Coronavirus: Dortmund sagt Veranstaltungen über 1.000 Besucher ab
Das Derby wird zum Geisterspiel

Mit dem gesamten Verwaltungsvorstand informierte Oberbürgermeister Ullrich Sierau heute im Dortmunder Rathaus über Veranstaungsverschiebungen und dem Umgang des Krisenstabs mit der Ausbreitung des Coronavirus.
  • Mit dem gesamten Verwaltungsvorstand informierte Oberbürgermeister Ullrich Sierau heute im Dortmunder Rathaus über Veranstaungsverschiebungen und dem Umgang des Krisenstabs mit der Ausbreitung des Coronavirus.
  • hochgeladen von Antje Geiß

Das Derby wird zum Geisterspiel, die Baumesse ist abgesagt, täglich werden in einem Dortmunder Labor Tests auf das Cornavirus ausgewertet. "Viele sagen, das ist gar nicht so schlimm, doch das ist eine Fehleinschätzung", spricht Oberbürgermeister Ullrich Sierau von einer Phase des deutlichen Anstiegs mit Virusinfektionen. Mit dem gesamten Verwaltungsvorstand informierte das Stadtoberhaupt den Erlass des Ministeriums, der heute Nachmittag im Rathaus  erwartet wird, umzusetzen, wonach voraussichtlich bis Mitte April alle Veranstaltungen mit über 1.000 Besuchern abgesagt werden.    

Exponentieller Anstieg

Gelten soll dies in Dortmund ab nächster Woche. Die Zahl der Fälle sei landesweit stark angestiegen und wie auch in China und Italien wird auch hier mit einem exponentiellen Anstieg der Infektionen mit dem Virus gerechnet. "Auch wir hier sind gefährdet, Kinder und Jugendliche nicht so, jedoch Ältere können sehr schnell davon erwischt werden", hat Ullrich Sierau ein Bild vor Augen: "Die Menschen, die noch das Brett der Nichtwahrnehmung vorm Kopf haben, sollten an das Schachbrett mit einen Reiskorn vorstellen, der sich auf jedem Feld verdoppelt und am Ende einen Berg von über 9 Trillionen Reiskörnern ergibt.

Debatte mit Fußballfunktionären

Die Dynamik der Ausbreitung des Coronavirus müsse man sich ähnlich vorstellen, sagt Sierau nach einem Gespräch auf Landesebene mit Gesundheitsminister Laumann. Die rund 2500 Fans, die aus dem Hochinfektionsbereich des Virus um Heinsberg zum Gladbachspiel gekommen sind und möglicherweise andere infiziert haben, haben zu einem Aufschrei bei den Virologen geführt. Mit Vertretern der 1. und 2. Liga habe es eine Debatte gegeben und der Gesundheitsminister riet, alle Veranstaltungen über 1000 Personen abzusagen, "dem werden sich alle unterordnen müssen", sagt Sierau.

Heute Erlass des Ministeriums 

Der Erlass des Ministeriums lasse keine Abwägungsoptionen mehr. Und mit Blick aufs Derby sagt er: "Ein Spiel mit 999 Fans kann nicht gewünscht sein.  So wird das Derby zur Begegnung ohne Zuschauer im Stadion. Zugelassen werden beim Spiel  gegen Schalke, nur Spieler, Trainerstab, Sicherheitspersonal, Schiedsrichter Sanitäter und Medienvertreter. Als erstes morgen Abend bei der Partie Gladbach gegen Köln. Und dabei gehe es auch um Gleichheit und Wettbewerbsverzerrung. Auch die Bayern, da ist Ullrich Sierau sicher, "werden sich in ähnlicher Weise verhalten.

"Es geht um Leben und Tod"

Damit durchgespielt werden könne und da setzte die EM Grenzen, müssten Geisterspiele akzeptiert werden. "Und hier geht es um mehr als Fußball, hier geht es um Leben und Tod", betont Sierau, auch wenn es sich beim Derby um das Spiel des Jahres handle.  "Aber es geht darum, dass Fans noch das nächste Derby sehen können und nicht von Wolke 7."  Der Oberbürgermeister setzt auf den Selbsterhaltungstrieb der Fußballfans:  "Soviel Grips und Überlebenswillen muss man doch haben, dass man sagt, ich gehe jetzt auch nicht mit allen in die Kneipe das Spiel schauen." 
     

Infektionskette unterbrechen 

Man habe eine gemeinsame Rechtsauffassung und Einschätzung entwickelt und man wolle vor dem starken Anstieg an Coronaivirusfällen, die Infektionsketten unterbrechen. "Wenn wir das nicht tun, wird unser Gesundheitssystem überlaufen sein und es wird nicht genügen Beatmungsbetten geben", so Sierau. Derzeit seien es nur rund 1.200 bis 1.500 in NRW. In Italien seien Menschen an der Viruserkrankung gestorben, weil es laut Karl-Josef Laumann, für sie nicht mehr genügend dieser Betten gegeben habe.
In Dortmund wolle man gemeinsam mit anderen Städten die Infektionsgeschwindigkeit ausbremsen: mit dosierter Quarantäne, etwa für Menschen, die aus Südtirol zurück kehren und von ihrer Firma ins Homeoffice geschickt werden und  mit der Einschränkung von Veranstaltungen.

"Gesundheit hat oberste Priorität"

"Gesundheit hat oberste Priorität" ist das Motto unter dem der Verwaltungsvorstand heute lange tagte, um alle Maßnahmen abzuwägen und eine Situation herbei zu führen, die akzeptiert werde. "Wir werden dafür sorgen, dass der Gipfel, der noch vor uns liegt, nicht so hoch wird. Tun wir das nicht, holt uns das ein", denkt Sierau an Italien und will, dass  hier das tägliche Leben, Schule, Kindergarten, Broterwerb so weiter laufen kann. So werde die Stadt eigene Veranstaltungen, die nicht zwingend erforderlich sind, verschieben, wie Bürgerinformationen und mehr.

Veranstaltungen verschieben

Dies soll bis Mitte April gelten könne sich aber verschieben. Nicht treffen soll es Veranstaltungen, die unmittelbar bevorstehen,  ganz wenige würden mit Auflagen nach Abwägungen genehmigt.  Etwa der bevorstehende Signal Iduna Cup. Für das Reitturnier in den Westfalenhallen werde ein Konzept entwickelt.  "Das sind keine Extrawürste", betont Sierau. Veranstaltungen ab der nächsten Woche, wie die Baumesse in den Westfalenhallen werden verschoben.  Er hofft auf Akzeptanz und setzt dafür auf Rechtssicherheit und ein einheitliches Verfahren. Bei Veranstaltern sei man auf Verständnis gestoßen. Jetzt gelte es, Verantwortung zu übernehmen, denn der Höhepunkt der Coronafälle sei noch nicht erreicht. Wenn der Erlass vorliege, werde er vom Dortmunder Krisenstab bewertet und das genaue Vorgehen werde morgen kommuniziert. 

Vier Coronavirus-Fälle

"Alle vier Fälle waren importiert", sagt Dr. Renken, Leiter des Gesundheitsamtes zu den Coronavirus-Infektionen, die bei 100 Abstrichen in der vergangenen Woche ermittelt wurden. Zwei hätten sich über Heinsberg angesteckt, zwei im Iran.  Viele Anfragen seien übers Wochenende gekommen. "Ich kann nicht mehr sagen, es gibt garantiert kein Ansteckungsrisiko wenn jemand in Dortmund den öffentlichen Nahverkehr nutzt", betont der Mediziner, dass sich die Lage verändert habe. Bisher seien wenige Fälle positiv auf das Virus getestet, doch die Möglichkeit, sich anzustecken habe sich geändert.

Testergebnis am nächsten Tag

"Es hat sich gezeigt, dass sich nicht alle so verhalten haben, wie wir uns das wünschen", so Frank Renken. Ausgewertet werden die zentral im Gesundheitsamt durchgeführten Coronavirus-Tests im Klinikum und im Labor Eberhard & Partner, was laut Gesundheitsamtsleiter zu einer schnellen Auswertung meist bis zum nächsten Tag führe.  Ob jedoch alle Tests weiterhin zentral im Amt am Hohen Wall 9 durchgeführt werden können, bezweifelt Dr. Renken, da es zu mehr schweren Fällen komme, die sich an die Krankenhäuser wenden werden.  Für diese Situation müsse eine neue Diagnosestruktur aufgebaut werden. 

"Ältere und Kranke schützen"

"Wir müssen Ältere und chronisch Kranke schützen", setzt Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner einen Fokus auf die besonders gefährdeten Dortmunder. "Wir haben Influenza-Erkrankte in den Kliniken liegen und müssen die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems schützen", fügt sie hinzu.
"Keine Schulfeste, keine Fahrten in Risikogebiete", zählt Schuldezernentin Daniela Schneckenburger auf, wie das Coronavirus den Schulalltag trifft. Bei Fahrten hebe es Absagen und Umbuchungen gegeben. Verständnis hat sie für die Sorge der Eltern, doch die Angst der Eltern vor einer Krankheit bei einer Fahrt in ein anderes Gebiet, entbinde nicht von der Schulpflicht. Nur bei bestätigten Coronavirusfällen an einer Schule werde diese geschlossen, gleiches gelte für Kindergärten.

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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