Auswandern nach Dortmund

Für eine Zukunft in Dortmund lernen sie gerade Deutsch bei der Auslandsgesellschaft: (v.l.:) Radwan Sbita aus Syrien,  Adam Kaouris aus Griechenland, Gill Aflander von der Auslandsgesellschaft, Zanna Kirilova aus Lettland und Elena Toscano aus Spanien.
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  • Für eine Zukunft in Dortmund lernen sie gerade Deutsch bei der Auslandsgesellschaft: (v.l.:) Radwan Sbita aus Syrien, Adam Kaouris aus Griechenland, Gill Aflander von der Auslandsgesellschaft, Zanna Kirilova aus Lettland und Elena Toscano aus Spanien.
  • Foto: Schmitz
  • hochgeladen von Antje Geiß

Adam kommt aus Griechenland, Elena aus Spanien, Zanna aus Lettland und Radwan aus Syrien. So verschieden wie ihre Herkunft und ihre Lebensgeschichten sind ihre Gründe, nach Dortmund zu kommen.
Gemeinsam ist ihnen zur Zeit eines: Sie lernen Deutsch an der Dortmunder Auslandsgesellschaft - für eine zumindest nähere Zukunft in Deutschland.
Elena Toscano ist 35 Jahre alt und kommt aus Sevilla. In Spanien hat sie eine Ausbildung als Geschichtslehrerin gemacht, doch dort gibt es wegen einer Lehrerschwemme keine Arbeit für sie. Dass sie und ihr Mann jetzt nach Deutschland gekommen sind, hat also weniger mit der europäische Finanzkrise zu tun, obwohl sie sich in Spanien deutlich auswirkt: „Bestimmt 25 Prozent dort sind arbeitslos", erklärt die junge Frau, „und bei den jungen Leuten ist es noch schlimmer."

Spanierin Elena paukt erstmal Deutsch

Elenas Mann ist Arzt und hat ein gutes Angebot an einer Klinik hier bekommen, erzählt sie. Also sind sie im Juni von Sevilla nach Deutschland gezogen. Ob Elena in ihrem Beruf als Lehrerin hier eine Stelle findet, weiß sie noch nicht so genau. „Ich muss erst mal die deutsche Sprache lernen, das ist sehr schwer für mich. Für meinen Mann als Arzt ist das leichter." Ihr spanischer Abschluss wird hier anerkannt, und auch ihre Muttersprache spanisch könnte sie unterrichten. In Dortmund paukt Elena zusammen mit anderen Deutsch - in speziellen Sprachkursen, die ersten sieben Wochen lang, 28 Stunden in der Woche.
Und das mit erstaunlichem Erfolg. „Mit dem B2 Zertifikat kann ich mich dann bewerben" - die Voraussetzung für eine Stelle für Zuwanderer.
Natürlich vermisst Elena den Süden Spaniens und ganz besonders die Sonne, auch ihre Familie fehlt ihr hier.
. Auf Dauer in Deutschland bleiben - das haben Elena und ihr Mann nicht vor - in zwei Jahren soll es zurück nach Sevilla gehen, oder auf Weltreise. Ihre positive Deutschland-Erfahrung: „In Spanien denken die Leute, die Deutschen sind so Quadratköpfe: immer pünktlich, immer ordentlich. Hier habe ich gelernt: Die Deutschen sind gar nicht so anders als wir - und auch nicht immer pünktlich."

"Ich möchte hier bleiben"

Ganz andere Pläne hat die 30-jährige Zanna Kirilova aus Lettland. Sie spricht schon sehr fließend und fast ohne Akzent deutsch, schließlich hatte sie aus der Schule noch Vorkenntnisse. „Meine Schwester ist schon seit zehn Jahren in Deutschland, sie hat gefragt, ob ich nicht kommen will." Eine Reise, auf die sich viele junge Letten machen: „Zwei Mio. Einwohner hat Lettland, ungefähr 400 000 junge Leute sind in den letzten Jahren weggegangen." Der Grund: schlechte wirtschaftliche Lage, keine Arbeit.
Neun Jahre lang hat die junge Frau in Riga als Kellnerin gearbeitet, und ihre Pläne sind ganz klar: „Ich will noch tiefer in die deutsche Sprache einsteigen." Eine Arbeit hat sie hier noch nicht gefunden, „Manche Leute denken wohl, dass ich nicht deutsch kann."
Sie möchte in Deutschland bleiben, das ist ganz klar, vielleicht auch mit einen deutschen Pass, denn ihr geheimer Berufswunsch ist Kriminalpolizistin. Zunächst strebt sie aber eine Ausbildung als Hotelfachfrau an: „Warum denn nicht? Die Vorkenntnisse habe ich ja schon." Das Wetter ist für sie kein Problem, den deutschen Winter mit minus fünf Grad hält sie locker aus - „zuhause in Riga kann es bis zu minus 20 Grad kalt werden". Natürlich vermisst auch sie ihre Familie, „doch wir skypen und telefonieren, und zu Weihnachten war ich in Riga." Das Beste an Deutschland: "Die Leute sind sehr nett, helfen einem mit der Sprache, sind so positiv."

Adam Kaouris: Ich bin sehr glücklich

Ein Familientreffen gab es zu Weihnachten auch für Adam Kaouris. Er ist 27 Jahre alt und kommt aus einer kleinen Touristenstadt im Westen, Kanaliki. Schon seit zwei Jahren hatte der Betriebswirtschaftler mit einem Diplom als Versicherungskaufmann einer griechischen Bank dort keine Arbeit mehr. „Ich will erst mal gut deutsch lernen, dann möchte ich gerne arbeiten." Was genau hier möglich ist, das ist für Adam noch etwas unklar. Er ist mit seiner Freundin nach Dortmund gekommen. Sie ist Ärztin und hat einen Job in einem Dortmunder Krankenhaus, macht dort eine Facharztausbildung zur Anästhesistin. Jetzt leben die beiden in Witten, wo die Eltern der Freundin ein Restaurant haben.
„Natürlich ist meine Familie traurig, aber sie denken, dass es so für mich besser ist. Viele junge Leute gehen aus Griechenland weg", manche gehen nach Großbritannien, wegen des Ärztemangels kommen Ärzte und ihre Partner wie Adam und Elena eher nach Deutschland. „Viele Leute hier kommen aus meiner Stadt", erzählt Adam, doch um sich in der großen griechischen Gemeinde in Dortmund zu treffen, dafür hatte Adam noch keine Zeit. Auch ihm fehlt natürlich die Sonne, die Familie, die Freunde, doch er sagt auch: „ich bin sehr glücklich hier, und wenn ich Arbeit finde, noch mehr." Adam kann sich vorstellen, für immer in Deutschland zu bleiben.

Ganz allein aus Syrien geflohen

Eine ganz andere Geschichte hat Radwan Sbita aus Syrien zu erzählen. Seit vier Monaten ist er in Deutschland, ist aus seiner Heimatstadt Aleppo, wo bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen, geflohen, ganz allein - ein so genannter unbegleiteter jugendlicher Flüchtling. Seinen Sprachkurs muss Radwan nicht selbst bezahlen. In Syrien ist er in die 10. Klasse gegangen und er wäre gerne Pilot geworden, doch jetzt - er weiß nicht, wie es weitergeht.
Wird er in Deutschland bleiben können, wenn er über 18 Jahre alt ist? Kann er eine Schule besuchen, eine Ausbildung machen? „Alles ist sehr ungewiss, sehr schwer." Hier in Dortmund hat er mittlerweile ein paar Freunde gefunden, einer hat in der gleichen Straße in Aleppo gewohnt - ein kleinen Stückchen Heimat.
Inzwischen hat Radwan eine eigene Wohnung und hofft, dass er eines Tages zur Schule oder zur Uni gehen kann, vielleicht doch noch Pilot werden kann, oder Physiotherapeut. „Das ist ein ganz anderes Leben hier, immer allein zu sein ist am schwierigsten." Zwar kann er mit seiner zurückgebliebenen Familie chatten und manchmal auch telefonieren, aber: „meine Stadt, meine Straße, meine Familie fehlen mir." Trotzdem sagt Radwan: „Die Zukunft zum Leben ist hier besser."

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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