120 Jahre Bahnhofsmission am Hauptbahnhof Dortmund: Betrieb wieder möglich
Wiedereröffnung statt Jubiläum

Christina Wittler (l.) und Swetlana Berg freuen sich nun bei der Bahnhofsmission wieder am Gleis 2 für andere da sein zu können. An 365 Tagen im Jahr ist die Bahnhofsmission geöffnet.
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  • Christina Wittler (l.) und Swetlana Berg freuen sich nun bei der Bahnhofsmission wieder am Gleis 2 für andere da sein zu können. An 365 Tagen im Jahr ist die Bahnhofsmission geöffnet.
  • Foto: Diakonie
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Exakt drei Monate blieb die Bahnhofsmission Dortmund aufgrund des Infektionsschutzes geschlossen, seit zehn Tagen, sind die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden wieder als zuverlässige Ansprechpartner und Helfer vor Ort. An Gleis 2-5 des Hauptbahnhofes gibt es dann wieder eine Aufenthaltsmöglichkeit, Kaffee und Wasser sowie offene Ohren, Rat und Hilfe wie seit 120 Jahren.

In den Normalbetrieb geht es noch nicht ganz: Bis auf Weiteres dürfen vier Gäste gleichzeitig die Bahnhofsmission betreten, mit Maske und Mindestabstand. Auch die 40 Ehrenamtlichen teilen sich ihre Dienste vor Ort ein, aktuell werden stets drei bis vier statt sonst sechs bis acht anwesend sein. „Ab Montag kann jeder am Hauptbahnhof wieder unsere Hilfe in Anspruch nehmen, unbürokratisch und direkt“, erklärt Leiterin Swetlana Berg von der Diakonie Dortmund. Normalerweise ist die Bahnhofsmission an 365 Tagen im Jahr von 8 bis 20 Uhr geöffnet, zur Wiedereröffnung erstmal von 12 bis 18 Uhr. „Die Schließung hatte nicht nur mit Besuchern zu tun, sondern auch mit den vielen Ehrenamtlichen, für dessen Wohl wir bei ihrer Tätigkeit verantwortlich sind. Deswegen sind noch nicht alle wieder im Einsatz“, ergänzt Christina Wittler von der Bahnhofsmission.

120-jähriges Bestehen

Der Tag der Wiedereröffnung stand bei der Bahnhofsmission schon vor der Corona-Krise im Terminkalender: Ursprünglich waren viele Aktivitäten rund um das Jubiläum geplant, inklusive Festakt, Oberbürgermeister-Besuch und Talkrunde. Denn die Einrichtung gehört seit 120 Jahren zu den ältesten Bahnhofsmissionen Deutschlands. „Stattdessen freuen wir uns aber sehr, dass wir endlich wieder für Menschen da sein können“, meint Swetlana Berg zu den bis auf Weiteres abgesagten Festivitäten.

Hilfe vor Ort

Vom Getränk vor Ort, über eine niederschwellige Beratung bis zur Vermittlung in weiterführende Hilfen ist die Bahnhofsmission eine Anlaufstelle für Menschen, die Hilfe brauchen. Jährlich nutzen dies rund 25.000 Menschen, etwa zehn Prozent davon sind Reisende. In enger Kooperation mit anderen Hilfeeinrichtungen ist die Bahnhofsmission ein wichtiger Teil des sozialen Netzwerkes Dortmunds. Der Präsenzdienst im Bahnhof schaut nach Menschen, die Hilfe benötigen, die Ehrenamtlichen in den blauen Westen helfen beim Ein- und Aussteigen und sind stets ansprechbar.

"Kids on tour"

Ein weiterer Bereich der Bahnhofsmission Dortmund ist „Kids on Tour“: Gemeinsam mit der Deutschen Bahn ermöglichen die Mitarbeiter es Kindern, ohne Begleitung reisen zu können. Etwa, um die Großeltern oder Vater oder Mutter zu besuchen. 2019 nutzten über 300 Kinder dieses Angebot, zum Ferienbeginn soll auch diese Arbeit wieder anlaufen. Die Arbeit der Bahnhofsmission sich immer an den sozialen Notwendigkeiten und den Gegebenheiten ausgerichtet.

Schutz zu gewähren, Grundversorgung sicherzustellen, Hilfen in akuten Notlagen bis hin zu Krisenintervention sind Kennzeichen und Inhalt der Arbeit der Bahnhofsmission, heute wie vor 120 Jahren. Ursprünglich wurde sie als Mädchenschutzstelle gegründet. Die Industrialisierung trieb viele Menschen, vorwiegend allein reisende Mädchen und Frauen, in die Stadt. Aufgabe war es, diesen zu helfen und sie vor Ausbeutung oder Gefahr zu schützen.

Gesellschaftlicher Wandel

Die Arbeit war den gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen. Denn egal, was auch immer sich in Deutschland ereignete: An den Bahnhöfen begannen diese Prozesse. Ob es die Kriegsrückkehrer des 1. Weltkrieges waren oder die Kriegswaisen nach dem zweiten Weltkrieg, ob es die Drogenabhängigen der 80er Jahre waren oder die osteuropäischen Einwanderer um die Jahrtausendwende: Die Hilfe der Bahnhofsmission war und ist für alle. Seit den 80er Jahren wurde die Einrichtung dann immer mehr auch zur Anlaufstelle für psychisch beeinträchtigte Menschen, Wohnungslose und Asylsuchende. Die Beratung und Lebenshilfe rückten in das Hilfespektrum und ergänzten die vielfältigen Reisehilfen.

Heute vier Aufgabenbereiche:

  • Sie ist Anlaufstelle für alle Menschen, die Hilfe brauchen. Sei es ein warmes Getränk, ein Rat, das Bedürfnis nach einem geschützten Raum oder dass jemand einfach mal zuhört. Sie arbeitet in enger Kooperation mit den anderen Hilfeeinrichtungen in der Stadt und ist Teil des sozialen Hilfenetzwerkes in Dortmund. In vielen Fällen ist sie für Menschen die erste Anlaufstelle, wenn sie neu nach Dortmund kommen oder in einer hilflosen Situation sind. Bei Bedarf werden diese dann an die entsprechenden Stellen weitervermittelt.
  • Der Präsenzdienst im Bahnhof: Hier schauen die Mitarbeitenden nach Menschen, die Hilfe benötigen und sind für alle ansprechbar. Sie sind gut an den blauen Westen zu erkennen.
  • Die Reisehilfen: Da der Bahnhof nicht barrierefrei ist, sorgt die Bahnhofsmission dafür, dass man sich dort auch mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Geh- und Blindenstock zurechtfindet. Auch orientierungslosen oder unsicheren Menschen hilft sie. Reisehilfen können auch unter Tel. (0231) 141592 angemeldet werden.
  • „Kids on Tour“: Gemeinsam mit der Deutschen Bahn ermöglichet es die Bahnhofsmission, dass Kinder ohne Begleitung ihrer Eltern (o.ä.) reisen können. Beispielsweise, um die Großeltern oder das andere Elternteil zu besuchen.

Unterstützung willkommen

Die Bahnhofsmission in Dortmund ist eine ökumenische Einrichtung, in der Trägerschaft vom Diakonischen Werk Dortmund und Lünen gGmbH und IN VIA Dortmund e.V. Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit. Sie hat zwei festangestellte Mitarbeitende, derzeit drei Arbeitsgelegenheiten in Kooperation mit dem Jobcenter Dortmund und rund 40 Ehrenamtliche. Menschen, die Interesse haben, das Team der Bahnhofsmission zu unterstützen, sind jederzeit willkommen.

Kontaktdaten der Bahnhofsmission Dortmund

Hauptbahnhof
Gleis 2-5
Königswall 15
44137 Dortmund
Tel. 0231 14 15 92

www.bahnhofsmission-dortmund.de
dortmund@bahnhofsmission.de

Christina Wittler (l.) und Swetlana Berg freuen sich nun bei der Bahnhofsmission wieder am Gleis 2 für andere da sein zu können. An 365 Tagen im Jahr ist die Bahnhofsmission geöffnet.
Gemeinsam helfen, das ist seit 120 Jahren das Anliegen, der Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission Dortmund. Hier ein Teil des Teams vo der Corona-Zeit.
Autor:

M Hengesbach aus Dortmund-City

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