Selbsthilfe
Cannabis als Medizin - Patientin will Selbsthilfegruppe gründen

„Manche Leute denken, ich kiffe auf Rezept.“ Claudia B. (Name geändert) nimmt kein Blatt vor den Mund. Die gebürtige Berlinerin trägt ihre Krankheiten mit einer guten Portion Selbstironie. Leicht war der Weg bis heute nicht. Seit rund zehn Jahren, so schätzt sie, leidet sie an Fibromyalgie. Die gesicherte Diagnose hat sie erst seit vier Jahren: „Das ist eine ganz fiese Geschichte. Starke Schmerzen wandern durch den Körper“. Die Diagnose ist schwer zu stellen und es dauert oft lange, bis Betroffene wissen, woran sie eigentlich leiden.

Damit hatte ihre Krankheit zwar einen Namen, doch die Schmerzen blieben. „Ich habe alle möglichen Schmerzmittel bekommen, immer mehr, immer stärker.“ So richtig geholfen hat nichts. Als der Arzt ihr die Leber einer 80-jährigen attestierte, hat sie sich auf die Suche nach anderen Therapien gemacht.“Ich hab mich schlau gemacht, hab mir vieles angelesen.“ - und sie hat einen Arzt gefunden, der einen Versuch mit Cannabis als Medikation machte. „Zuerst habe ich Dronabilol bekommen, das ist ein THC- (Tetrahydrocannabinol) Medikament in Tropfenform.“ Doch auf Dauer reichte die Dosierung für sie nicht mehr aus.

Heute bekommt sie mehrfach kontrollierte Cannabisblüten auf Rezept, in der Apotheke. 20 Gramm pro Monat nimmt sie seit einem Dreivierteljahr über einen Vaporisator ein. In der Regel reicht eine Dosis am Tag. „Ich bin kein Mensch, der sich gerne zudröhnt. Die bekannten Nebenwirkungen wir Hungerattacken oder das ständige Kichern hatte ich nur zu Anfang, heute ist das weg.“ Dafür kann sie wieder laufen, ganz normal arbeiten, als Krankenschwester, auch Auto fahren und alles andere, was unter den hoch dosierten Schmerzmitteln nicht mehr möglich war.

„Wow, ich kann mich wieder am Kopf kratzen“- das war ein Aha-Effekt unter der neuen Medizin für sie. Doch ein Allheilmittel ist Cannabis nicht. „Es hilft Menschen mit chronischen Schmerzen, zum Beispiel bei Arthritis, Rheuma und Arthrose. Bei Krankheiten wie Morbus Crohn, bei Magersucht oder zur Unterstützung einer Krebstherapie gegen die Übelkeit. Auch bei ADHS kann es helfen. „Man muss es ausprobieren.“

Ihre Erfahrungen will Claudia B. Nun mit anderen Erkrankten teilen. Sie will nicht nur Betroffenen dabei helfen, einen geeigneten Arzt zu finden. „Das ist nicht einfach.“ Viele Ärzte wissen noch nicht viel über die Therapie - auch hier will sie ansetzen und deshalb sind Mediziner ausdrücklich angesprochen und eingeladen, sich bei der Selbsthilfegruppe zu informieren. „Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit wird langsam besser, hier möchte ich den Blick schärfen für die alternative Therapie.“ Und, nicht zuletzt, will Claudia B. den Angehörigen und Familien Hilfe und Unterstützung geben, denn dort gebe es oft Probleme, erzählt sie.

Zwar ist die Verschreibung von Cannabis mittlerweile legalisiert, doch der Weg für den Patienten bleibt steinig. Hat man einen Arzt gefunden und das Rezept endlich in der Hand, dann gibt es oft noch Probleme mit den Krankenkassen. Daher ist auch die gegenseitige Unterstützung bei der Beantragung von Cannabis auf Rezept ein wichtiger Punkt in der Selbsthilfe. Neben den verschiedenen Möglichkeiten der Therapie geht es auch um Nebenwirkungen und Risiken des Medikaments.

Geplant sind zunächst Treffen einmal im Monat in der Selbsthilfe-Kontaktstelle am Ostenhellweg 42 – 48. Angedacht sind rund zweistündige Treffen in den frühen Abendstunden, dienstags, donnerstags oder freitags. Wer sich für die Selbsthilfegruppe interessiert kann sich für die Anmeldung oder weitere Infos unter Tel. 529097 oder per Mail an selbsthilfe-dortmund@paritaet-nrw.org an die Selbsthilfe-Kontaktstelle wenden.

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