Ambulante Pflege
„Wir brauchen Hilfe in den alltäglichen Dingen“

Auf Wunsch von Horst und Gisela haben wir das Foto verfremdet. Die 61-jährige Gisela ist bettlägerig, Horst kann nach seinem Schlaganfall den rechten Arm und den rechten Fuß nicht richtig bewegen.
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  • Auf Wunsch von Horst und Gisela haben wir das Foto verfremdet. Die 61-jährige Gisela ist bettlägerig, Horst kann nach seinem Schlaganfall den rechten Arm und den rechten Fuß nicht richtig bewegen.
  • Foto: Schwalbert
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Ihr Leben im Ruhestand hatten sich Horst und Gisela W. (Namen geändert) schon ziemlich anders vorgestellt, das sagt Gisela zum Schluss des Gesprächs. Sie sind immer viel unterwegs gewesen, oft im Urlaub in Griechenland.

Die mitgebrachten Götter- und Sagenfiguren schmücken nun das Wohnzimmer. All das geht heute nicht mehr. Vor rund drei Jahren begannen die Schicksalsschläge.

Zuerst mussten sie ihre alte Wohnung im Dortmunder Süden verlassen, eine Firmenansiedlung brauchte mehr Platz und machte den Umzug notwendig. Dann kamen die Krankheiten: Nach einer Herz-OP bekam Gisela (61) mehrere Schlaganfälle, den letzten im Oktober 2018. Heute ist sie bettlägerig, hat Pflegestufe 5. Gisela hatte den letzten Schlaganfall gerade überstanden, da traf es Horst (73). An seinem Geburtstag am 5. Februar erlitt er ebenfalls einen Schlaganfall. Gisela war damals noch in der Reha-Klinik, und auch Horst musste in die Reha nach Bottrop. Er ist in der Pflegestufe 1.

An den Nachwirkungen knabbert Horst heute noch. Zwar hat er den Schlaganfall gut überstanden, aber der rechte Arm und der rechte Fuß sind nicht wirklich zu gebrauchen, durch die Wohnung bewegt er sich mühsam mit einer Gehhilfe. „17 Kilo habe ich seit der Zeit abgenommen. Ich muss jetzt alles mit links machen.“ Selber pflegen kann und darf er seine schwerkranke Frau nicht. „Ich möchte nicht, dass meine Frau in ein Heim kommt. Wir lieben uns doch so sehr.“

Sie haben erst spät geheiratet, für Horst war es schon die vierte Ehe. Vor rund 20 Jahren haben sie sich kennen gelernt. Die Hochzeitsfotos von der Trauung 2003 hängen an der Wand. Horst war damals noch als Schlosser und Schweißer auf Montage in Deutschland und den Niederlanden unterwegs, Gisela arbeitete bei einer Firma, die Nummernschilder herstellte. „Wir haben hier in Dortmund weder Familie noch Verwandte, die uns unterstützen könnten“, erzählt Horst.

Betreut wird Gisela, die etwas mühsam sprechen kann, durch einen Pflegedienst. Therapeuten für die Mobilisierung kommen ins Haus. Gisela soll soweit beweglich werden, dass sie im Rollstuhl sitzen kann. Doch selbst dann wäre die Wohnung im Erdgeschoss für sie nicht barrierefrei. Die Tür zum Bad ist zu schmal, die Badewanne müsste gegen eine Dusche ausgetauscht werden. „Wir würden gerne hier wegziehen“, erklärt Horst. „Hier fliegen nicht nur ständig die Flugzeuge. In der Nähe ist auch eine Rettungswache, die viel Krach macht. Und die Autofahrer rasen hier durch die Siedlung.“

Mit dem Pflegedienst sind Gisela und Horst im Großen und Ganzen zufrieden: „Die Mitarbeiterinnen sind sehr nett, ich komme gut mit ihnen klar. Mir bleibt ja auch nichts anderes übrig“, sagt Gisela. Vier Mal am Tag müssten die Pflegerinnen eigentlich kommen, das klappt nicht immer. „Gestern sind sie nur dreimal gekommen. Manchmal sind sie nur acht Minuten da, die sind immer in Eile“, meint Horst. „Heute haben sie die Tabletten für den Vormittag vergessen. Das geht doch nicht!“ Die beiden Diabetiker müssen auch Insulinspritzen bekommen. Horst spritzt sich selbst, aber bei Gisela muss das der Pflegedienst machen.

Auch mit den Leistungen der Krankenkasse sind die beiden zufrieden. „Das funktioniert ganz gut bei der Knappschaft. Gisela müsste nochmal zur Reha in die Einrichtung in Bottrop, aber das muss erst noch genehmigt werden. Auch eine ambulante Reha für uns beide in Dortmund wäre gut.“ Insgesamt könnte die Krankenkasse mehr Maßnahmen genehmigen, findet Horst. Das Ehepaar bräuchte Hilfe im Haushalt und für die alltäglichen Dinge, Horst will versuchen, das über die Caritas in Dortmund zu organisieren.

Die Prognose für die beiden ist vorsichtig optimistisch. Horst glaubt, dass seine rechte Seite bald wieder kräftiger wird, er ist sicher, dass er eines Tages wieder Auto fahren kann. Bei Gisela kommt nach und nach das Erinnerungsvermögen zurück. Und vielleicht finden die beiden auch noch eine barrierefreie Wohnung.

Auf Wunsch von Horst und Gisela haben wir das Foto verfremdet. Die 61-jährige Gisela ist bettlägerig, Horst kann nach seinem Schlaganfall den rechten Arm und den rechten Fuß nicht richtig bewegen.
Wenn die Pflege den Alltag bestimmt: Viele Medikamente und Hilfsmittel braucht das pflegebedürftige Ehepaar.
Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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