Dortmunder Aktionsgruppe gegen Gewalt an Frauen
Zwei Frauen vom Partner im Schlaf ermordet

Colette Prieur (Frauen helfen Frauen Dortmund e.V.), Simone Kleinert (Terre des femmes e.V.), Jörg Stenczl (Opferschutz Beauftragter der Polizei Dortmund), Svenja Beck (Opfer häuslicher Gewalt) und Heike Wulf (Autorin, Stadtführerin und Moderatorin der Veranstaltung).
  • Colette Prieur (Frauen helfen Frauen Dortmund e.V.), Simone Kleinert (Terre des femmes e.V.), Jörg Stenczl (Opferschutz Beauftragter der Polizei Dortmund), Svenja Beck (Opfer häuslicher Gewalt) und Heike Wulf (Autorin, Stadtführerin und Moderatorin der Veranstaltung).

  • Foto: Dortmunder Aktionsgruppe gegen Gewalt an Frauen
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Zwei Mordversuche hat Svenja Beck überlebt. Darüber und über toxische Beziehungen sprach sie auf Einladung der Dortmunder Aktionsgruppe gegen Gewalt an Frauen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen im Keuning-Haus. Viele Menschen kamen, um mehr über häusliche Gewalt und Femizid zu erfahren.

Eingeladen hatten die Städtegruppe Dortmund von Terr des femmes, der Migrantinnenverein Dortmund, Train of Hope und Heike Wulf, die die Veranstaltung mit Unterstützung von Simone Kleinert von Terre des femmes moderierte.

Tödlicher Besitzanspruch

2020 starben zwei Dortmunder Frauen. Sie wurden von ihren Partnern im Schlaf ermordet. Die eine Frau hinterlässt vier kleine Kinder, die drei Kinder der anderen Frau sind ebenfalls vom Vater ermordet worden. Bei Femiziden handelt sich um die vorsätzliche Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist durch den Partner und seinem patriarchalen Besitzanspruch. In den Medien wird oft nur von Beziehungstaten oder Familiendrama gesprochen.

Emotionale Abhängigkeit

Als Rednerin wurde Svenja Beck gegrüßt. Sie hat zwei Mordversuche überlebt und klärte über toxische Beziehungen auf. Über die Love-Bombing Phase und der Überhöhung der Partnerin erwirkt der toxische Partner, der oft unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet, eine emotionale Abhängigkeit bei der Frau. Ist die erreicht, beginnt sein zerstörerisches Machtspiel durch psychische und physische Gewalt. Viele Frauen können sich nur mit fachlicher Hilfe aus dieser Spirale der Angst und physischer wie psychischer Gewalt trennen. Häusliche Gewalt und Femizide hängen zusammen. Femizide können im Prinzip als die extremste Art von häuslicher Gewalt gesehen werden.

Räumliche Trennung

Im Anschluss an die Rede fand ein Podiumsgespräch mit Colette Prieur, der Vertreterin von Frauen helfen Frauen e.V. Dortmund und Teil des geschäftsführenden Teams im Frauenhaus Dortmund und Jörg Stenczl, der Opferschutz-Beauftragte der Polizei Dortmund statt. Colette Prieur sagte, dass die räumliche Trennung erster Schritt von vielen sei, den betroffene Frauen gehen, bevor sie sich ein selbstständiges gewaltfreies Leben mit ihren Kindern aufbauen können. Jörg Stenczel beschrieb die Abläufe, die Opfer häuslicher Gewalt durchlaufen. Der Konsens war, dass das deutsche Hilfssystem gut funktioniert, doch spätestens bei der juristischen Aufarbeitung und „face to face“ Kontakten bei Gericht die Frauen meist retraumatisiert werden. Gerichte blenden leider zu oft aus, welchen Gewaltakten Frauen und Kinder ausgesetzt waren. Zudem waren sich alle einig, dass deutlich zu milde Urteile gefällt werden und die Täter oft unbehelligt davonkommen.

Beweise sichern

Den betroffenen Frauen wurde von Herrn Stenczl geraten, ein Gewalt-Tagebuch zu führen. Er verwies auf die durch die Weißer Ring Stiftung entwickelten App "No stalk". Mit der App können Betroffene von Stalking die Handlungen des Täters mit dem Smartphone beweiskräftig sichern und dokumentieren (Fotos, Videos, WhatsApp, Sprachnachrichten).

Ungleiche Machtverhältnisse

Leider sind Femizide keine Einzelfälle, sondern ein gesellschaftliches Produkt von ungleichen Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern. An jedem dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres (Ex-)Mannes. Es ist Zeit, dass der „Femizid“ als Straftatbestand ins Strafgesetzbuch aufgenommen wird. Zusätzlich müssen mehr Prävention, mehr Konfliktberatung, mehr Täterarbeit und mehr Anti-Aggressionstrainings erfolgen.

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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