit der noch erdverbundenen Flieger arbeiteten auf dem Pütt. Und dort gab es alles, aber auch wirklich alles, was man brauchte, um ein Flugzeug zu bauen. Von A wie Arbeitsplatte bis Z wie Zentrierstift: Leopold war so etwas ähnliches wie ein Baumarkt. Allerdings stand am Pförtnerhaus keine Registrierkasse, sondern dort saß ein der Sache sehr gewogener Pförtner. Später wurde er angeblich Ehrenmitglied.

Der Herr Direktor hatte seine Sympathie und Verbundenheit zum Thema Fliegen bereits dadurch unter Beweis gestellt, dass er den Fliegern den ehemaligen Schweinestall im Bereich der Wohnanlage von Maria Lindenhof zur Verfügung gestellt hatte. Siegfried und Roy hätten wohl für immer den Zauberstab aus der Hand gelegt, wenn sie mit erlebt hätten, wie quasi über Nacht aus dem Stall eine der effektivsten Bauhallen nebst "Besprechungszimmer" entstand.

Natürlich war dem Direktor Ludes nicht entgangen, dass sich ein gewisser Umverteilungsprozess in seinen Magazinen eingestellt hatte und das die Keimzelle dieses "himmlischen Sozialismus" das technische Büro seines Bergwerkes war. Dort saß Thybussek an den Fettnäpfen des Materialflusses und im Kraftwerk war Fritz Mediger der Herr der Schlüssel und Schrauben. Gut für den Luftsportverein und für den Pütt wohl eher so etwas wie ein retardierendes Moment. Kurzum: Der Herr Bergwerksdirektor Ludes lud zu einer Besprechung.

Zuerst gab es einen Weinbrand und dann eine Zigarre. Allerdings keine, die man rauchen konnte. Mit deutlichen Worten wandelte diese "Geberkonferenz" den Materialschwund der Zeche in Art Vorläufer des Sponsorings. Nikolaus Ludes war klar, dass der Segelflug und das Vereinsleben für seine Mitarbeiter eine wichtige Sache sein konnte. Beim Fliegen wie beim Bergbau waren und sind verantwortungsvoller Umgang mit Technik überlebenswichtig. So förderte Ludes offiziell den Verein, war bei der Beschaffung des Platzgeländes und der Anpachtung behilflich.

Abschiedsgeschenk dieser wilden Ära des Aufbaus der Fliegerei in Dorsten war die heutige Flugleitung auf dem Dorstener Platz, die bis heute ihren Dienst verrichtet. Sie war die Bauaufsichtsbaracke beim Wiederaufbau des Pütts gewesen. Albert Stewing und heute Jürgen Salamon haben den Verein wachsen lassen und zur Visitenkarte Dorstens gestaltet.

Auf den Weg gebracht haben die Flug-Verrückten der Jahre des Wiederaufbaus dieses himmlische Vergnügen. Nikolaus Ludes war einer von diesen Himmelhunden. Wenn auch ein sehr bodenständiger.

Autor:

Jo Gernoth aus Dorsten

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