Planung Phoenix-See
Mut zur Lücke

Ein Bild des überplanten Geländes - wo heute der See ist, gab es vorher nur den Blick auf eine Mauer und große Werkshallen.
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  • Ein Bild des überplanten Geländes - wo heute der See ist, gab es vorher nur den Blick auf eine Mauer und große Werkshallen.
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„Ich habe meine Arbeit oft mit nach Hause genommen.“ Fast sein halbes Berufsleben, bis zu seiner Pensionierung, hat der Stadtplaner Olaf Greve mit einem Projekt verbracht: „Der Phoenix-See war mein Baby. So ein riesiges Projekt bekommt man einmal im Leben, oder gar nicht.“ Von den ersten Plänen und Ideen an war Greve mit dabei, 14 Jahre lang.

Schon 1998 gab es einen ersten Planentwurf zu einem möglichen See. Die Idee für ein Gewässer stammte von Greves Kollegen Norbert Kelzenberg, und sie hatte mehrere Gründe. Hörde wurde nicht nur von den beiden Industriegebieten, damals noch Phoenix-West und Phoenix-Ost, in die Zange genommen, der Stadtteil wurde zusätzlich noch durch die Linien der Eisenbahn und der Werksbahn zerschnitten. „Mehr als 10.000 Leute haben auf den beiden Werken gearbeitet, und die Wohngebiete in der Nähe der Werke waren extrem umweltbelastet. Es musste also dringend etwas in Richtung Stadterneuerung getan werden.“

Erste kleinere Projekte befassten sich mit der Umgestaltung des Hörder Bahnhofs, der Stadtteilbibliothek und dem Umbau der Faßstraße. Die Internationale Bau Ausstellung IBA im Ruhrgebiet war gerade zu Ende gegangen, nach zehn Jahren Dauer hatte sie so gut wie alle verfügbaren Industrieflächen neuen Nutzungen zugeführt. „Das Gleiche nochmal zu machen war kein Modell für die Umnutzung von Phoenix.“

Ein weiterer Grund für einen See war die Notwendigkeit für ein Wasserrückhaltebecken in Hörde. „Im Zuge der Emscher-Renaturierung hätte man auch einfach ein Regenrückhaltebecken als technisches Bauwerk machen können“, das wäre aber nicht so attraktiv geworden - so ist der See nicht nur Wohn- und Arbeitsumgebung, Erholungs- und Freizeitgelände sondern auch eine Reservefläche zur Wasserhaltung.

Die Überlegungen, aus der Stahlwerksfläche einen See zu machen, blieben zunächst intern und wurden mit dem damaligen OB Gerhard Langemeyer diskutiert. Dem gefiel die Idee eines Gewässers, und so gab es nach der Stilllegung des Stahlwerks 1999/2000 einen ersten Ideenwettbewerb. Damals befand sich Dortmund im Umbruch, das neue, schnelle Dortmund wurde postuliert, IT-Arbeitsplätze sollten geschaffen werden, aber wie – und wo? Relativ schnell wurde klar, dass die riesigen Freiflächen in der Stadt, die zeitgleich auch durch den Abzug der Rheinarmee entstanden waren, thematisch aufgeteilt werden sollten.

So sollte auf der Stadtkrone Ost vorrangig E-Commerce angesiedelt werden, Hohenbuschei wurde für Wohnbebauung vorgesehen, ebenso wie Uferteile des Phoenix-Sees. Arbeitsplätze waren hier weniger geplant. Phoenix-West sollte Heimat für Mikro- und Nano-Technologien werden. „Manches war ursprünglich ganz anders geplant“, erinnert sich Greve. Das Hafenquartier mit gewerblicher Nutzung sollte zum Beispiel eigentlich durch Ziel-II-Gelder entwickelt werden.

Die Förderung brachte aber zu hohe Auflagen für Arbeitsplätze und die Ansiedlung von Firmen mit sich – also wurden die Fördergelder wieder zurückgegeben. „Statt dessen wurde dort Wohnraum entwickelt – und der ist weggegangen wie geschnitten Brot.“ Zudem die Grundstücke am See anfangs verhältnismäßig günstig zu haben waren: Rund 300 Euro pro Quadratmeter wurden aufgerufen – nicht teurer als an anderen Stellen in der Stadt, meint Greve.

Das Projekt Phoenix-See hat Greve seine ganze Berufserfahrung abverlangt: „Man musste viele Abhängigkeiten bedenken, vieles bedingte sich gegenseitig. Alles musste neu geplant werden, die komplette Infrastruktur, vom Groben ins Feine.“ Und vieles war Neuland. So sind die Bestimmungen für stehende und für fließende Gewässer sehr unterschiedlich, und die Emscher, die nach ersten Plänen durch den See hätte fließen sollen, hätte die Planung viel aufwändiger gemacht. Dann musste überlegt werden: Wo soll das Wasser für den See herkommen? Das Umweltamt wurde hinzugezogen, der Grundwasserstand ermittelt.

Die Emschergenossenschaft, die immer beteiligt war, forderte geschützte Uferbereiche – die wirtschaftliche Rechnung brauchte aber möglichst viel bebaute Fläche. Und damit alle Seeblick haben, auch die Bewohner der dritten und vierten Reihe, mussten strenge Gestaltungsvorgaben gemacht werden: „Für den Seeblick war es am besten, die Häuser versetzt zu bauen, mit Lücken als Sichtachsen dazwischen. Hohe und steile Dächer hätten gestört, ebenso wie große Bäume und Garagen. Die Gestaltungsrichtlinien legen deshalb Baugrößen und -formen fest.

Heute ist der See für Greve ein abgeschlossenes Projekt, vor Ort ist er nur noch selten. Stolz ist er auf sein Baby aber doch: „Innerhalb von rund zehn Jahren das alles zu planen, mit allem Schnickschnack, das war schon was. Niemand weiß genau, wie viele Leute daran gearbeitet haben.“

Und wer weiß, in der Perspektive wäre Hörde ohne den See vielleicht zu einem Problem-Stadtteil geworden, überlegt Greve. Doch er sieht auch die Fehler, die gemacht wurden: „ Es gibt zu wenig genossenschaftliches Wohnen oder Sozialwohnungen und Geschosswohnungsbau. Und über die soziale Komponente des Projekts ist zu wenig nachgedacht worden.“

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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