Flugtage in Dorsten: Ein Blick zurück

Spaß, der heute so nicht mehr machbar wäre: Abschleppdienst der anderen Art mit krassem Ende.
  • Spaß, der heute so nicht mehr machbar wäre: Abschleppdienst der anderen Art mit krassem Ende.
  • hochgeladen von Jo Gernoth

Die Flugtage im Wandel der Zeit: Die Flugtage in Dorsten haben ihr eigenes Profil entwickelt, obgleich ein Rückblick auf nostalgische Highlights nicht nur Flieger schmunzeln lässt.

Ein US-Militärhubschrauber dröhnt über den kleinen Dorstener Flugplatz. Unter ihm kreiselt an einem Seil ein Lieferwagen. Der Flugtagsprecher ruft verzweifelt das Kennzeichen des alten Opel Blitz in die Runde der rund 8000 Zuschauer. Niemand meldet sich, also muss es sein: Der „Chinook” steigt auf 200 Meter Höhe, schwebt in Richtung Acker neben dem Flugplatz und klinkt den kleinen LKW aus.

Abschleppdienst der anderen Art und Scherze, die sich die Flieger seinerzeit noch mit ihrem Publikum und gnädigen Behörden leisten konnten. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Und irgendwie ist das auch gut so. Der Flugtag in Dorsten hat sein eigenes Profil entwickelt, obgleich ein Rückblick auf nostalgische Highlights nicht nur Flieger schmunzeln lässt. Da war 1986 der britische Tornado-Pilot, der im Funk seinen Kumpel Arno Rehmann erkannte. Rehmann, Dorstener Flieger und damals Phantom-Pilot, hatte mit ihm mal ein Manöver geflogen. Der Brite „schenkte” seinem Kumpel eine Vorführung, die wohl die Welt zuvor noch nicht gesehen hatte.

Donnernd wurde die Schallmauer mehrfach durchbrochen und irgendwann empörten sich per Telefon die Bürger. „Zu Recht. Aber damals hatte man halt andere Vorstellungen und konnte sich vielleicht auch so etwas wie Rammstein nicht vorstellen”, erklärt Heinz Kleine-Vossbeck, der damals auch schon für die Genehmigungen und die Organisation zuständig war.

1986 war überhaupt der denkwürdigste Flugtag: Eine riesige Transall landete auf dem kleinen Platz und britische Senkrechtstarter gesellten sich dazu. Schnee von gestern, denn bereits vor Rammstein stellten die Dorstener Flieger den Flugtagschalter auf sanft. Hans-Hermann Günther, Flug-Enthusiast und wohl einer der intimsten Kenner der Oldtimer-Szene der Flieger in ganz Deutschland, unterbreitete dem Vorstand ein Flugtagkonzept, das heute bundesweit kopiert wird: Oldies und skurrile Fluggeräte geben sich ein Stelldichein mit Segelflugzeugen und harmlosen Vorführungen der alten Maschinen.

Kunstflug ja, aber keine waghalsigen Manöver im Stile Hollywoods. Dabei kann es auch durchaus lustig zu gehen: Unvergessen ist Jörg Voderberg, der mit einer kleinen Piper den eigenwilligen Professor spielte, der beim Start das Flughandbuch verloren hat. Haarsträubend, was der Berufspilot mit zigtausend Flugstunden mit dem Flieger alles anstellte.

Majestätisch ist die Vorführung des Geschäftsjets, die der Chef der Dorstener Flieger, Jürgen Salamon, eigenhändig bietet. Auch am Boden hat sich im Wandel der Zeit etwas getan: Die Besucher werden per Multi-Media über den Flugsport und über den Verein informiert und neben den luftigen Attraktionen sind Oldies der Landstraße am Start. Die Flieger haben erkannt, dass es zwischen den Sammlern von alten Flugzeugen und Automobilen eine Schnittmenge gibt, die sich gerne in Dorsten trifft.

Der Flugtag in Dorsten ist zum anfassen. Nirgendwo kann man so dicht am Geschehen fotografieren. Ein Grund dafür, dass sich Luftfahrtjournalisten aus ganz Europa akkreditieren. Aber gerade jetzt in diesen Tagen steht wieder ein Wandel bevor: Die alten Adler treten langsam ab, die Szene kommerzialisiert sich. Eine Entwicklung, die in Dorsten aufmerksam beobachtet wird, um rechtzeitig eine neue Nische der flugsportlichen Unterhaltung anzusteuern.

Die Dorstener werden sie finden und es wird auch in Zukunft Flugtage geben. Vielleicht etwas andere, als das jetzt der Fall ist.

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