Geschichte
Vom Puddelofen bis zur Thomasbirne

Willi Garth (l.) und Gunter Kleinhans vor dem Panaoramabild von Phoenix West
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Willi Garth ist wohl der Fachmann, wenn es um die Hörder Heimatgeschichte geht. Er hat nicht nur lange Jahre selbst bei Hoesch gearbeitet und in der sogenannten „Tull-Villa“ seinen Arbeitsplatz gehabt, er hat auch zu fast allen Themen in Hörde geforscht. Kein Wunder, dass er sich auch mit dem Gelände von Phoenix West auskennt.

„Der erste Hochofen dort wurde 1853 gebaut, am 25. Februar 1854 gab es den ersten Abstich“, erklärt er. „Vom Gelände her und der Anbindung zum Phoenix-Werk war Phoenix West gar nicht sinnvoll, es wäre besser gewesen, das neue Werk näher an das alte anzubinden, das ging aber wegen des alten Hörder Stadtkerns nicht“, erklärt Garth.

„Deshalb musste das Roheisen mit dem 'feurigen Elias' von Phoenix West nach Phoenix zur Weiterverarbeitung transportiert werden. „Zunächst war das eine große, offene Pfanne, die von einer Lok gezogen wurde, später Torpedopfannen, die sich drehten, damit das Roheisen glühend heiß blieb.„Das war nicht ganz ungefährlich, bei heißer und trockener Witterung hat es praktisch ständig irgendwo gebrannt.“ Die alte Elias-Trasse ist erhalten und dient in Zukunft als Verbindungsachse zwischen dem Phoenix-See und Phoenix West.

Gegründet hatte die Hermannshütte in Hörde Hermann Diedrich Piepenstock im Jahr 1841. Die Anfänge der Stahlerzeugung begannen mit den kleinen Puddelöfen: „Puddel ist vom englischen 'puddle' abgeleitet. Der Puddler musste mit einer Art Paddel immer im Ofen rühren, um das Eisen flüssig zu bekommen. Erhitzt wurde der Puddelofen mit Holzkohle. Die Puddler waren sehr erfahren und wurden gut bezahlt, denn sie konnten die gewünschte Konsistenz des flüssige, oder besser halbflüssigen Eisens am besten einschätzen“, erklärt Garth vor der Zeichnung eines Puddelofens, die der Hörder Heimatverein in seinem Museum in der Hörder Burg aufbewahrt.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts kam eine neue Technik ins Spiel, die das verhüttete Eisen veredelte. Zunächst mit dem Bessemer-Verfahren und später mit dem Thomas-Konverter, auch Thomasbirne genannt, wurde das flüssige Eisen von unerwünschten Schlackebestandteilen befreit. Der Thomasstahl war hochwertiger und vielseitig einsetzbar. Die Schlacke aus den Konvertern wurde für den Straßenbau verwendet, das sogenannte „Thomasmehl“ wurde in Säcke abgefüllt und war als Düngemittel beliebt.

Dort ist auch ein Bild des Geländes Phoenix West mit den Hochöfen und dem Hympendahl-Viadukt im Vordergrund zu sehen. „Die Brücke dürfte weit und breit wohl einmalig sein“, vermutet Garth. Sie hat keinerlei Anbindung an weitere Gleise und dient einzig und allein dazu, die Schlacke abzukippen.“ Der Künstler des monumentalen Gemäldes hat hier und da etwas übertrieben: Das Viadukt war immer nur eingleisig, obwohl es hier zweigleisig dargestellt ist.“ Auf der Brücke stehen einige Personen und winken einem Stahlarbeiter zu – der er winkt zurück: Idylle am Stahlwerk.

„Ich kann mich ganz dunkel erinnern, dass Leute über die Brücke gegangen sind, also ist der mittlere Brückenbogen wohl irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen worden. Nach der Stilllegung der Hochöfen wurden einige nicht mehr verwendbare Bauten abgerissen, wie der sogenannte „Schlackenbrecher“. Jahrelang hatte man vergeblich versucht, den massiven fensterlosen Bau zu verkaufen - doch es fand sich kein Käufer. 2007 fiel er dann planmäßig. Auch das Viadukt und der Kühlturm sollten eigentlich abgerissen werden, beide haben überlebt.

„Der Kühlturm diente zur Kühlung des Hochofens. „Das Wasser rieselte innen im Turm herunter und kühlte auf diesem Weg ab“, erklärt Gunter Kleinhans, der im Hörder Heimatverein der Spezialist für die Bergbaugeschichte ist. „Deshalb war es immer neblig und dunstig an der Hochofenstraße“, erinnert sich Willi Garth, der im neuen Clarenberg aufgewachsen ist, nicht zu verwechseln mit der jetzigen Hochhaussiedlung. Der „neue“ Clarenberg war die Siedlung aus kleinen Häuschen, die unter großem Protest der Bewohner 1969 abgerissen wurde. Davor hatte es schon den alten Clarenberg gegeben.

„Ganz in der Nähe von Phoenix West war die Werkssiedlung Felicitas. Die war schon vor den Hochöfen da. Heute wäre das gar nicht mehr denkbar, Wohnungen so nahe an ein Werk zu bauen, doch damals wollten die Direktoren die Arbeiter mit diesem Siedlungen an ihr Werk binden.“

Diese und andere Hörder Geschichten kann man im neuen Heimatmuseum in der Hörder Burg erfahren. Es ist immer am 1. Donnerstag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Den Heimatverein Hörde findet man im Internet unter <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.heimatverein-hoerde.de">heimatverein-hoerde.de</a>.

Info:

Die ersten Hörder Hochöfen erzeugten 1855/6 23.000 t Roheisen, was einer Tagesleistung von 17,9 t pro Ofen entsprach. Obwohl kurze Zeit später auf sechs Öfen erweitert, konnte schon bald der gestiegene Roheisenbedarf nicht mehr gedeckt werden. Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Hochöfen daher immer wieder umgebaut, modernisiert oder durch leistungsfähigere Neubauten ersetzt. Zuletzt standen hier drei Hochöfen, von denen der Letzte bis 1998 im Schnitt täglich rd. 4.200 t Roheisen erzeugte, das im benachbarten Stahlwerk nahe der Hörder Burg zu Stahl umgewandelt wurde.

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