Quote ist erstmals auf Tiefststand seit den 80er Jahren
9,8 Prozent in Dortmund sind arbeitslos

601 800 Menschen leben in Dortmund. Aktuell verzeichnet die Stadt über 240 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Das sind 28 000 mehr als zu den Zeiten von Kohle, Bier und Stahl.^
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  • 601 800 Menschen leben in Dortmund. Aktuell verzeichnet die Stadt über 240 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Das sind 28 000 mehr als zu den Zeiten von Kohle, Bier und Stahl.^
  • Foto: Agentur für Arbeit
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„Wir haben gute Voraussetzungen, den positiven Trend auf dem Arbeitsmarkt zu verstetigen“, freut sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau über die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt in Dortmund. Dortmund verzeichnet rund 900 Arbeitslose weniger als im September und 2650 Jobsuchende weniger als vor einem Jahr. Dortmund sinkt somit bei der Arbeitslosenquote auf 9,8 Prozent – und damit auf den tiefsten Stand seit den 80er Jahren.

 Die Jugendarbeitslosigkeit ist 1,2 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Und auch die Langzeitarbeitslosigkeit ist um 9,5 Prozent zu 2018 gesunken. „Mit einer einstelligen Arbeitslosenquote von 9,8 Prozent haben wir im Oktober nun die lang formulierte Zielsetzung erreicht unter zehn Prozent zu kommen“, sagt Ullrich Sierau. „Unsere Anstrengungen haben sich als richtig und erfolgreich erwiesen. Zukunftsweisende Schritte der letzten Jahrzehnte, wie die Entwicklung des Technologie-Parks, der Westfalenhütte oder auch des Gesamtareals Phoenix haben Dortmund nach vorne gebracht und für Beschäftigung gesorgt.“

OB: Unter den Schnitt der Revierquote kommen

Der OB weiter: „Darüber können wir uns freuen. Nun gilt es aber, diesen Trend – auch bei möglichen Rückschlägen – zu verstetigen und unter den Schnitt der Quote des Ruhrgebiets zu kommen. Aufgrund der positiven Entwicklung der Wirtschaft und unserer dynamischen Standortentwicklung haben wir dazu gute Voraussetzungen. Gleichwohl: Die Gruppe der Langzeitarbeitslosen dürfen wir nicht vergessen. Ihre Zahl ist nach wie vor zu hoch. Für eine Reduzierung im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit benötigen wir allerdings die Hilfe des Bundes“, so das Stadtoberhaupt.

"Ältere und Jüngere profitieren"

„In Dortmund ist die Arbeitslosenquote im Oktober unter zehn Prozent gesunken. Diese gute Entwicklung freut mich sehr. Sie zeigt, dass wir gemeinsam auf dem richtigen Weg sind. Die Einstellungsbereitschaft der Betriebe ist hoch, die Konjunktur stabil. Sowohl ältere als auch junge Menschen profitieren vom guten Trend. Und auch die Langzeitarbeitslosigkeit ist im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich zurückgegangen. Nun ist es wichtig, nicht auszuruhen“, kommentiert Martina Würker, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund, die Situation.
Dortmund ist geprägt von einem wirtschaftsfreundlichen Klima und einer engen Kooperation zwischen Handwerk, Industrie, Dienstleistungen, Gewerkschaften und Stadtverwaltung. Dieser Dortmunder Konsens der unterschiedlichen Akteure des Arbeitsmarktes, zu denen auch die Sozialverbände und Arbeitgeberverbände gehören, hat die Stadt stark gemacht. Dortmund hat ein Beschäftigungsniveau erreicht, das die Stadt - in der Anzahl der SVB-Arbeitsplätze gemessen - zuletzt 1973 aufzuweisen hatte. Die Unternehmen wachsen, sie investieren. So ist Dortmund in den vergangenen Jahren zum Jobmotor mit den höchsten Zuwachsraten in der Beschäftigung aller NRW-Städte geworden. Für mehr Beschäftigung, für Investitionen und Gründungen werden alle Beteiligten weiter eng zusammenarbeiten. Dabei stehen auch Ansiedlungen, die Arbeitsplätze schaffen, ganz vorn. Dazu gehören Branchen wie die Logistik, die Call- und ServiceCenter und auch das Sicherheits- und Reinigungsgewerbe.

"Kopf wieder über Wasser"

„Nach über 35 Jahren haben wir bei der Arbeitslosenquote den Kopf wieder über Wasser. Das ist ein schon fast ein historisches Ereignis, dass uns für den Moment sehr freut. Es ist aber vor allem die Bestätigung, dass unsere Strategien und Konzepte in die richtige Richtung führen“, so Wirtschaftsförderer Thomas Westphal. „Die Motivation des aktuellen Ergebnisses werden wir nutzen, um weiter am Dortmunder Weg zu arbeiten. Unser Ziel ist es, die Arbeitslosenquote strukturell und dauerhaft zu senken und in Zukunft deutlich unter der 10-Prozent-Marke zu fixieren“, so Westphal weiter.
Um die Entwicklung nachhaltig werden zu lassen, sind aus Sicht der Stadt folgende vier Punkte von großer Bedeutung:
- Weiterentwicklung der kommunalen Arbeitsmarktstrategie. Mit Blick auf die neuen Regelinstrumente im SGB 2 wird dem Rat im Frühjahr eine weiterentwickelte „Kommunale Arbeitsmarktstrategie 2030“ vorgelegt.
- Die Arbeit des ServiceCenters Lokale Arbeit werde auch mit eigenen Mitteln verstetigt. Dortmund erwartet dabei auch ein langfristiges Engagement der Landesregierung. Der Modellversuch habe gezeigt, dass der Dortmunder Weg für neue Beschäftigungsperspektiven für an- und ungelernte Langzeitarbeitslose richtig ist.
- Die Stadt will sich weiter intensiv für eine gute gesetzliche Änderung der Arbeitsmarktförderung auf Bundesebene einsetzen. Die neuen Regelinstrumente dürfetn nicht zu gering dimensioniert sein und die Personengruppe dürfe nicht zu eng definiert werden. Nötig sei ein Spielraum für praktische kommunale Lösungen.
- Die berufliche Integration von Flüchtlingen und von an- und ungelernten EU-Bürgern bleibe auch in den nächsten Jahren eine zusätzliche zentrale Aufgabe. Auch in diesem Feld habe die Stadt in enger Vernetzung mit den Verbänden, der Arbeitsverwaltung und den Unternehmen zahlreiche Projekte und Maßnahmen für erfolgreiche Integrationsketten aufgelegt. Dies werde in den nächsten Jahren fortgesetzt. Dafür sei jedoch mehr Unterstützung des Bundes und des Landes notwendig.

"Hervorragende Zusammenarbeit aller"

„Dass es gelungen ist, die Arbeitslosenquote in Dortmund unter 10 Prozent zu senken, ist eine großartige Nachricht für die Menschen unserer Stadt. Auch langzeitarbeitslose Menschen haben von dieser überaus positive Entwicklung profitiert und neue Arbeit gefunden. Die Stadt wird ihre Anstrengungen für langzeitarbeitslose Menschen weiter fortführen. Die Kommunale Arbeitsmarktstrategie und das Modellprojekt ,Service Center lokale Arbeit‘ sind dabei unsere zentralen – und auch erfolgreichen – Bausteine, die wir auch in Zukunft intensiv weiter bearbeiten werden. Der Erfolg bei unseren Anstrengungen liegt auch in der hervorragenden Zusammenarbeit aller Beteiligten – zum Beispiel in der ,Allianz für Dortmund‘ – begründet“, sagt Dortmunds Sozialdezernentin Birgit Zoerner.

IHK: Beispielloser Strukturwandel

Für Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK, ist das Sinken der Arbeitslosenquote auf unter 10 Prozent die logische Folge eines erfolgreichen Strukturwandels, der beispiellos ist. „Die Dortmunder Unternehmen, sei es aus Industrie, IT, Handel, Logistik und der Dienstleistungsbranche, haben ihre Chancen genutzt und sich zu modernen und hochinnovativen Unternehmen entwickelt. Auch die zahlreichen neugegründeten Unternehmen haben zu diesem Erfolg beigetragen. Eine angebotsorientierte Flächenpolitik ist für weitere Ansiedlungen unabdingbar. Die Stadt Dortmund unterstützt die Unternehmen, wie beispielsweise auf Phoenix-West und auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte, dabei vorbildlich“, so Schreiber. Schreiber weiter: „Damit Dortmund ein leistungsfähiger und attraktiver Standort bleibt, werden zusätzlich Fachkräfte mit unterschiedlichsten Schlüsselqualifikationen benötigt. Hierzu tragen nicht zuletzt die zahlreichen Hochschulen in der Stadt bei. Sehr groß ist aber auch der Bedarf an betrieblich ausgebildeten Fachkräften. Trotz einer geringeren Anzahl von Schulabgängern bilden die Dortmunder Unternehmen seit Jahren etwa 3.000 Jugendliche jährlich aus.“ Schreiber zeigt sich zuversichtlich, dass sich diese positive Entwicklung fortsetzen wird. „Denn die Industrie befindet sich derzeit in Topform. Die Situation im Handel lässt sich mit weiterhin schwungvoll bezeichnen und im Dienstleistungsgewerbe hält der Aufwärtstrend weiter an.“

Handwerk: Gute Aussichten für Fachkräfte

„Das Handwerk begrüßt, dass die Arbeitslosenquote erstmals seit langer Zeit wieder unter die 10%-Marke gefallen ist. Dies ist sicher ein Verdienst aller am Arbeitsmarkt beteiligten Akteure“, sagt Joachim Susewind, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Dabei ist das Handwerk seit jeher ein stabilisierender Beschäftigungsfaktor im Arbeits- und Ausbildungssektor unserer Stadt und hat, auch bedingt durch die gute Konjunktur, einen erheblichen Anteil an der positiven Entwicklung. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind dabei die für die Handwerksbetriebe typischen, durchgehend hohen Ausbildungszahlen und die hervorragenden Beschäftigungsaussichten für Fachkräfte. Auf der anderen Seite hat es das Handwerk auch immer als seine Aufgabe angesehen, durch Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen Menschen für den ersten Arbeitsmarkt zu schulen, auszubilden und zu gewinnen. Diese wichtige Grundlagenarbeit des Bildungskreises Handwerk e.V. trägt somit ebenfalls maßgeblich zur positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes bei. Das Handwerk wird weiterhin um Auszubildende und Fachkräfte werben - die Zukunftsaussichten bleiben sehr gut.“

12.400 Langzeitarbeitslose

Für Jutta Reiter, Vorsitzende des DGB Dortmund-Hellweg ist „eine Arbeitslosenquote von unter 10 Prozent für Dortmund ein herausragendes Ereignis! Allerdings haben wir immer noch eine hohe Unterbeschäftigungsquote von über 13 Prozent und mehr als 12.400 Menschen in unserer Stadt sind Langzeitarbeitslose. Aus diesem Grund braucht Dortmund dringend einen sozialen Arbeitsmarkt, um auch jenen Menschen Teilhabe zu ermöglichen, die nicht von der guten Wirtschaftslage profitieren“, so Jutta Reiter.

Gewerkschaft: Arbeitslose für Pflege qualifizieren

„Das Unterschreiten der 10-Prozent-Marke bei der Arbeitslosenquote sollte für alle Akteure in Dortmund Ansporn sein, die erfreuliche Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt weiter zu unterstützen und zu verstetigen. Ein Ansatzpunkt dazu könnte aus Sicht von ver.di eine Intensivierung der Bemühungen sein, arbeitslose Menschen durch gezielte Maßnahmen für eine Tätigkeit in den Bereichen zu qualifizieren, in denen es einen erheblichen Bedarf an Arbeitskräften gibt, wie zum Beispiel im Bereich der Pflege oder bei erzieherischen Tätigkeiten“, sagt Michael Bürger, Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Westfalen.

Weg  mit Förderprogrammen verstetigen

„Wir freuen uns, dass die Zahl der arbeitslosen Dortmunder nach langer Zeit erstmals wieder einstellig geworden ist, und viele Menschen den Weg in Arbeit gefunden haben. Das ist ein starkes Signal für unsere heimische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt“, sagt der der Geschäftsführer des Jobcenters, Frank Neukirchen-Füsers. „Im Vergleich zum Vormonat sind in der Zuständigkeit des Jobcenters 613 Menschen weniger arbeitslos, darunter mit rund 160 vor allem junge Menschen und gut 200 Langzeitarbeitslose. Letztere profitieren, das verdeutlichen die Zahlen, überdurchschnittlich von der wirtschaftlichen Entwicklung und den Förderansätzen sowie Kooperationen der letzten Jahre, die gut auf die Wirtschaftslage aufsetzen. Im Oktober 2015 waren 15.629 Menschen langzeitarbeitslos, 11.429 im Oktober dieses Jahres, das entspricht einem Rückgang von 26,9 Prozent innerhalb der letzten vier Jahre. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl arbeitsloser Jobcenterkunden um 20,3 Prozent zurück. Diese Wege wollen wir auch in Zukunft mit den neuen Förderprogrammen verstetigen“, so Neukirchen-Füsers.
Hintergrund
Im Jahr 1982, als die Arbeitslosenquote für die folgenden dreieinhalb Jahrzehnte auf über 10 Prozent anstieg, wohnten in Dortmund knapp 603.847 Menschen. Davon waren 212.500 in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Seit 2010 wächst die Dortmunder Bevölkerungszahl wieder kontinuierlich.

601 800 Menschen leben in Dortmund. Aktuell verzeichnet die Stadt über 240 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Das sind 28 000 mehr als zu den Zeiten von Kohle, Bier und Stahl.^
Will weiter auf Qualifizierung verstärkt auf Weiterbildung setzen: Arbeitsagentur-Chefin  Martina Würker.

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