Starkes Stück: Der Widersacher im Dortmunder Schauspielstudio
Vom Mensch zum Monster

Spannend und berührend: Warum hat sie es nicht bemerkt, dass alles nur eine Lügengeschichte war? Carolin Hanke in "Der Widersacher" im Dortmunder Schauspielstudio.
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  • Spannend und berührend: Warum hat sie es nicht bemerkt, dass alles nur eine Lügengeschichte war? Carolin Hanke in "Der Widersacher" im Dortmunder Schauspielstudio.
  • Foto: Birgit Hupfeld
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Es könnte eine angesagte Netflix-True Crime-Story sein, bei der sich der Zuschauer auf dem Sofa lümmelnd, am Ende fragt "Wie konnte er nur?" Doch wenn Regisseur Ed. Hauswirth oben im Studio des Dortmunder Theaters "Der Widersacher"  auf die Bühne bringt, ist es das Sezieren einer Eruption der Gewalt.  Hier im Schauspielhaus sind es sieben Schauspieler, die nach dem gleichnamigen Tatsachenroman des Franzosen Emmanuel Carrère dokumentarisch aufdröseln, wie es dazu kommen konnte, dass ein ganz normaler Typ von nebenan plötzlich seine ganze Familie auslöscht. 
Alles nur gespielt, auf der Studiobühne, aber auch im wahren Leben von Jean Claude Romand. In der Vorstadt führt der etwas langweilige Familienvater ein ganz normales Leben, bis er im Januar 1993 seine Frau, seine beiden Kinder, seine Eltern und den Hund erschießt. Carréres Spurensuche, die erkundet, wie ein Mensch zum Monster wird, wurde als Buch und wird auch im Dortmunder Theater gefeiert. 

Doppelleben endet im Drama

"Warum hat denn nur niemand etwas gemerkt", dass fragen sich im kleinen Studio die Nachbarn, Freunde, die Liebhaberin. Aus einer Notlüge wird ein großes Lügengespinst, welches am Ende ein zufälliger Anruf zum Einsturz bringt. Wie wichtig es ist, nach außen erfolgreich zu sein, ein starker Mann, das bringt Hauswirths Inszenierung in der Ruine eines Lebens zwischen verbrannten Requisiten klar auf den Punkt.
Die Freundin macht Schluss, der Medizinstudent verpasst eine Prüfung, ein schwacher, nachvollziehbarer Moment, der Basis für ein Leben wurde, was auf Lügen baut. Der Job bei der Weltgesundheitsorganisation, die vielen Dienstreisen, alles frei erfunden, Und wenn die Profi-Lügner und Maskenträger, die Schauspieler, ihrem Publikum den Mörder näherbringen, dann fühlt es mit dem Täter, der aus Feigheit, als er droht aufzufliegen, lieber seine Familie umbringt. Nächste Aufführung am Mittwoch, 18. März um 20 Uhr.

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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