ADFC: Der Ausstieg aus dem Radschnellweg ist falsch

Einen Tag lang gehörte eine Spur der B1 beim Stillleben den Radlern, doch die fahrradfreundliche Stadt Dortmund schert jetzt aus den Plänen für einen schnellen Radweg parallel zur B1 aus.
  • Einen Tag lang gehörte eine Spur der B1 beim Stillleben den Radlern, doch die fahrradfreundliche Stadt Dortmund schert jetzt aus den Plänen für einen schnellen Radweg parallel zur B1 aus.
  • Foto: Archivfoto Lindert
  • hochgeladen von Antje Geiß

Mit Unverständnis hat der Landsvorstand des Allgemeinen
Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC NRW) zur Kenntnis genommen, dass die
Dortmunder SPD-Ratsfraktion einen Radschnellweg im Ruhrgebiet ablehnt.
Das Projekt des Regionalverbands Ruhr, die Stadtzentren des größten deutschen
Ballungsraums durch einen hoch leistungsfähigen Radweg zu verbinden sei
damit akut gefährdet. Während das Land NRW einen landesweiten Wettbewerb zu
Radschnellwegen plant und Ballungsräume wie etwa
Hannover-Braunschweig-Göttingen solche Radwege bereits konkret planen, lehne
es die Dortmunder SPD sogar ab, eine vom Bund bezahlte Machbarkeitsstudie
erstellen zu lassen.
„Das“, so ADFC-Pressesprecher Thomas Rommelspacher, „sei ein Rücksturz in die Verkehrspolitik der 1980er Jahre.“ ADFC-Landesvorsitzender Thomas Semmelmann rät der Dortmunder SPD, sich in den Niederlanden davon zu überzeugen, dass Radschnellwege einen wichtigen Beitrag zur urbanen Mobilität leisten: „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis, von Radschnellwegen“, so Semmelmann, „ist exzellent.“

Auch VCD ist enttäsucht

„Wir sind überrascht und enttäuscht angesichts der ablehnenden Haltung von SPD und CDU gegenüber dem geplanten Radschnellweg Ruhr", Lorenz Redicker vom Kreisverband des Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Wir brauchen eine bessere Radinfrastruktur, gerade auch für den Alltags- und Pendlerverkehr", fordert er, "Der Radschnellweg wäre ein klares Zeichen, dass die fahrradfreundliche Stadt den Radverkehr auch wirklich will." Mit ihrer Ablehnung sendeten SPD und CDU jedoch genau das entgegengesetzte Signal. So hofft
der VCD, dass beide Parteien ihre kritische Haltung noch einmal überdenken.
Die Diskussion über den Radschnellweg sei erst der Anfang. Und dabei müsse auch intensiv über Kosten und Nutzen sowie über die Streckenführung gesprochen werden. Beim Ausbau des Radwegenetzes sollten nicht die Fehler wie beim Straßenbau gemacht werden. Wichtig sei die Alltagstauglichkeit. Nicht jeder Abschnitt müsse gleich kreuzungsfrei verlaufen, nicht überall könne der Schnellweg gleich fünf Meter breit und beleuchtet sein. "Glatter Asphalt, Zielwegschilder oder Schneeräumung sind kein Luxus, sondern müssten Standard werden, wie sie es beim Autoverkehr längst sind", betont Redicker. Natürlich ergebe ein Radschnellweg nur Sinn, wenn er über eine Anbindung an die Zentren verfügt. Der VCD sieht die Schnelltrasse als Basis für ein besseres Radwegenetz. Und zwar über Stadtgrenzen hinweg.
Dass Verkehr vom Auto auf das Rad verlagert werden könne, sei keine Spinnerei, wie manche phantasielose Kritiker behaupteten. Natürlich fahre niemand täglich von Dortmund nach Duisburg mit dem Rad. Aber die üblichen Pkw-Pendlerwege enden meist spätestens nach 10, 15 km. Der Schnellweg könne die Uni besser an die Innenstadt anbinden und so die A40/B1 entlasten. Hinzu komme das Elektrorad, mit dem Strecken von 20 km bewältigt werden können. "Hätte es in Dortmund jemals eine so (Kosten-)kritische Haltung gegenüber Straßenprojekten gegeben, wären uns viele Bausünden erspart geblieben - und Dortmund wäre vielleicht schon jetzt Fahrradstadt!“, ist sich der VCD-Sprecher sicher.

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