Nach über 20 Jahren berichten zwei Pflegende: "Das Zwischenmenschliche macht es aus“
"Pflege ist schon cool"

Nicole Rabiega und Andreas König arbeiten auf der geriatrischen Station im Kurler St. Elisabeth-Krankenhaus. Sie sind beide schon lange Jahre in der Pflege tätig und mit ihrem Beruf glücklich.
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  • Nicole Rabiega und Andreas König arbeiten auf der geriatrischen Station im Kurler St. Elisabeth-Krankenhaus. Sie sind beide schon lange Jahre in der Pflege tätig und mit ihrem Beruf glücklich.
  • Foto: Sabine Schwalbert
  • hochgeladen von Antje Geiß

Gesundheitsminister Jens Spahn hat viel vor: Mit der „Konzertierten Aktion Pflege“ soll die Entlohnung der Beschäftigten in den Pflegeberufen verbessert werden, Ausbildung und Beruf attraktiver werden und außerdem rund 13.000 neue Pflegekräfte für den Beruf gewonnen werden- schwierig in Zeiten eines allgemeinen Fachkräftemangels.

Nicole Rabiega und Andreas König arbeiten beide schon seit langem in der Pflege. König ist seit 1999 in der Pflege tätig, seit 2015 ist er Pflegedienstleiter im St. Elisabeth-Krankenhaus in Kurl, Nicole Rabiega ist nach 23 Jahren in einem mobilen Pflegedienst seit rund zweieinhalb Jahren dort beschäftigt. Mittlerweile ist sie stellvertretende Stationsleiterin in der geriatrischen Abteilung der Einrichtung, die zur kath. St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund gehört.

Positives aus der Arbeit mitnehmen

Beide bereuen ihre Entscheidung für die Pflege nicht, im Gegenteil: „Man kann für sich persönlich viel Positives aus der Arbeit mitnehmen, das macht mir sehr viel Spaß“, erklärt Rabiega. „Die Arbeit mit den älteren Menschen in der Geriatrie ist anspruchsvoll. Das ist ein sehr breites Spektrum von verschiedenen Anforderungen. Manche alten Menschen haben multiple Erkrankungen, und in der Regel kommen sie aus anderen Krankenhäusern in das Kurler Krankenhaus. Dann müssen wir erst mal sehen, wohin die Reise geht: Ist der Patient fit genug, um wieder nach Hause zu gehen, falls nötig unterstützt von einem mobilen Pflegedienst? Oder geht er in ein Seniorenheim?“
So ist die erste Aufgabe, die Patienten wieder fit und beweglich zu bekommen, Reha steht im Vordergrund. „Das gelingt uns oft, aber nicht immer.“

30 Prozent ist Dokumentation

Und egal welche Maßnahmen das Krankenhaus einsetzt, alles muss dokumentiert werden. „Rund 30 Prozent unseres Arbeitstages geht dafür drauf, zusätzlich zu unserer normalen Arbeit“, sagt Andreas König. Eine eher ungeliebte Arbeit für die Mitarbeiter in der Pflege, die man ihnen aber nicht abnehmen kann: „Eine Dokumentationsassistenz kann das nicht machen. Wir müssen selbst jeden Handgriff dokumentieren.“ Doch damit ist es nicht getan: Wird der Patient entlassen, müssen Überleitungsbögen für den nächsten behandelnden Arzt und die nächste Einrichtung geschrieben werden. Sie enthalten nicht nur die Medikation, sondern auch die im Krankenhaus erfolgten Untersuchungen und Maßnahmen sowie die Pflegeplanung.

Kein Häkchen darf fehlen

Ebenso ist es bei der Aufnahme: Dann muss das Krankenhaus vom letzten behandelnden Arzt alle Informationen zum Patienten haben. Das Problem dabei: „Ist eine geriatrische Komplexbehandlung nicht ausreichend dokumentiert, dann bekommt das Krankenhaus diese Behandlung nicht bezahlt“, so König. Abgerechnet wird dann nur der übliche Satz, der deutlich niedriger liegt. „ Es kann sein, dass da auf irgendeinem Bogen nur ein einziges Häkchen fehlt,“, erklärt Andreas König. „Und die Zeit, die für die Dokumentation aufgewendet werden muss, fehlt uns beim Patienten.“
Rund 30 Patienten betreut Nicole Rabiega täglich auf der Station. Sie wollte nach langen Jahren als Einzelkämpferin in der mobilen Pflege wieder mehr im Team arbeiten.


Wieder im Team nach mobiler Pflege

„Ich wollte wieder mehr medizinisch arbeiten, und die Geriatrie an sich fand ich spannend.“ Bereut hat sie den Wechsel ins Krankenhaus nicht: „Das ist ein sicherer Arbeitsplatz, in der privaten Pflege sieht das anders aus.“ Siebeneinhalb Stunden Dienst hat Rabiega, mit einer halben Stunde Pause. Morgens von 6.10 Uhr bis 13.40 Uhr, Abends von 13.10 Uhr bis 20.40 Uhr. Der Nachtdienst geht von 20.25 bis 6.10 Uhr. Jedes zweite Wochenende arbeitet sie, jeden zweiten Freitag hat sie frei. „Das Arbeitspensum ist hoch, aber es ist zu schaffen“, sagt sie.

"Arbeitspensum ist zu schaffen"

Die kath. St.-Johannes-Gesellschaft tut einiges, um ihre Mitarbeiter zu halten und neue zu gewinnen: So versucht Kaiser, den Dienstplan für zwei Monate im Voraus zu erstellen. Es gibt eine betriebliche Altersvorsorge, und bei der Ausbildung neuer Mitarbeiter ist die Gesellschaft ganz vorne dabei: Im Canisius-Campus werden schon jetzt viele Pflegende ausgebildet. In zwei Jahren soll die Schule am neuen Standort im Hoeschpark nochmal erheblich erweitert werden. „Personell sind wir hier gut aufgestellt“, sagt König. „Wir mussten kürzlich ordentlich aufstocken. Aber dadurch, dass die Gesellschaft einen guten Ruf genießt, haben wir eine gute Bewerberlage.“

Eltern schätzen flexible Zeiten

Flexible Arbeitszeiten mit 20, 40 oder 60 Prozent Teilzeit kommen besonders Eltern entgegen, genauso wie der Familienservice mit eigenem Kinderbetreuungsangebot. Nicole Rabiega und Andreas König jedenfalls bereuen ihre Berufswahl nicht: „Pflege ist schon cool, das ist genau mein Ding“, so König. Mit den Arbeitszeiten haben sich beide arrangiert, König sieht sogar die Vorteile: „Mittags um 14 Uhr zu Hause, da hat man noch eine Menge vom Tag.“ Und besonders Familien mit kleinen Kindern können davon profitieren: „Die Eltern können sich abwechseln. Nach der Geburt wieder einzusteigen ist einfach, viele fangen mit einem Tag am Wochenende an und steigern das dann nach und nach.“
Zur Gesellschaft gehören in Dortmund das St.-Johannes-Hospital, die St.-Elisabeth-Krankenhaus in Kurl, das Marien-Hospital in Hombruch, drei Senioreneinrichtungen und die St.-Elisabeth Jugendhilfeeinrichtung. Ein Drittel des Arbeitstages geht für die medizinische Dokumentation der Tätigkeiten drauf: Alles muss schriftlich festgehalten werden. 

Mehr zum Thema "Patient Pflege hier.

Nicole Rabiega und Andreas König arbeiten auf der geriatrischen Station im Kurler St. Elisabeth-Krankenhaus. Sie sind beide schon lange Jahre in der Pflege tätig und mit ihrem Beruf glücklich.
Hier ist ein Teil des Teams auf der geriatrischen Station bei der Arbeit.

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