Kinder lernen am besten von Kindern

Christiane Mika und Cristina Stumpf unterrichten die Kinder aus Spanien, Griechenland und der Türkei in der deutschen Srache. Viele andere  Fächer lernen die kleinen Zuwanderer aber schon in ihren Regelklassen kennen.
  • Christiane Mika und Cristina Stumpf unterrichten die Kinder aus Spanien, Griechenland und der Türkei in der deutschen Srache. Viele andere Fächer lernen die kleinen Zuwanderer aber schon in ihren Regelklassen kennen.
  • Foto: Schmitz
  • hochgeladen von Antje Geiß

Auffangklassen in Dortmunder Schulen - da denken die meisten wohl am Kinder aus Roma- und Sinti-Familien, die vorher noch nie eine Schule von innen gesehen haben.

In der Libellenschule an der Burgholzstraße gibt es derzeit 16 sogenannte „Auffangschüler“, und das Prinzip Schule ist ihnen schon sehr vertraut: „ Wir haben hier an unserer Schule fast ausschließlich aus Spanien“, erklärt Schulleiterin Christiane Mika. „Das sind Kinder aus nordafrikanischen Familien, die bevor sie hierher gekommen sind, in Spanien gelebt haben.“ Dort sind die Kinder geboren und zur Schule gegangen, haben neben ihrer Muttersprache, meist arabisch, auch spanisch, katalanisch und englisch gelernt - jetzt kommt mit deutsch die vierte oder fünfte Sprache hinzu. „Die Kinder sind sehr motiviert, eifrig und wissbegierig.
„Die Kinder sind interessiert , auch die Eltern fragen viel nach“, berichtet Schulleiterin Christiane Mika aus der Libellen-Grundschule.

Nora kommt aus Spanien

Auch Nora kommt aus Spanien. "Kannst du spanisch?" fragt sie mich - das muss ich verneinen. "Wo kommst du denn her?" frage ich zurück. „Aus Madrid, oder Barcelona?" "Nein, von Menorca" erklärt die Kleine. Wie die anderen ist sie erst seit ein paar Wochen in Deutschland. Den Sport-, Musik-, Kunst- und Matheunterricht haben die Kinder mit ihren Altersgenossen in ihrer Klasse, einmal täglich kommen sie zum Deutschunterricht zusammen. Nicht in der "Auffangklasse", sondern inder „Willkommensklasse" - der Name ist Programm an der Libellenschule.

Keine extra Auffangklassen

"Wir haben uns dafür entschieden, die Schüler nicht in einer gesonderten Auffangklasse zu sammeln. Einerseits, weil wir gar keinen Raum mehr dafür haben, andereseits, weil die Kinder am besten von den anderen Kindern lernen", erklärt Christiane Mika. Das Problem: Es gibt kaum Lehrer, die spanisch sprechen - da trifft es sich gut, dass über mehrere Ecken eine Muttersprachlerin gefunden werden konnte, die jetzt ehrenamtlich einmal in der Woche aushilft: Cristina Stumpf lebt seit vierzig Jahren in Deutschland. Sie kann Fragen der Lehrer für die Kinder übersetzen.
Zusammen mit Christiane Mika werden die Kinder aus Spanien, Griechenland und der Türkei in dieser Woche im Musikraum unterrichtet. „In diesen Gruppenstunden lassen die Kinder ein bisschen Dampf ab", erklärt die Schulleiterin. "Dann können sie endlich wieder mit ihren Schulkameraden spanisch sprechen."

In der Mensa Gemüse schnibbeln

In der nächsten Woche ist der Musikraum aber belegt. „Dann gehe ich mit den Kindern in die Mensa und schnipple Obst und Gemüse, dabei können sie gleich die Vokabeln lernen", erklärt Christiane Mika. „Man muss flexibel bleiben und sich etwas einfallen lassen."
Eigentlich sollte der Schulalltag für die spanischen Kinder erst im Februar beginnen. „Wir habe das aber vorgezogen und sind schon nach den Herbstferien jeweils mit drei bis vier Kindern pro Woche gestartet. Die Kinder langweilen sich ja sonst zuhause." Zumal die Lebensumstände oft alles andere als rosig sind: „Die Zuwanderer bekommen erst nach drei Monaten Sozialleistungen, diese Zeit müssen sie überbrücken", weiß Chistiane Mika.

Manche Kinder schlafen auf dem Boden

„Es gibt Kinder in der Gruppe, die schlafen auf dem Fußboden, Wasser haben sie nicht in der Wohnung." Auch an den einfachsten Hilfsmitteln wie Stiften und Heften fehlt es. „Da ist der Förderverein eingesprungen. Auch unsere Schulsozialarbeiterinnen sind sehr engagiert. Sie haben zusammen mit den anderen Eltern geholfen, haben im Elterncafé Kleidung, Spielsachen und sogar Möbel gesammelt."
Wieviele Kinder in den nächsten Jahren aus europäischen Ländern, aber auch aus Krisengebieten wie Syrien kommen werden, das kann nieman sagen. „Die Frage ist, wie schafft man das, wie kann man die Zuzüge steuern?"

Eine Frage der Solidarität

Für Christiane Mika auch eine Frage der Solidarität, denn : „Die Nordstadt kann das nicht alleine leisten". Zumal an der Libellenschule die Klassengrößen an der Libellenschule von rund 24 Kindern schon vorher an die Obergrenze stießen. Kommen jetzt och in jede Klasse drei bis vier neue Schüler, dann kann ein Lehrer allein das kaum noch schaffen. Christiane Mika fasst die Knackpunkte zusammen: „Meistens bekommen die Auffangklassen nur eine halbe Lehrerstelle zusätzlich. Zwar wurde der Muttersprachliche Unterricht in spanisch, den wir an unserer Schule haben, von der Bezirksregierung schon um vier Stunden in der Woche aufgestockt. Wir brauchen aber eine Aufstockungs-Reserve in den Klassen für die Kinder von Zuwanderen, und wir brauchen eine gesicherte Sozialarbeit, deren Finanzierung sich nicht von Jahr zu Jahr hangelt."

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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