Fachkräftemangel bei den Erziehern
Fabido ist bei der Ausbildung gut aufgestellt

Neue Männer (und Frauen) braucht die Kinderbetreuung: Daniel Kunstleben, Geschäftsführer der Fabido (l.) und Karsten Weisgut, Leiter der Kita Hainallee, mit dem Elektroauto der Fabido. Es macht Werbung für die PIA-Ausbildung bei der Stadttochter.
  • Neue Männer (und Frauen) braucht die Kinderbetreuung: Daniel Kunstleben, Geschäftsführer der Fabido (l.) und Karsten Weisgut, Leiter der Kita Hainallee, mit dem Elektroauto der Fabido. Es macht Werbung für die PIA-Ausbildung bei der Stadttochter.
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Das Berufsbild der ErzieherIn hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Größere Anforderungen an die individuelle Förderung, jüngere Kinder in der Betreuung, die Kommunikation mit den Eltern – all das ist anspruchsvoller geworden. In der Fabido-Einrichtung an der Hainallee kann man diesen Wandel hautnah erleben. Wie in jeder der 99 Fabido-Einrichtungen gibt es auch hier Azubis, in der Regel einen pro Jahrgang.

Die Kita ist eine der beliebtesten Kindergärten in ganz Dortmund, die Warteliste für einen Platz lang. Grund dafür ist einerseits die zentrale Lage an der B1, andererseits die Innenstadtlage mit Nähe zum bewohner- und kinderreichen Kreuzviertel. 70 Kinder werden hier in vier Gruppen von 23 Mitarbeitern (inkl. Azubis) betreut.

Augenfällig: Mehr Männer sind auf dem Weg in den Beruf. Neben dem Leiter der Einrichtung, Karsten Weisgut, ist auch Stellvertreter Patrick Meyer hier tätig, und ein angehender Erzieher macht hier gerade seine Ausbildung. Noch sind die Männer in der Minderheit, nur vier Kitas werden von einem Mann geleitet. Doch die Zahl der Männer wächst: „Es braucht halt Vorbilder“, erklärt Karsten Weisgut. Mit der steigenden Qualität der Ausbildung wachse auch das Interesse und die Anerkennung der Gesellschaft am Beruf. So seinen momentan bei den männlichen Erziehern Zuwächse im zweistelligen Bereich zu verzeichnen.

Dass die Fabido nicht in die allgemeinen Klagen über Personalknappheit in den Kindergärten und anderen Einrichtungen einstimmen muss, hat gute Gründe: „Es gibt einen ausgeprägten Bedarf an Fachkräften, das war erwartbar“, erklärt der Geschäftsführer der Fabido, Daniel Kunstleben. „Der Ausbau der Betreuungsstrukturen, der Rechtsanspruch auf einen U-3-Platz, der Mehrbedarf am Betreuungsplätzen und die Vergrößerung von bestehenden Einrichtungen sind die Ursachen.“ Ein Bedarf, der sich mit noch verstärken wird, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in den nächsten Jahren in den Ruhestand geht.

Fabido habe die Entwicklung bereits in den vergangenen Jahren proaktiv begleitet und auf neue Wege in der Ausbildung gesetzt, so Kunstleben: „Bei Fabido gibt es mit der PIA, der Praxisintegrierten Ausbildung, seit drei Jahren das Angebot einer vergüteten Ausbildung. Sie bietet nicht nur eine dreistellige monatliche Ausbildungsvergütung sondern auch eine reelle Chance auf Übernahme nach der Ausbildung: „Alle werden übernommen, die das Zeug für diesen Beruf haben“, so Kunstleben. Wie in jedem Jahrgang hat Fabido mehr als 90 Azubis zur ErzieherIn, davon machen 47 die Ausbildung nach dem PIA-Modell, 45 die nach dem BP-Modell. Das ist die herkömmliche Ausbildung, die in der Regel an einem Berufskolleg stattfindet, mit einem berufspraktischen - oder Anerkennungsjahr in einer Einrichtung.

Der Haken bei dieser Variante: Die Ausbildung am Berufskolleg, die sich immerhin an Zehntklässler mit Fachoberschulreife richtet, wird nicht bezahlt. Lediglich für das Anerkennungsjahr gibt es eine Vergütung. Für die Fabido, so Kunstleben, wird sich die Ausbildung in den nächsten paar Jahren komplett zur PIA hin verlagern. „Die Arbeit in der Betreuung und auch die Ausbildung wird immer komplexer“, ergänzt Karsten Weisgut. „Wir brauchen Leute, die auch mit den Eltern auf Augenhöhe kommunizieren können. Das wird in Zukunft immer wichtiger werden.“ Die Erzieher müssen konzeptionell arbeiten können, Projekte entwickeln, die über mehrere Wochen dauern, Kooperationen mit Schulen und anderen Organisationen entwickeln, Angebote für Familien machen, Inklusion umsetzen. „Die Kita funktioniert als Schnittstelle zwischen Kindern und Eltern“, erklärt Weisgut.

Rund 50 Mitarbeiter verlassen Fabido im Jahr in Richtung Ruhestand, hinzu kommen Ausfällen durch Schwangerschaften oder Krankheiten. „Bisher können wir das gut kompensieren. Wir nehmen aber schon jetzt Mitarbeiter über den Bedarf unter Vertrag.“ - Auch für den Springerpool, der akuten Mangel ausgleicht. Derzeit gibt es bei Fabido nur neun offene Stellen, bei rund 2000 Beschäftigten insgesamt. „Das ist aber kein Selbstläufer“, warnt Kunstleben. „In den nächsten Jahren werden wir unsere Personalwerbung intensivieren.“ Flexible Teilzeitregelungen sollen den Wiedereinstieg in den Beruf nach den Wünschen der Mitarbeiter möglich machen.

Bei größer werdenden Einrichtungen und mehr neuen Kindergärten werden auch mehr leitende Mitarbeiter gebraucht, die man bei Fabido möglichst selbst qualifizieren will: „Mit der Fachoberschulreife ist es zum Beispiel möglich, neben der Ausbildung zum Erzieher gleichzeitig das Abitur zu erwerben. In vier Jahren hat man dann die Ausbildung und das Abi in der Tasche, das ist besonders reizvoll für viele, die den Fuß in einen größeren Betrieb setzen möchten“, so Kunstleben. Auch das begleitende Studium ist für die Abiturienten im Anschluss dann möglich – quasi die Vorstufe zu einem dualen Studium. Wichtig für den Praktiker Weisgut: „Die Azubis laufen bei uns nicht einfach so mit. Schon bei den Schülerpraktika legen wir Wert auf eine gute Begleitung. Die Azubis bekommen eine Person in der Einrichtung an die Seite gestellt, die sie anleitet, außerdem gibt es einen Ausbildungsbeauftragten pro Betrieb.“

Doch bei einer anspruchsvoller werdenden Tätigkeit mit der Tendenz zur Akademisierung muss auch die Bezahlung den Ansprüchen gerecht werden: „Bei einem Ausbildungsabschluss etwa auf Bachelor-Niveau muss auch die Vergütung für Erzieher angehoben werden. Die Bezahlung ist aber nur in etwa so hoch wie beim mittleren Verwaltungsdienst. Es muss sich mehr lohnen, Erzieher werden zu wollen“, meint Daniel Kunstleben.

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