Tante Emma gegen das Internet?

Kurze Wege, nette Beratung, frische Waren - das schätzen besonders ältere Leute am Einzelhandel vor Ort. Wird auch das Geschäft mit den Lebensmitteln bald durch den Onlinehändler ersetzt?
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  • Kurze Wege, nette Beratung, frische Waren - das schätzen besonders ältere Leute am Einzelhandel vor Ort. Wird auch das Geschäft mit den Lebensmitteln bald durch den Onlinehändler ersetzt?
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Das Handy und das Tablet, die CD, Bücher sowieso, Schuhe, Kleidung und Lebensmittel - vom individuell zusammengestellten Müsli bis zum Gourmet-Kaffee - alles im Internet bestellbar. Wird demnächst nur noch online geshoppt?

Im Jahr 2005 setzte der Internet-Handel noch 14,5 Milliarden Euro deutschlandweit um, in diesem Jahr soll der Anteil auf geschätzte 38,7 Milliarden steigen - das wären neun Prozent vom Gesamtumsatz.

Hinter diesen trockenen Zahlen stehen viele andere Geschichten: Zum Beispiel der wachsende Verkehr auch in Wohngebieten durch den immer stärker werdenden Lieferverkehr, Diskussionen um den Umgang mit Mitarbeitern bei Online-Versandhändlern und scheinselbstständige Auslieferungsfahrer, und: immer mehr leerstehende Ladenlokale, besonders in ländlichen Gebieten, in Nebenzentren und Vororten.

Sterben die kleinen Läden vor Ort weg, werden wir auch unseren täglichen Bedarf wie Lebensmittel, Kosmetik und anderes in Zukunft nur noch per PC und Handy ordern? Ist der Einzelhandel, das klassische Geschäft mit seinen vielen Angeboten ein Auslaufmodell?

Die Zahlen, die der Einzelhandelsverband Westfalen-Münsterland vorlegt, sprechen dagegen: 400 000 Betriebe gibt es deutschlandweit, sie setzten 433 Milliarden Euro im Jahr um, haben drei Millionen Beschäftige und 50 Millionen Kundenkontakte täglich. Die Großstadt Dortmund verfügt über 3300 Betriebe, die immerhin 17 500 Menschen beschäftigen und rund 3,3 Milliarden Umsatz jährlich machen.

Vor diesem Hintergund haben sich jetzt der Einzelhandelsverband Westfalen-Münsterland (EHV) und der Verwaltungsvorstand der Stadt getroffen, um über Themen wie Leerstände in den Stadtbezirken, die Zunahme des Online-Handels und eine bessere Abstimmung zum Beispiel beim Umgang mit Großbaustellen zu sprechen. „Eine Übereinstimmung von 150 Prozent" habe man erreicht, so Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Gemeinsam wolle man mit dem Handel an der Zukunft arbeiten, den Grundstein legt der vor 15 Jahren entworfene „Masterplan Einzelhandel" der Stadt. Doch wie genau sieht die Zukunft des Einzelhandels aus, und wie die Gegenwart? Und ist der Online-Handel eine Bedrohung?

Thomas Schäfer, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Westfalen-Münsterland, schätzt die Entwicklung so ein: „Im Onlinehandel sind derzeit alle Produkte, die mit Elektronik zu tun haben, Medien wie CDs und Bücher sowie Textilien ganz vorne. Wie die Entwicklung bei den Lebensmitteln verlaufen wird, ist noch unklar. Einen Schub wird es in diesem Bereich geben, wenn die logistischen Möglichkeiten mit der lückenlosen Kühlkette gegeben sind."
Möglich wäre dann ein Anteil von 20 Milliarden am Gesamtumsatz bei den Lebensmitteln etwa im Jahr 2020.

„Man muss sehen, wie sich der stationäre Handel gemeinsam mit anderen aufstellen kann, um der Konkurrenz zu begegnen", erklärt Schäfer. Und er fügt hinzu: „Geschäfte in der City, wo das Einkaufen zum Erlebnis wird, wird es wohl immer geben."

In den Vororten und Nebenzentren muss man sich neu orientieren: Hier hilft der Einzelhandelsverband zum Beispiel mit Seminaren und Gesprächen, zeigt, wie man sein Schaufenster ansprechender gestalten oder mehr Service anbieten kann.

„Besonders in den Vororten gibt es oft akzeptable Mieten für Ladenlokale", weiß der EHV-Vorsitzende. Gemeinsam mit dem Stadtteilmarketing und den Gewerbevereinen kann man hier Lösungen zum Beispiel für Zwischennutzungen von Leerständen erarbeiten: „Es hängt immer an den Personen, die sich vor Ort einsetzen", so Schäfer.

Der Einzelhandelsverband rechnet zwar in den nächsten Jahren noch mit einer deutlichen Zunahme des Internet-Geschäfts, doch für Thomas Schäfer ist auch klar: „ Wir sind optimistisch, dass der Kunde auch weiterhin das reale Einkaufserlebnis vor Ort haben möchten, er will hingehen, gucken, anfassen, probieren und kaufen."

Das betrifft auch und besonders die ganz jungen Menschen - so sehr sie auch als „Digital Natives" mit dem Medium Internet vertraut sind. Das Shoppen mit Freunden, das Ausprobieren und Testen, die individuelle Beratung und viele andere Serviceleistungen gibt es eben nur im richtigen Geschäft, ob in der City oder im Lädchen um die Ecke.

Hintergrund: Die Gesamtsumme der Kaufkraft für Deutschland liegt im Jahr 2014 bei 1705,4 Milliarden Euro. Die Kaufkraft misst das verfügbare Nettoeinkommen der Bevölkerung inklusive staatlicher Leistungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld oder Renten. Der durchschnittliche Bundesbürger hat demnach im Jahr 2014 eine Kaufkraft von 21.179 Euro zu erwarten, die unter anderem für Konsum, die Miete oder Lebenshaltungskosten ausgegeben werdenkönnen.

Für die Stadt Dortmund liegt die Kaufkraft bei 93 Prozent im Vergleich zu 100 Prozent deutschlandweit. In Zahlen bedeutet das 11.266,5 Millionen Euro und 19.694 Euro je Einwohner.

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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