Radtour für Kinder am 15. September rückt den Wunsch nach sicheren Wegen in den Fokus
Kindertour für bessere Wege

Eine Radtour für Kinder führt vom Friedensplatz in den Westpark.
  • Eine Radtour für Kinder führt vom Friedensplatz in den Westpark.
  • Foto: Matthias Schroers
  • hochgeladen von M Hengesbach

Am 15. September kommt in Dortmund einiges ins Rollen. Bei der "Kidical Mass" fahren Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Fahrrädern, Laufrädern und Kinderanhängern um 14 Uhr vom Friedensplatz zum Westpark. Sie zeigen, dass Kinder Rad fahren und selbständig mobil sein wollen und dass sich die Bedingungen für den Radverkehr verbessern müssen, damit das auch gut und sicher möglich ist.

 „Wenn der Radweg einfach im Nichts aufhört oder zugeparkt ist oder wenn man auf einem schmalen Schutzstreifen im Zentimeterabstand von einem Lkw überholt wird, ist das schon für Erwachsene ein extrem ungutes Gefühl“, so Max Kumpfer von der Gruppe Aufbruch Fahrrad Dortmund, von der die Kidical Mass organisiert wird. „Für Kinder funktioniert das noch viel weniger. Oft heißt es dann, die Kinder sollten eben auf dem Gehweg fahren – aber der ist meist völlig zugeparkt, weil die Stadt viele Gehwege zum Parken freigibt. Und wo sie nicht freigegeben sind, wird trotzdem geparkt, und die Stadt hat viel zu wenig Personal für flächendeckende Kontrollen.“
Das Ergebnis sei immer weniger eigenständige Mobilität von Kindern und eine Zunahme der Elterntaxis. Tatsächlich zeigte die Studie „Mobilität in Deutschland“ 2017, dass 43 Prozent der Grundschüler mit dem Auto zur Schule gebracht werden.
„Überspitzt gesagt: Die Kinder werden mit dem Auto zur Schule gebracht, weil die Eltern Angst haben vor dem vielen Verkehr, der entsteht, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen“, so Kumpfer. Dieser Teufelskreis müsse durchbrochen werden.
„Nichts prägt uns so sehr wie das, was wir in der Kindheit erleben. Es ist deshalb unglaublich wichtig, schon früh Unabhängigkeit zu erfahren“, ist sich Lukas Michel von Aufbruch Fahrrad Dortmund sicher. „Kinder, die sich selbstständig in ihrer Umgebung bewegen können, werden später zu freieren Menschen. Bessere Wege für Fahrrad und Füße sind das, was es dazu braucht!“, fügt er hinzu.
Die Infrastruktur müsse so angelegt sein, dass sie auch für die Kleinsten sicher sei, fordert Kumpfer und nennt ein Beispiel: „Wie das geht, kann man in den Niederlanden sehen: Gute, breite und sichere Radwege an den Hauptstraßen. Gute Sicht an Kreuzungen und Einmündungen. Bei Bedarf getrennte Ampelphasen für Auto und Rad. Und Nebenstraßen, in denen es nur wenig Autoverkehr gibt, weil dort nur Leute fahren, die dort auch wohnen. Der Durchgangsverkehr wird herausgehalten.“
Die Gruppe Aufbruch Fahrrad Dortmund ist aus der Volksinitiative Aufbruch Fahrrad hervorgegangen, die in ganz NRW 206.000 Unterschriften für besseren Radverkehr gesammelt hat. Allein in Dortmund wurden 30.000 Unterschriften gesammelt, das sind bezogen auf die Einwohnerzahl mehr als in jeder anderen Großstadt in NRW. „Wir wissen also, dass sich viele Dortmunder wünschen, dass Politik und Verwaltung Rahmenbedingungen schaffen, unter denen der Umstieg aufs Fahrrad leichter wird“, sagt Michel. „Dazu ist eine Qualitätswende nötig, die auch die Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt."
Bei der Kidical Mass soll es aber nicht nur um bessere Wege gehen, sondern auch um die Freude am Radfahren. „Wir wollen, dass die Kinder Spaß auf ihren Rädern haben. Das ist das Allerwichtigste“, meint Michel. „Die Kidical Mass wird also auch eine große Party auf dem Fahrrad.“ Wer etwas Leckeres mitbringt, kann gemeinsam im Westpark picknicken, außerdem gibt es Kreide zum Malen.
Der Begriff Kidical Mass ist angelehnt an die Critical Mass. Das ist eine Radtour durch die Stadt, zu der sich an jedem dritten Freitag im Monat um 19 Uhr spontan einige hundert Dortmunder am Friedensplatz treffen, um eine entspannte Runde mit dem Rad zu drehen.

Autor:

M Hengesbach aus Dortmund-City

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