Soziales
Adoption als Glückssache?

Kathrin, Jessica und die kleine Mia (Namen geändert) sind eine Regenbogenfamilie. Mia wächst mit zwei Müttern auf, Kathrin und Jessica waren bei Mias Geburt vor fast zwei Jahren schon verheiratet. Kathrin hat das Wunschkind ausgetragen, und Jessica, musste, da sie kein leiblicher Elternteil ist, die Adoption des Kindes beantragen. Ihr Fall ist eine „Stiefkind-Adoption“, wie sie auch in Patchwork-Familien vorkommt.

Eigentlich eine Formsache, doch in der Praxis, so Jessica, wäre das Paar ohne die wohlwollende Mithilfe der Mitarbeiterin des Pflegekinder- und Adoptionsdienstes beim Jugendamt „komplett aufgeschmissen gewesen.“ Acht Wochen nach Mias Geburt konnte die Adoption beantragt werden, nach rund vier Monaten war das Verfahren erfolgreich abgeschlossen.

Dazwischen lagen verschiedene Besuche beim Notar, ein Hausbesuch des Jugendamtes, das begutachtete, „wie unsere Lebensumstände sind. Es wurden viele Fragen gestellt, wie meine Beziehung zum Kind ist, wie die der Großeltern zum Enkel. Insgesamt hat das eineinhalb Stunden gedauert“, erinnert sich Jessica. „14 Tage später gab es dann einen Termin beim Familiengericht, der sehr positiv war, weil es ja ein einvernehmliches Verfahren war.“ Innerhalb von fünf Minuten war der Termin vorbei. Mit der Ausstellung einer Adoptionsurkunde und einer neuen Geburtsurkunde für Mia war das Verfahren dann abgeschlossen.

Fast eine Adoption aus dem Bilderbuch, könnte man meinen. Eine kurze Bearbeitungszeit, eine positive Prognose für die kleine Familie. Dennoch bleibt bei dem Paar ein leicht unguter Nachgeschmack: „Ich fand es ein bisschen befremdlich, dass ich eine Auskunft meines Hausarztes beibringen musste, nach der ich psychisch und physisch gesund bin“, berichtet Jessica. „Offenbar wird das in den einzelnen Kommunen sehr unterschiedlich gehandhabt, manche Paare müssen auch noch eine sogenannte Selbstanalyse erbringen, das mussten wir nicht.“ Auch eine amtsärztliche Untersuchung wurde von Jessica hier nicht verlangt.

Es ist die Ungleichbehandlung zu heterosexuellen Paaren, die Kathrin und Jessica ärgert: „Wenn die Vaterschaft in einer heterosexuellen Ehe nicht angefochten wird, dann ist das Kind ehelich geboren und damit steht der Vater als zweiter Elternteil fest. Eine Adoption ist gar nicht nötig.“ Auch steuerlich sei das Ehepaar heterosexuellen Paaren nicht gleichgestellt: „Wir mussten kämpfen, damit wir beide in die gleiche Steuerklasse 4 kommen“, so Kathrin. Auch wenn die beiden nicht so stark in die LGBTQ-Community eingebunden sind, so haben sie doch gehört, dass das Adoptionsverfahren für homosexuelle Ehepaare möglicherweise verlängert werden soll: „Das finden wir nicht in Ordnung. Es sollten doch alle Familien gleich behandelt und geschützt werden.“

Insgesamt, so das Fazit der beiden, haben sie Glück gehabt: Mit einer aktiven und fördernden Mitarbeiterin des Jugendamtes, mit einer kurzen Verfahrensdauer. Die Adoption hat viel Aufwand erfordert, finanziell und auch emotional. Aber: „Für unser Gefühl war diese Adoption sehr wichtig und auch eine Erleichterung.“

Infos:

Der Pflegekinder- und Adoptionsdienst des Jugendamtes der Stadt Dortmund vermittelt Kinder und Jugendliche in geeignete Pflegefamilien.

Die Aufgaben des Pflegekinderdienstes sind: Überprüfung in Frage kommender Pflegepersonen,
Vermittlung von Pflegekindern, Betreuung und Beratung von Pflegeeltern in pädagogischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen, außerdem die Zusammenarbeit mit den Herkunftsfamilien, die Pflegeelternbildung sowie die Vermittlung in Adoptionspflege.

Bereitschaftspflege
Wenn Kinder auf Grund akuter Notsituationen in Obhut genommen werden müssen, werden sie in Bereitschaftspflegestellen untergebracht. Diese Regelung gilt für Kinder ab der Geburt bis zum Alter von zwölf Jahren. Bereitschaftspflegestellen sind Familien, die im Rahmen ihrer privaten Sphäre Kinder vorübergehend betreuen. Die Familien werden während der gesamten Dauer der Betreuung durch das Team des Jugendamtes begleitet, beraten und unterstützt.

Statistisches (Stand 31.12.2019):

Zum o.g. Datum gab es 29 Pflegestellen mit insgesamt 40 Bereitschaftspflegeplätzen. Im gesamten Jahr 2019 wurden insgesamt 138 Kinder in Bereitschaftspflegefamilien vermittelt; das waren 65 Mädchen und 73 Jungen. Der Aufenthalt eines Kindes in einer Bereitschaftspflegefamilie betrug im Durchschnitt 83 Tage.

Adoption

Eine Adoption ist die rechtliche Annahme des Kindes. Sie bezeichnet die rechtliche Begründung eines Eltern-Kind-Verhältnisses zwischen dem Annehmenden und dem Kind, ohne Rücksicht auf die biologische Abstammung. Im Rahmen der Adoptionsvermittlung werden Fremdadoptionen, Stiefeltern- und Verwandtenadoptionen sowie Auslandsadoptionen betreut und bearbeitet. Während des laufenden Adoptionsverfahrens befinden sich die Kinder in der Regel in Adoptionspflege.

Zahlen laut Statistik (Stand 31.12.2019):
44 Adoptionen (17 Fremdadoptionen und 27 Verwandten-/Stiefelternadoptionen)
50 Kinder befanden sich in Adoptionspflege
23 potentielle Adoptionseltern standen auf der Warteliste

Fragen an Anke Widow, Pressesprecherin der Stadt im Bereich Jugend und Soziales:

Gibt es immer noch mehr adoptionswillige Paare als Kinder, die adoptiert werden können?
Ja. Die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber ist bundesweit seit vielen Jahren höher als die Anzahl der in Frage kommenden Kinder.

Müssen die Paare immer noch verheiratet sein und dürfen nicht zu alt sein?

Paare, die ein Kind adoptieren wollen und die zusammenleben, müssen verheiratet sein. Es können auch Einzelpersonen adoptieren.
Das Alter der Adoptiveltern im Verhältnis zu dem Alter der Kinder sollte einem natürlichen Eltern-Kind-Verhältnis entsprechen.

Hat die Zahl der minderjährigen Geflüchteten etwas geändert?
Nein.

Wie lange dauert es, bis Paare das Verfahren durchlaufen haben?
Das sogenannte Adoptionseignungsüberprüfungsverfahren ist ein fünf- bis sechsmonatiger Prozess. Unter anderem geht es darum, die Motivation und Eignung der Bewerberinnen und Bewerber kennenzulernen sowie um die Schulung der Interessierten hinsichtlich der besonderen Situation von Adoptivkindern und -familien.

Werden mehr oder weniger Kinder zur Adoption freigegeben?
In Dortmund ist - wie bundesweit - die Anzahl der für eine Fremdadoption vermittelbaren Kinder rückläufig.

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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