Am anderen Ende der Welt: Mit dem Auto allein durch Australien und Neuseeland
Unterwegs in Down Under

Die Great Ocean Road zieht sich 240 Kilometer an Australiens südlicher Küste entlang und lockt mit tollen Aussichtspunkten, wie auf die Zwölf Apostel.
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  • Die Great Ocean Road zieht sich 240 Kilometer an Australiens südlicher Küste entlang und lockt mit tollen Aussichtspunkten, wie auf die Zwölf Apostel.
  • Foto: Brachmann
  • hochgeladen von Antje Geiß

Für sieben Monate ist die 18-jährige Mériem Brachmann im Oktober 2017 mit zwei Freundinnen nach „Down Under“ aufgebrochen. Heute macht sie eine Ausbildung als Medienkauffrau bei Lensing Media und berichtet von der aufregenden Zeit mit Work and Travel, Reisen und vielen Erlebnissen in Australien und Neuseeland.

Heute fallen mir immer wieder Momente ein, die sowohl lustig und schön, als auch traurig und niederschmetternd waren. 27 Jahre war er alt, der Campervan, den wir uns zu Beginn kauften. Wir wollten hinten ein Bett und eine kleine Küchenzeile einbauen, um ihn als Schlafplatz zu nutzen. Wir kauften alles im Baumarkt und fingen zu bauen an. Eine gute Konstruktionsidee hatten wir, es fehlte uns nur am nötigen Werkzeug. Stunden und Tage standen wir auf dem Parkplatz vor dem Baumarkt und bohrten, hämmerten und schraubten. Nach einigen Tagen waren wir der Verzweiflung nahe. Unsere Rettung war Jeff, ein freundlicher Australier, der uns fragte, was wir da täten und weg fuhr. Keine Minute später stand er mit seinem Akkuschrauber vor uns und meinte „ich mache das eben für euch“. Innerhalb von 30 Minuten zimmerte er uns ein fertiges Bett und unsere Reise konnte endlich starten.

Menschen, Strände, Landschaften

Die Australier sind wirklich genauso, wie man es ihnen nachsagt: freundlich und hilfsbereit. Das erlebten wir mehrfach, nicht nur bei Jeff, sondern auch bei Greg und Paula, die uns im strömenden Regen nachdem wir einen Autounfall hatten und auf einer Raststätte mehrere Tage übernachteten spontan zu sich nach Hause einluden. Wir verbrachten drei Tage bei ihnen, konnten so unser Auto reparieren (unter anderem von Greg selber), einen Einblick in das australische Leben bekommen und unsere Reise fortsetzen.
Neben all diesen wunderbaren Menschen, die uns halfen, haben wir natürlich auch tolle Landschaften gesehen. Einsame, verlassene Strände, den Ayers Rock bei Sonnenuntergang, das bunte Great Barrier Reef beim Tauchen in zehn Meter Tiefe, auf Fraser Island fuhren wir mit dem Jeep durch unebenes Gelände und am Strand durch die Wellen. Doch nicht nur Australien hat eine wunderschöne Tierwelt und Landschaften, auch Neuseeland ist sehr abwechslungsreich. Innerhalb kürzester Zeit ist man von einer saftgrünen Hobbit-Landschaft, einem blauen Himmel und einem einsamen Strand in den schneeverhangenen Bergen und sollte sich warm anziehen.

Gut bezahlte Jobs finden

Da ein Backpacker bereits zur Einreise 5000 Australische Dollar(~3500 €)oder einen vorzuweisenden Rückflug und ein normales Visum für drei Monate oder ein Working-Holiday-Visum für ein Jahr benötigt, sind wir schon vorab in Deutschland während des Abiturs arbeiten gegangen, um das benötigte Geld für den Anfang zu haben. Doch es reichte nicht für die ganze Reise. Es ist leicht, in Australien einen Job zu finden. Schwierig ist es jedoch, einen gut bezahlten zu finden. Überall werden Fruitpicker, also Erntehelfer, gesucht. Wir haben keine guten Erfahrungen mit der Bezahlung gemacht. Wir haben als Orangenpflücker umgerechnet lediglich 3 € die Stunde verdient und wesentlich mehr ausgegeben. Wer aber überlegt, ein weiteres Jahr in Australien zu verbringen, muss 88 Tage Landarbeit machen, um sein „Second-Year Visa“ zu erhalten. Man sollte sich also den Job gut aussuchen.  Wir haben dann in einem Versandhandel gearbeitet und mit dem Durchschnittslohn Australiens von 20AU$ (~13€) sehr gut verdient. Wir wurden gerne genommen, da „Deutsche Maschinen beim Arbeiten sind: schnell und ohne Pause“.

Minimalistisch Leben mit dem Auto

Die kostengünstigste Art zu reisen, ist mit dem Auto unterwegs zu sein. Es gibt viele kostenlose und günstige Campingplätze in Australien. Gute kostenlose Apps, um diese Plätze, Duschen und Tankstellen zu finden sind CamperMate, WikiCamps und Fuel Map für die Spritpreise. Google Maps ist mit seinen Offline-Karten das schnellste und leichteste Navigationsgerät.
Man bemerkt, wenn man mit dem Rucksack reist, wie wenig man wirklich im Leben braucht: Klamotten für eine Woche, Kochutensilien (unsere Kochplatte beschränkte sich auf einen Gas-Campingkocher mit einer Platte), ein wenig Kulturgüter, Smartphone und für uns waren eine Taschenlampe und eine Wäscheleine sehr wichtig.
Der Tagesrhythmus gleicht dem Sonnenrhythmus. Mit Sonnenuntergang geht man schlafen und mit Sonnenaufgang steht man auf.

Man kann vieles alleine machen, aber man kann nicht alles ohne andere schaffen.

Woran man sich natürlich gewöhnen muss ist das Fahren auf der linken Seite. Ich endete bei einer Probefahrt als Geisterfahrer auf der falschen Seite. Nach ein paar Tagen am Steuer, habe ich aber gar nicht mehr nachgedacht.
Man sollte sich immer die Erfahrungen anderer anhören. Egal, ob es um den Autokauf, die Sehenswürdigkeiten oder den Job geht. So hat jeder Rucksackreisende Geheimtipps im Gepäck, und verrät gern schöne Orte, versteckte Strände und abenteuerliche Touren. Man kann vieles alleine machen, aber man kann nicht alles ohne andere schaffen. Also sollte man Tipps und Hilfe annehmen. Und vor allem: fragen! Die Australier sind sehr offen und hilfsbereit und trotz vieler Touristen, freuen sie sich über Backpacker. Und die anderen Rucksackreisenden wollen ihre Erfahrungen teilen und erzählen, was sie Schönes erlebt haben.

Erfahrung fürs Leben

Wir sind direkt nach dem Abitur los geflogen, waren also gerade volljährig. Es ist eine starke Umstellung von dem behüteten und geregelten Leben während der Schulzeit daheim hinein in ein Leben ohne Plan, das organisiert sein will. Die Zeit ist mit vielen Herausforderungen verbunden, aber wenn man diese gemeinsam meistert, ist man sehr stolz. Für mich war es eine Erfahrung fürs Leben, die ich jederzeit wieder machen würde. Wir erlebten so viel Schönes, machten Erfahrungen mit Schlechtem, aber daraus lernten wir. Und man trifft so viele Menschen, die einem helfen und den Tag oder die gesamte Reise retten.

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