Vorwurf: Der Gesundheitsschutz der Dortmunder Schüler werde völlig außer Acht gelassen
StadtEltern gegen volle Klassen

 Noch lernen Kinder und Jugendliche daheim.

 „Auch wenn wir auf Förder- und Unterstützungsangebote für alle Schüler aller Jahrgangsstufen mit besonderen Bedarfen wie Betreuung, Sonderpädagogische Förderung, Sprachbarrieren, Behinderungen oder fehlendem häuslichen Arbeitsplatz gedrängt haben, so haben wir dafür zwingend die Einhaltung der RKI-AHA+L-Regelungen eingefordert und von einer Priorisierung der Abschlussklassen abgeraten“, sagt Anke Staar, Vorsitzende der StadtEltern und Vorsitzende der Landeselternkonferenz NRW (LEK NRW).

Präsenzunterricht in voller Klassenstärke, ohne Wahrung der Abstandsregelungen lehnt die Eltern-Vertreterin in allen Jahrgangsstufen ab. Bei der derzeitig weiterhin schwierigen pandemischen Lage und dem Auftreten neuer Virusmutationen lag während der Verbändebeteiligung des Schulministeriums die Frage im Raum, in welchem Ausmaß ein Präsenzanteil in allen Stufen wieder möglich und nötig wäre. Die mehrheitliche Rückmeldung der Rektoren-, Lehrer- und Elternverbände war, dass ein zeitgleicher Distanz- und Präsenzunterricht viele Schüler benachteiligen würde, die dringlich mehr Unterstützung und Förderangebote benötigen.

Anpassung der Prüfungsordnung

„Daher haben wir eine bevorzugte Öffnung der Schulen für Abschlussjahrgänge in voller Klassenstärke abgelehnt und stattdessen eine Anpassung der Prüfungsordnung eingefordert, weil wegen jetzt schon fehlender Vergleichbarkeit zentrale Prüfungen unfair wären“, erklärt Anke Staar.
Auch eine Bevorzugung der Abschlussjahrgänge beim Präsenzunterricht könne keine Chancengleichheit mehr herstellen, sei aber eine erhebliche Benachteiligung der Schüler in der SEK I. Nur eine zeitnahe Anpassung der Prüfungsordnung könne den Schülern Sicherheit geben und die Schulen entlasten. Jetzt sei die Möglichkeit der freiwilligen anrechnungslosen Wiederholung des Schuljahrs einerseits und die bedingungslose Anerkennung der Abschlüsse andererseits von Nöten, weil unter diesen massiv unterschiedlichen Bedingungen von einer Minderleistung keine Rede sein könne.

Klare Regelungen fehlen

Auch wenn der Entscheidungsspielraum der Schulen endlich erweitert wurde und die Option für Wechsel- und Schichtmodelle ermöglicht wird, bleibe vieles weiterhin ungenau, wie die Betreuung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf über die Klasse 6 hinaus. Außerdem fehle eine klare Regelung, angelehnt an die RKI Vorgaben, wie groß die festen Lerngruppen maximal sein dürfen.

Gelder noch nicht angekommen

„Nach fast einem Jahr Pandemie ist es nicht gelungen, durch Aufbau von verstärkter Multiprofessionalität und Einstellung weiteren schulischen Personals, Lehrkräfte zu entlasten und zeitgleich weitere Bildungs- und Betreuungsangebote in Schulen zu ermöglichen“, kritisiert Dr. Jan N.
Klug, stellvertretender Vorsitzender der LEK NRW. Zusätzlich vom Ministerium bereitgestellte Gelder sind immer noch nicht in den Schulen angekommen, obwohl gerade jetzt dringend mehr Personal benötigt werde.

FFP2-Masken-Ausstattung nicht gesichert

Besonders bedauerlich ist für Anke Staar, dass das Schulministerium sich nur für den Gesundheitsschutz der Lehrer zuständig fühle, nicht aber für den der Schüler. "Wieder einmal werden wichtige Schutzmaßnahmen für Schüler, wie FFP2-Masken, nicht einmal vulnerablen Schülergruppen verbindlich zugesichert, kritisiert sie. Da Schüler bereits auf dem Schulweg im ÖPNV zum Tragen medizinischer Masken verpflichtet sind, müssten ihnen zumindest diese zur Verfügung gestellt werden, um Benachteiligungen zu vermeiden. Schutzmittel für Schüler dürften nicht von der finanziellen Situation der Familien abhängig bleiben. Auch bei kostenfreien Testangeboten dürfen Schüler nicht übergangen werden, zumal es auf absehbare Zeit noch keine Impfungen für unter 18-Jährige geben werde.

Keine Luftfiltergeräte

Auch auf die Diskussion über die Installation von Luftfiltergeräten habe sich das Ministerium nicht eingelassen, weil dies nicht in seiner Verantwortung liege. „Stattdessen harren Betreuungskräfte
sowie Schülerinnen und Schüler bei den derzeitigen Minustemperaturen mit Jacke, Mütze, Schal und Wolldecken ausgerüstet in viel zu kalten Klassenräumen aus und hoffen, nicht zu erkranken und aufgrund von Erkältungssymptomen in Quarantäne zu müssen. Gesundheitsschutz und Vorsorge für die Schüler und auch allen schulischen Personals sehen wahrlich anders aus“, sagt Anke Staar, die Vorsitzende der LEK NRW. Sie begrüßt, dass den Schulen bei der Einrichtung von Schicht- oder Wechselunterricht ein gewisser Gestaltungsspielraum gewährt wird, doch es fehle immer noch an Mitteln für personelle Unterstützung.

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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