Bewegung bringt die Angst und Gefahr auf der Flucht in die Fußgängerzone
Mit dem Faltboot erzählt die Seebrücke von Seenot

Dieses Faltboot wurde aus dem Mittelmeer gezogen. Die Seebrücke brachte es mit auf den Reinoldirkirchplatz, um die oft lebensgefährliche Flucht ins Blickfeld zu rücken.
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  • Dieses Faltboot wurde aus dem Mittelmeer gezogen. Die Seebrücke brachte es mit auf den Reinoldirkirchplatz, um die oft lebensgefährliche Flucht ins Blickfeld zu rücken.
  • Foto: Seebrücke
  • hochgeladen von Antje Geiß

40 Dortmunder haben vor der Reinoldikirche ein Faltboot aufgeblasen, ein gerade mal vier Meter langes und 12 Meter breites Schlauchboot, dem Menschen ihr Leben anvertrauten, auf der Flucht nach Europa. Mit der Aktion will der Verein Seebrücke demonstrieren, was es bedeutet, mit 160 bis 190 anderen in einem Fluchtboot auf dem Meer zu sein. Das Boot, in das sich Passanten in der Fußgängerzone setzten, um das nach zu empfinden, wurde  leer in internationalen Gewässern gefunden.

"Trotz des Regens konnten wir viele Dortmunder informieren", erzählt Anja Sportelli von der Aktion, "wir haben Gespräche geführt mit Menschen anderer Meinung, auch unverhohlene Rassisten, Identitären, älteren deutschen Menschen, die selbst noch Fluchterfahrung erlebt haben, mit in Dortmund lebenden Geflüchteten, die in ähnlichen Booten nach Europa gekommen sind und ihre persönliche Geschichte erzählt haben." 

Forderung: Ende des Sterbens im Meer

Mit einer mehrwöchigen Proteststaffel für Humanität und Solidarität durch
viele Städte verleiht die internationale Bewegung Seebrücke der Forderung nach einem Ende des Sterbens im Mittelmeer Nachdruck. Denn auch jetzt ertrinken auch wieder Menschen im Mittelmeer, "die Todesrate steigt bei gleichzeitigem Rückgang der Überfahrten", weiß Anja Sportelli von Seebrücke Dortmund. 
Das Thema werde in den nächsten Wochen in Dortmund eine große Rolle spielen, sagt sie, denn Seebrücke will einen Antrag in den Rat der Stadt einbringen, um Dortmund zu einem sicheren Hafen zu erklären. Dortmund ist Gastgeber des Städttages, wo ebenfalls die Situation auf dem Mittelmeer thematisiert wird.

Schüler beschriften Banner

"Während des Kirchentags wird es eine mehrtägige Aktion geben, bei der ein großes Banner mit den Namen der auf der Flucht gestorbenen Menschen an die Reinoldikirche gehängt wird", kündigt Anja Sportelli an. Dieses Banner wird im Vorfeld von Kirchentagsbesuchern und Schülern beschriftet.  Seebrücke kritisiert die europäische Abschottungspolitik, die den Tod Tausender Menschen an den Außengrenzen zur Folge habe. “Menschen auf der Flucht  riskieren alles, um der libyschen Hölle zu entkommen“ ,berichtet Jolanta Lisowski von Seebrücke. Das Schlauchboot wurde von der durch die EU finanzierten sogenannten „libyschen Küstenwache“ abgefangen. Die Geflüchteten wurden in die libyschen Lager zurückgebracht. Die Crew der Sea-Eye fand das verlassene Boot und brachtees nach Deutschland. „Ob die Menschen mit anderen Booten die Flucht geschafft haben, ob sie noch in libyschen Lagern interniert oder tot sind, werden wir nie erfahren,“ so

Markus Groda, der mehrfach für Sea-Eye bei der Seenotrettung im Mittelmeer aktiv war.Neben dem Schlauchboot trägt die Seebrücke ein Transparent von Stadt zu Stadt, auf dem alle Menschen mit ihrer Unterschrift ein Zeichen setzen können.  

Die Seebrücke fordert: 

● die Schaffung sicherer Fluchtwege und die Gewährleistung einer
menschenwürdigen Aufnahme von Menschen auf der Flucht,
● die Anerkennung und Unterstützung der Arbeit der zivilen Seenotrettung auf
allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen und das Ende der
Kriminalisierung der Seenotretter,
● das Ende der Unterstützung der „libyschen Küstenwache“ durch die
EU und den sofortigen Stopp der völkerrechtswidrigen
Rückführungen von Schutzsuchenden in das Land,
● einen festen europäischen Mechanismus zur Aufnahme von Menschen, die ausSeenot gerettet wurden, um wochenlange Hängepartien zu verhindern,

● eine Gesellschaft, die nicht auf Abschottung und Abschiebung setzt, sondern sich der Menschenwürde, Solidarität und Bewegungsfreiheit verpflichtet,
● dass Kommunen, die sich zu Sicheren Häfen erklärt haben, die Möglichkeit
haben, zusätzlich zur Verteilungsquote aus Seenot gerettete Schutzsuchende
aufzunehmen.

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