Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau schreibt an WDR-Intendant Tom Buhrow
„Tatort“ voller Klischees

Heruntergekommene Viertel, hoffnungslose Menschen: Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau sieht seine Stadt und das Revier im Tatort nur klischeehaft dargestellt.
  • Heruntergekommene Viertel, hoffnungslose Menschen: Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau sieht seine Stadt und das Revier im Tatort nur klischeehaft dargestellt.
  • Foto: Andreas Klinke
  • hochgeladen von Antje Geiß

In einem Brief an den Intendanten des WDR, Tom Buhrow, hat OB Ullrich Sierau seine Verärgerung über den „Dortmund“-Tatort“ von Sonntag, 20. Januar, zum Ausdruck gebracht.
Mit Beginn der Tatort-Folgen aus Dortmund habe in Dortmund eine gewisse Vorfreude geherrscht über die Aufnahme in jenen Kreis der Städte, in denen die Kripo-Teams einer TV-Institution wie dem „Tatort“ ihrer Arbeit nachgehen. Das habe sich allerdings geändert, so OB Sierau.
„Nicht zuletzt nach der Ausstrahlung der Dortmunder Folge von Sonntag, 20. Januar, muss ich meine früher getätigte Aussage, dass ein Tatort die Stadt adelt, revidieren. Was sich in vorherigen Folgen schon angedeutet hat, lässt sich nach der Folge von Sonntag nur als fortwährendes Mobbing gegenüber einer Stadt, einer Region sowie den dort lebenden Menschen bezeichnen“, schreibt der OB.
Ein Krimi sei keine Dokumentation, so Sierau. Aber auch ein Krimi-Drehbuch sollte ein Mindestmaß an Bezug zur Realität vorweisen. „Das Bild, das am Sonntag über die Orte der Handlung in Dortmund und Marl sowie über die gesamte Region zu bester Sendezeit bundesweit vermittelt wurde, ist an Klischeehaftigkeit nicht mehr zu überbieten. Es ist maximal lächerlich.“

"Mehr Klischee geht nicht"

Sierau weiter: „Stecken Sie die Münchener Kommissare in Lederhosen und lassen Sie diese minutenlang Schuhplatteln - es wäre derselbe Effekt, es wäre genauso daneben. Die Macher dieser Folge geben die Menschen einer Region der Lächerlichkeit preis, in dem sie diese Bier trinkend in Trainingsanzügen vor heruntergekommenen Häusern herumstehen lassen. Mehr Klischee geht nicht.“
Durch die Verbreitung dieser „Ruhrpott-Klischees“ aus den 80ern disqualifiziere der WDR die Menschen und sich selbst als produzierender Sender. Sierau: „Es ist eine plumpe Darstellung ohne jedwede regionalen Kenntnisse. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge sollten ansatzweise passen, wenn die Bilder schon nicht aus Dortmund, sondern aus Duisburg stammen. Die letzte Zeche in Dortmund wurde 1987 geschlossen. Die prägende Zeit der Montanindustrie ist Geschichte. Im Ruhrgebiet gibt es so etwas wie einen Strukturwandel – aber die Vorurteile und Klischees der Drehbuchschreiber und verantwortlichen Redakteure des WDR sitzen fest und lassen diese Sichtweise offenbar nicht zu.“

In Ruhestand schicken 

Sierau schließt seinen Brief an Tom Buhrow: „Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Sie den Dortmund-Tatort einstellen und Kommissar Faber und sein Team in den vorzeitigen Ruhestand schicken würden.“

Die Antwort des WDR:

"Der WDR zeigt in seinen vielen Dortmunder Tatort-Folgen ein vielschichtiges Bild der Stadt, etwa durch diverse Milieus und Drehorte wie den Phoenix-See, den Westfalenpark oder das Dortmunder U. Der Tatort ist Fiktion – aus dramaturgischen Gründen wird auch verdichtet und zugespitzt. Dadurch können einzelne Szenen von den einen als Klischees empfunden werden, von anderen als realitätsnahe Darstellungen. Das polarisiert, löst Debatten aus – das ist aus unserer Sicht nicht negativ, sondern bereichernd. Die Publikumsreaktionen auf die Tatorte aus Dortmund sind im Übrigen überwiegend positiv, bei den letzten öffentlichen Vorführungen in Dortmund gab es sehr viel Applaus."

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